Markneukirchen: Eine Stadt ringt mit ihrer Stärke

In Markneukirchen läuft der 52. Internationale Instrumentalwettbewerb. Die Rolle, die das heimische Meisterhandwerk einnimmt, wird noch gesucht.

Markneukirchen.

Wenn ein Politiker von "Herzensangelegenheit" redet, gehen in der Regel die Alarmglocken an: Entweder ist das eine Phrase aus dem Satzbaukasten, oder da meint einer das Gegenteil von dem, was er sagt. Doch nicht so in Markneukirchen: Wenn Bürgermeister Andreas Rubner (parteilos) den Internationalen Instrumentalwettbewerb zum Auftakt zu seiner "Herzensangelegenheit" erklärt, muss niemand zwischen den Zeilen lesen: Es ist echt, bodenständig und ungefährlich - der stets um Harmonie bemühte Bürgermeister ist die Idealbesetzung für die ortstypische Mischung aus Bürgerstolz und Understatement. Mit 97 Musikern - davon 58 im Fach Viola und 39 Kontrabassisten - hat der Wettbewerb begonnen. Für 50 ist er nach einer Runde seit Sonntag vorbei - da bleibt Zeit für den Blick über den Wettbewerbs-Tellerrand hinaus. Immerhin hat die Vogtlandstadt etwas, mit dem wenige punkten können: Die Wettbewerbsteilnehmer spielen in der Stadt, in der ihre Instrumente gebaut werden. Diesen Umstand versuchen die Veranstalter ein ums andere Mal in den Ablauf des Ausscheids einzubinden - mit wechselndem Erfolg. Markneukirchen, die Stadt mit mehr als 120 Jahren Ringertradition, sie braucht Kampfkraft: Es ist ein Ringen mit der eigenen Stärke. Denn die Besonderheit des heimischen Handwerks und das strenge Reglement des Wettbewerbs zueinanderzubringen, gleicht bisweilen der Quadratur des Kreises.

Beispiele? Die extra angebotenen Schnuppertouren in Werkstätten: Gestrichen, da kaum angenommen. Die vorab mehr als respektable Ausstellung von Instrumenten in der Musikhalle: Am Eröffnungstag auf Garderoben-Tresen und wenige Tische reduziert, zum Auftaktkonzert noch kleiner. Eine Platzfrage, natürlich. Aber sollte es daran scheitern? Immerhin: Die einheimische Handwerker-Innung hat am Montagabend einen neuen Anlauf gestartet: Eine geführte Tour für Juroren und Teilnehmer durch die Musikstadt. Dass es nicht versucht wird, kann den Markneukirchenern keiner vorwerfen. Viele Instrumentenbauer sind präsent, mit offenen Türen, als Wettbewerbssponsoren, als treue Besucher. Wobei sich bei der Publikumsresonanz die Erkenntnis durchsetzt, dass 300, 350 Leute Standard werden, es mehr Gäste allenfalls bei Programmen sind, wo klar ist, dass der bestens bekannte Inhalt "ungefährlich" für die Ohren ist.

Doch empfiehlt sich, genau hinzusehen, hinzuhören: Sonst könnte zum Beispiel leicht die gelungene Sonderausstellung zur Deutschen Posaune übersehen werden, die mit wahrem Bienenfleiß der Chef des Fördervereins des Musikinstrumentenmuseums, Mario Weller, und seine Mitstreiter zusammentrugen. Begrenzten Ausstellungsmöglichkeiten zum Trotz: Die Schau mit fast 70 Instrumenten bildet nicht weniger als die Entwicklungsgeschichte der Posaune ab, mit großem Vogtland-Anteil - haben doch Handwerker namentlich aus Grün und Adorf, die Posaunengeschichte entscheidend mitgeschrieben. Alles kein Grund zum Kleckern, eher zum Klotzen. Das schafft der Wettbewerb in Sparten, in denen es wichtig ist: Die Preisgelder machen einen Sprung nach oben, die Jury ist erlesen wie und eh und je, die Schirmherren mit Dirigent Christian Thielemann und Kultur-Bundesstaatsministerin Monika Grütters hochkarätig. Keine schlechten Voraussetzungen, dass der Wettbewerb als "Herzensangelegenheit" noch lange erhalten bleibt.

Veranstaltungen

Blaskonzert: Heute, 19 Uhr, Musikhalle: "Das sind wir - ein Abend mit dem Blasorchester Markneukirchen", Eintrittskarten 12 und 14 Euro.

Finalrunden: Donnerstag, 19 Uhr (Kontrabass); Freitag, 19 Uhr im Fach Viola, Musikhalle, mit der Vogtland- Philharmonie Greiz/Reichenbach unter David Marlow, Karten 3 Euro.

Preisträgerkonzert: Samstag, 19 Uhr, Musikhalle, alle Preisträger des Wettbewerbs und due Vogtland- Philharmonie Greiz/Reichenbach unter David Marlow, Karten 10 und 12 Euro.

Sonderausstellung: "Die Deutsche Posaune im Vogtland", Räume der Stadtgeschichtsschau im Historischen Sägewerk, bis 31. Oktober, dienstags bis sonntags 10 bis 16 Uhr.

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