Medimeisterschaften in Leipzig: Wo tausende Medizinstudenten feiern

Dass Studenten feiern können, ist kein Geheimnis. Dass Medizinstudenten aber gleich ein Festival auf die Beine stellen, ist doch eine Überraschung.

Leipzig/Bad Schlema.

Riesige Bühnen, riesiger Aufwand und riesiges Bier-Sponsoring, das beim ersten Blick ins Auge springt und natürlich zehntausende feiernde Fans. So sieht es zumindest auf Festivals wie Rock am Ring, Hurricane oder Southside aus, die schon fett in den Kalendern stehen und in den nächsten Wochen über die Bühnen gehen. Doch es geht auch anders: mit weniger Budget, mehr Eigeninitiative und einer Menge Hingabe. Genau damit stellen Medizinstudenten seit 2016 ein eigenes Festival auf die Beine: Die Medimeisterschaften. Mittlerweile lockt die Veranstaltung jährlich 20.000 Studenten aus Deutschland und Europa, die auch dieses Pfingsten wieder erwartet werden. Und das, obwohl sich keine bekannten Bands auf dem Flugplatz Obermehler im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis die Ehre geben - das erledigen Studenten-Ensembles. Den Reiz des Festivals macht vielmehr sein ganz besonderes Flair aus, das aus den Eigenheiten der Berufsgruppe entsteht: Man könnte fast sagen, es handelt sich um eine Art ausgelassenen Ärztekongress.

Ein erstes Highlight gehört daher schon lange Zeit vor dem Festival dazu: eigene Lieder schreiben. Das ist die Aufgabe der Unis. Besser gesagt, einzelner Gruppen, die ihre Uni vertreten. Je eingängiger, witziger oder schriller, desto besser. Die kreativsten Köpfe dürfen dann selbst auf die Bühne, die sonst vor allem eher unbekannte DJs bespielen, und ihre Hits den Kommilitonen präsentieren. Vielleicht ergibt sich da für so manchen Studenten sogar eine Alternative zum Studium - immerhin landete der Geislinger Tobias Riethe alias Tobee mit seinem "Medi"-Song "Helikopter 117" einen viralen Ballermann-Hit: 16 Millionen Mal wurde das Video bei Youtube geklickt.

Angehende Mediziner der Uni Leipzig schicken in diesem Jahr daher einen Song ins Rennen. Unter dem Motto "Angelsachsen" haben Georg Bornemann und Kristof Eidam ihr Lied "#NurAngeln" produziert. Hunderte Stunden haben sie im vergangenen halben Jahr in das Stück gesteckt, das mit Reverenzen an Leipzig gespickt ist. Aufgenommen haben die Hobby-Musiker das Lied in Bad Schlema in der Musikschule von Holger Schmiedel. Gedreht wurde dann im April in Leipzig: am Cospudener See, in den Kanälen, am Augustusplatz. "Wir wollten einen fröhlichen Song zum Feiern machen, mit punkigem Ska-Charakter und Trompete. Textlich sollten sich medizinischer Witz und Zweideutigkeit treffen. Da kamen wir um Untertitel im Video nicht herum.", erzählt Bornemann. So wie das Lied selbst geschrieben ist, wurden auch echte Instrumente gespielt - so wie es sich für musikalische Mediziner eben gehört.

Angefangen hat alles mit einem Fußballturnier, zu dem sich angehende Mediziner getroffen haben. Der Wettkampf, der heute noch besteht, reichte aber irgendwann nicht mehr, Musik musste her. Also: Bühne, Verstärker und eigene Lieder dazu - fertig ist das Festival!

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...