Mit dem Frosch im Nacken

Eine kleine Ausstellung im Sommerpalais in Greiz erinnert an den Chemnitzer Karikaturisten Rainer Bach, der am 31. Dezember gestorben ist. Selbst seine Briefumschläge wurden aufbewahrt.

Greiz.

Da sitzt der Zeichner mit roter Nase, rotem Stift und angestrengtem Blick - während in seinem Nacken ein Frosch sitzt, grinst und mit seinen Froschfingern dem Zeichner heimlich Hasenohren wachsen lässt. Nimm's nicht so schwer, scheint der Frosch sagen zu wollen. Der Zeichner dieses Bildes, Rainer Bach, hat versucht, so zu leben: mit Humor, mit Schalk im Nacken, und auf Konventionen gern mal pfeifend. Am 31. Dezember vergangenen Jahres ist der Chemnitzer Karikaturist und Illustrator mit 73 Jahren gestorben. Im Sommerpalais in Greiz ist seit Anfang Januar eine kleine Ausstellung zu seinem Gedenken zu sehen.

Mit dem Museum im Sommerpalais verband ihn einiges. Dort ist unter anderem das "Greizer Satiricum" beheimatet, eine große Karikaturensammlung. "Rainer Bach war an vielen Ausstellungen im Greizer Sommerpalais beteiligt", sagt Pia Büttner, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums. Bach habe dem Satiricum im Jahr 2006 eine umfangreiche Schenkung seiner Werke von zirka 1200 Blättern übergeben sowie im Jahr 2015 die Blätter der Ausstellung "Heiter bis froschtig". Wenn früher Post von ihm im Sommerpalais bezüglich der Ausstellungen einging, waren schon die Briefumschläge Kunst der Heiterkeit: mit schwungvoller Schrift, Farbklecksen, aufgezeichneten Fliegen, gestempelten Sprüchen oder aufgeklebten Bildchen versehen. Solche Umschläge befinden sich noch in Büttners Büro - und auch in der Ausstellung werden einige gezeigt.

Es ist eine sehr kleine, aber, wie die Umschläge zeigen, liebevoll gestaltete Präsentation, rund 40 Arbeiten sind zu sehen. "Wir wollten nach seinem Tod schnell reagieren, eine große Ausstellung hätte mehr Zeit gebraucht", erläutert Büttner. Die Schau vermittelt einen Einblick in Bachs Themen und Stilarten seit den 1980ern bis heute. Es sind Alltagsszenen dabei, denen er seinen Witz untergejubelt hat; Blätter, auf denen er sich zeichnerisch der Liebe und der Lust hingab; Arbeiten, in denen er eigene Krankheiten, Nonsens und Skurrilitäten aufgriff sowie das Deutschsein - er wandte sich ausdrücklich gegen Rechts. Er hat mal akkurat zurückhaltend schwarz-weiß gezeichnet, oder ausladend farbig, und manchmal über den Rand hinaus expressiv. Und natürlich begegnet man auch in dieser Ausstellung seinen Lieblingstieren, den Fröschen, die er so oft gezeichnet und gemalt hat. So ist beispielsweise der Frosch im Stil der Mona Lisa mit diesem sanften Lächeln zu sehen. Auch der kleine Froschkönig, der genervt unter der Bettdecke hervor lugt, weil sich die Prinzessin gerade mit einem anderen vergnügt. Oder der Frosch, der ausgelassen Gitarre spielt - es könnte auch ein Banjo sein -, wozu Bach geschrieben hat: "Saufen - Weiber - Auf & Nieder, was bleibt sind nur die Lieder". Jahreszahlen, wann die Arbeiten entstanden sind, habe er selten hinterlassen, sagt Büttner. So etwas sei ihm - dem eher Rastlosen, der immer auf dem Sprung war - nicht so wichtig ge-wesen.

Bach, der in Chemnitz lebte, aber gebürtiger Freitaler war, hatte den Beruf des Plakatmalers erlernt, es folgte ein Abendstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Er arbeitete als Kinomaler und als Werbegrafiker, ab 1980 freiberuflich als Zeichner und Grafiker. Er veröffentlichte seine Arbeiten unter anderem im "Eulenspiegel". Und auch für die "Freie Presse" fertigte er Illustrationen an.

Wer also mal in der Nähe von Greiz ist oder im Frühling durch den Park ums Sommerpalais spaziert, kann einen kurzen Abstecher machen - in die skurrile, augenzwinkernde Welt des Rainer Bach.

Die Ausstellung "Zum Gedenken an Rainer Bach" im Sommerpalais in Greiz ist bis 24. Mai zu sehen. Wegen Umbauarbeiten ist sie in dieser Woche allerdings erst ab 8. Februar wieder geöffnet: bis Ende März dienstags bis sonntags 10 bis 16, ab April bis 17 Uhr.


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