Max Uhlig begeistert von Brücke-Künstler Schmidt-Rottluff

Spitzig verschlungene Zweigwerke sind Erkennungszeichen seiner Kunst. Ob Porträt oder Landschaft, Max Uhlig formt sie abstrakt aus Linien und Pinselstrichen - auch beeinflusst von den Expressionisten.

Dresden (dpa) - Der Dresdner Maler und Zeichner Max Uhlig hat sich in besonderer Weise an einem Mitglied der expressionistischen Künstlergruppe Brücke orientiert. Schon früh habe ihn Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) beeinflusst, sagte Uhlig der Deutschen Presse-Agentur. «Vor allem von der Radikalität, die er entwickelte, und ganz besonders im Holzschnitt, war ich fasziniert.»

Die Chemnitzer Stiftung zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff verbindet nun die Namen der Künstler, indem sie Uhlig am Freitagabend ihren mit 20 000 Euro dotierten Kunstpreis 2020 verleiht. «Ich finde es ganz toll, dass die Stiftung mit Schmidt-Rottluff einen sächsischen Künstler, der wegen seiner Radikalität nie ein Publikumsliebling werden konnte, ins Licht rückt», sagte der 83-Jährige vor der coronabedingt auf eine Übergabe im privaten Rahmen reduzierten Veranstaltung.

In Uhligs Werk verbinde sich Malerei und Zeichnung «zu einem Oeuvre von höchster Qualität», begründete die Jury ihre Wahl. Anteil daran hat auch Schmidt-Rottluff, den der Kunststudent in einer Ausstellung mit expressionistischer Grafik Ende 1957 für sich entdeckte. «Das war ein zündendes Erlebnis, da habe ich Schmidt-Rottluff mit den anderen Brücke-Künstlern dominant erlebt.» Die Holzschneider der Brücke seien «in den Anfängen wie eine Geschwisterfamilie für mich» gewesen.

Der gelernte Schriftzeichner studierte damals bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer in Dresden, seit 1964 arbeitet er freischaffend. Verschlungene Zweigwerke sind Erkennungszeichen seiner Kunst, seit Jahrzehnten bringt er Landschaften und Porträts als scheinbares Gewirr aus Linien und Pinselstrichen auf Leinwand und Papier - auch Gerhard Schröder saß ihm in seiner Amtszeit für das Kanzlerporträt Modell.

Uhlig faszinieren von Anfang an Kühnheit und Radikalität von Schmidt-Rottluff. Bei ihm zeige sich schon 1907 eine noch härtere Brechung der Formen als bei den anderen Mitgliedern der berühmten Dresdner Künstlervereinigung (1905-1913). Das Expressive geht bei ihm selbst durch das Ganze - Malerei, Zeichnung und auch Gemälde haben oft etwas Radikales.

Die Stiftung zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff wurde 2015 von dem Unternehmerpaar Jürgen und Sonja Oehlschläger gegründet. Sie vergibt alle zwei Jahre mit internationaler Reichweite einen Kunstpreis «an eine bedeutende künstlerische Persönlichkeit der Gegenwart». Erster Preisträger war 2018 der Chemnitzer Maler, Grafiker und Bildhauer Michael Morgner.

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