Mit Familienanschluss

Angelo Kelly & Family spielen am Sonntag auf der Zwickauer Freilichtbühne. Vorab schwärmt der Star von seiner "historisch gewachsenen Beziehung" zu ostdeutschen Fans.

Fast wie früher, jetzt nur mit den eigenen Kindern unterwegs: Angelo Kelly mit Gitarre und seiner Familie auf deraktuellen "Irish Summer Tour" - hier machten sie in Wertheim Station.

Von Sandra M. Hänel

Dass nach all seinen Reisen, Umzügen und den zurückliegenden Jahren diese Indianer und Cowboys überlebt haben, sei ein "wahres Wunder", sagt Angelo Kelly. Er meint diese handbemalten, hölzernen Spielgefährten aus Kindertagen, die er heute noch in seinem Zuhause in Irland in einer bunten Box aufhebt. Am Sonntag nun reist er als Vater mit seiner eigenen Familie auf der Open-Air-Tour "Irish Summer" nach Zwickau, um dort ein Konzert auf der Freilichtbühne zu geben.

Die hölzernen Spielgefährten aus Kindertagen sind stumme Zeugen des 36-Jährigen aus einer Zeit, in der die Kelly Family - damals sang er mit seinen Geschwistern - in der DDR-Fernsehsendung "Ein Kessel Buntes" auftrat. Nur wenige Tage vor dem Mauerfall im Herbst 1989 war das. "Damals dachten wir, wir sind in einer großen TV-Show, das wird unser Durchbruch", erinnert sich Angelo. Sie seien damals "wie die großen internationalen Stars" hinter den Kulissen behandelt worden. "Das war verrückt", sagt er, lacht und freut sich noch heute darüber.

Zu dieser Zeit war er erst sieben Jahre alt. Weil die "Kessel"-Gage in DDR-Mark im Westen Deutschlands nichts wert war, erzählt er, wollte sich die Familie davon in Ost-Berlin Instrumente kaufen. Allerdings gab es in dem Geschäft genau an jenem Shopping-Tag außer ein paar Mundharmonikas nichts mehr. Deshalb lud Vater Dan seine Kinder kurzerhand in einen Spielzeugladen ein. "Das war irre", erzählt Angelo: Denn außerhalb von Geburtstagen oder Weihnachten haben die Kelly-Kinder kein Spielzeug einfach so geschenkt bekommen. "Außerdem haben wir alles miteinander geteilt." Deshalb war es auch eine riesen Überraschung für alle, als Vater Dan meinte: "Sucht euch aus, was ihr wollt!", erinnert sich Angelo. "Jeder von uns hat sich dann den Einkaufskorb vollgemacht", sagt er und lacht. "Das werde ich nie vergessen!"

Bis heute existieren also die Indianer und Cowboys, die er sich einst dort ausgesucht hatte. Genau wie die Kellys, die zu Beginn des Jahres ein von ihren Fans mit Begeisterungsstürmen begleitetes, sehr erfolgreiches Comeback auf den Bühnen der Republik abgeliefert haben. Darüber hinaus tourt Angelo mit seiner eigenen Familie und neuer Platte durchs Land. "Irish Heart" heißt die CD und versteht sich als Tribut an Irland, wo Angelo heute mit seiner Frau Kira und den gemeinsamen fünf Kindern lebt. Für das Album haben sowohl die Eltern, als auch der Kelly-Nachwuchs Lieder beigesteuert. Daneben sind eine Reihe alter irischer Traditionals zu finden.

Mit der "Irish Summer Tour" stellt Angelo die aufgenommenen Stücke live vor. Mit Blick auf den Auftritt in Zwickau und dem Publikum sagt er, dass es "keine ungewisse Situation" sei, wie das vielleicht hin und wieder in anderen Städten der Fall wäre. Schließlich sind die Zwickauer, wie insgesamt seine ostdeutschen Fans, ein "emotionales Publikum", sagt er. "Die Leute gehen von Anfang an mit, warten nicht erst ab. Ich freue mich auf das Konzert." Überhaupt verbinde ihn mit den ostdeutschen Zuhörern eine "historisch gewachsene Beziehung".

Nach der Wende sei die Kelly Family "sehr viel" im Osten unterwegs gewesen, habe auf der Straße gespielt, auch in Zwickau oder in Plauen zum Beispiel. Als kleiner Junge habe er damals schon mitbekommen, dass sich da etwas grundlegend für die Menschen verändert, auch wenn er von Politik keine Ahnung hatte.

"Da war eine große Unsicherheit unter den Menschen zu spüren, was da wohl jetzt auf sie zukommt, aber es war auch sehr viel Hunger da", sagt er. Die Menschen seien hungrig auf Veränderung, auf die Zukunft gewesen. Auch für die Kellys veränderte sich in den folgenden Jahren viel. Von der Straße ging es in die größten Konzerthallen. Eine wahre Kelly-Hysterie brach los, Angelo war damals 13 Jahre alt. "Für mich war das alles in Ordnung, ich habe auch keinen Schaden davon getragen", sagt er und lacht wieder herzhaft.

Dass er nun selbst als Papa mit seinen Kindern auf der Bühne steht, ist für ihn folgerichtig: "Wir sind eine musikalische Familie, wir fühlen uns wohl damit." Gleichzeitig ist Angelo auch weiterhin fester Bestandteil der Kelly Family. Er switcht in diesem Jahr zwischen der einen Konzertreihe und der, die er mit seiner eigenen Familie bestreitet, hin und her. Mit dem doppelten Erfolg setzt er sich damit auch einer doppelten Belastung aus. Für ihn funktioniere das nur, weil er in den vergangenen Jahren gelernt habe, im Hier und Jetzt zu bleiben. "Alles andere muss man in dem Moment ausblenden", sagt er. Auch wenn es harte Arbeit sei, er freue sich, diese "beiden Baustellen" überhaupt erleben zu dürfen.

Das Konzert

Angelo Kelly & Family am Sonntag, 9. September, 17 Uhr auf der Freilichtbühne Zwickau, Parkstraße. Tickets gibt es in allen "Freie Presse"-Shops.

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