Mit 508 Fässern Wein um die Welt

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Vor 500 Jahren kam der Seefahrer Ferdinand Magellan ums Leben. Er gilt gemeinhin als der Erste, der die Erde umsegelte.

Bevor er zu jener abenteuerlichen Reise in See stach, die heute als die erste Weltumsegelung der Geschichte gilt, setzte Ferdinand Magellan erst mal sein Testament auf. Die fünf Schiffe seiner Armada waren am 10. August 1519 schon mal vorausgefahren, während er am 24. August in Sevilla noch seinen letzten Willen diktierte. Ob er geahnt hat, dass er von der Fahrt nicht zurückkommen wird? Oder war es bei derartigen Expeditionen ohnehin üblich, die Verhältnisse zu regeln?

Am 27. April jährt sich zum 500. Mal der Tag, an dem der portugiesische Seefahrer auf tragische Weise ums Leben kam. Zum Jahrestag wird Ferdinand Magellan vielerorts wieder gefeiert werden für etwas, was er sich genau genommen gar nicht auf die Fahne schreiben darf. Darüber sind sich die Historiker heute einig. Hat er die Welt doch weder selbst umsegelt (weil er auf seiner Reise ums Leben kam), noch jemals den Plan dazu gefasst. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war sein klingender Name deswegen auch weitestgehend unbekannt. Wie so oft ist es der Literatur zu verdanken, dass Magellan in die Geschichte einging. Genauer: seinem italienischen Reisebegleiter Antonio Pigafetta, der nach seiner Rückkehr die Erlebnisse der Weltumsegelung als Chronist zu Papier brachte. Lange kümmerte das keinen. Nachdem der Gelehrte Carlo Amoretti in der Mailänder Biblioteca Ambrosiana aber die verstaubte Schrift Pigafettas entdeckt und sie im Jahr 1800 veröffentlicht hatte, begann der Stern Magellans aufzugehen. Ob es derartige Überraschungsfunde in ein paar hundert Jahren auch im Internet geben wird?

Auf die Welt kam Magellan als Spross einer portugiesischen Adelsfamilie in Vila Nova de Gaia in der Nähe von Porto. In welchem Jahr, das ist nicht bestätigt, vermutet wird um 1480. Die Weinberge und Kastanienwälder, die ihm seine Eltern Rui de Magalhães und Alda de la Mesquita hinterlassen hatten, lasteten ihn nicht aus. Vor seiner Weltreise vermachte er sie in besagtem Testament den Geschwistern. Er selbst fühlte sich zu Höherem berufen. Als Gefolgsmann des Königs Manuel I. heuerte er an und leistete seinen Kriegsdienst. Bis 1513 kämpfte er unter der portugiesischen Flagge und lernte den Atlantik und den Indischen Ozean kennen. Anschließend verkehrte er zwischen Portugal und Marokko, zog sich bei einer Strafexpedition eine Verwundung am Knie zu, sodass er zeitlebens hinkte, und fing an, mit exotischen Gewürzen zu handeln. Er soll von Statur "kleinwüchsig" und "unscheinbar" gewesen sein, berichtet ein Missionar. Vielmehr ist über sein Äußeres nicht zu erfahren, aber er sei "wacker in seinen Gedanken und zu großen Taten aufgelegt" gewesen.

Heldenmut bedurfte es auch, um zu einer Entdeckungsreise aufzubrechen, wie Magellan sie vorhatte. 1517 handelt er mit dem spanischen König Karl I. einen Kontrakt aus. Der soll ihm Schiffe und Ausrüstung finanzieren, um nach Westen zu segeln und einen Seeweg nach Indien zu finden, wo die sagenumwobenen Gewürzinseln reichen Profit versprechen. Magellan will vollenden, was Christopher Kolumbus im Jahr 1492 vergeblich versucht hat. Nicht in Amerika will er landen, sondern eine südliche Umfahrung des Kap Hoorn entdecken. Die Vorbereitung der Reise dauert fast zwei Jahre. 508 Fässer Wein werden geladen, 2138 Zentner Zwieback, 984 Käselaibe, 200 Fässer Trockenfisch und sieben Kühe. Verteilt auf fünf Schiffe. Neben der Trinidad als Flaggschiff zählen noch die San Antonio, die Concepción, die Victoria und die Santiago zur Flotte. Damit sie sich auf See nicht verlieren, wird auf der Trinidad nachts eine Fackel angebracht. Das Abenteuer kann beginnen - mit 237 Mann an Bord und Unmengen von Glasperlen, Kämmen, Messern und Kleidung, die auf der Reise eingetauscht werden sollen.

Von Sevilla den Guadalquivir-Fluss hinunter nach Sanlúcar de Barrameda führt die Route. Dann weiter über den Atlantischen Ozean bis Südamerika. Vor Sierra Leone gerät die Armada in eine mehrere Wochen dauernde Flaute. Magellan gerät in Streit mit dem spanischen Kapitän Juan de Cartagena und lässt ihn einsperren. Am 13. Dezember 1519 in der Guanabara-Bucht angekommen, segeln die Schiffe der Küste entlang nach Süden, erforschen jede Flussmündung und Meeresbucht, aber die Passage in den Pazifik entdecken sie nicht. Südlich des 49. Breitengrades überwintern sie in einer Bucht. Weil der Proviant ausgeht und die Besatzungen krank werden, kommt es zur Meuterei. Zwischenzeitlich befinden sich zwei der fünf Schiffe unter der Kontrolle der Aufständischen, die in die spanische Heimat zurückkehren wollen. Aber Magellan gelingt es, die Meuterei niederzuschlagen. Die Rädelsführer werden hingerichtet oder an der Küste auf nimmer Wiedersehen ausgesetzt.

Ende Oktober 1520 entdeckt der Seefahrer endlich die so sehnsüchtig gesuchte Passage, die heute nach ihm als "Magellanstraße" benannt ist. Von den zwei zur Erkundung ausgesendeten Schiffen kehrt nur die Concepción zurück. Auf der San Antonio bricht erneut eine Meuterei aus und sie kehrt nach Spanien zurück. Mehr als drei Monate braucht der Rest der Flotte für die Überquerung des Pazifiks. An Bord herrscht der Hunger. Der Zwieback ist durch Würmer und Rattenkot fast ungenießbar. Die Mannschaft ernährt sich, wie Pigafetta überliefert, von Leder, Sägespänen und Ratten, die zu einer halben Dukate gehandelt werden. So mancher erkrankt an Skorbut und stirbt. Auf den Marianen-Inseln nehmen die Seefahrer neuen Proviant auf und brennen Dörfer der Ureinwohner nieder. Am 16. März 1521 erreichen sie die Philippinen. Manche der Stammesführer lassen sich durch die Geschenke der Europäer blenden und missionieren. Andere leisten Widerstand.

Beim gewaltsamen Versuch, den Häuptling Lapu-Lapu auf der Insel Mactan einzunehmen, wird Magellan am 27. April 1521 von einem Giftpfeil getroffen, danach mit dem Speer durchbohrt und kommt ums Leben. Das Ende seiner Reise. Bis zuletzt soll er im Wasser stehend gekämpft haben, um Mitglieder seiner Mannschaft zu retten, von denen an diesem Tag so mancher getötet wird. Andere werden gefangen genommen. Als die "Victoria" als einziges Schiff am 6. September 1522 den spanischen Ausgangshafen Sanlúcar erreicht, sind gerade mal noch 18 der einst ursprünglich aufgebrochenen Besatzungsmitglieder an Bord.

Dem völlig abgetakelten Schiff blieb unter der Führung von Kapitän Juan Sebastián Elcano gar nichts anderes übrig als den Kurs zu ändern und nicht wie ursprünglich geplant über den Atlantik, sondern über den Indischen Ozean und das Kap der Guten Hoffnung zurückzukehren. So kam es zur ersten Weltumseglung eher durch unglückliche Umstände als durch echte Entdeckerlust.

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