Musikfest Erzgebirge: Historisches Zirkuszelt lässt Träume wahr werden

Das Musikfest Erzgebirge will in seiner fünften Auflage dem Motto "Träume" folgen. Wahr werden sollen sie in diesem Jahr erstmals auch in einem historischen Zirkuszelt.

Annaberg-Buchholz.

"Träume erleben", das ist im Erzgebirge seit einiger Zeit auf besondere Art möglich, dank der Volkskunst in der Annaberger "Manufaktur der Träume". Das Musikfest Erzgebirge lädt im September mit seiner fünften Auflage zusätzlich dazu ein, in der Bergstadt in eine andere Welt einzutauchen: mit dem Projekt "Barocke Circusträume". Auf dem historischen Markplatz wird dazu ein Spiegelzelt im Stil des späten 19. Jahrhunderts errichtet - mit rundem Grundriss und Wänden aus Holz, verspiegelten Säulen, Parkettboden und Stühlen mit rotem Samtbezug. Jonglage, Seillauf auf Flaschenhälsen, menschliche Pyramiden gewinnen zu barocken Rhythmen von Händel und Hasse, Vivaldi und Rameau neu an Intensität.

Zwar wurde das Genre nicht im Erzgebirge erfunden, doch das diesjährige Motto "Träume" schafft einen Raum, um diese, für ein Musikfestival eher ungewöhnliche Facette einzubinden. Ein breiteres Publikum soll abgeholt und für einen Musikstil gewonnen werden, der für viele nur wenig gegenwärtig ist. Ein Zirkus scheint eine gute Wahl, schließlich sei es "der einzige Ort, wo das Kind und der Intellektuelle in der gleichen Sekunde lachen", so Bernhard Paul, Clown und Mitbegründer des Circus Roncalli. Dass der temporäre Bau eher einem Musiktheater ähnelt als einem der heute üblichen Zirkuszelte, ist historisch erklärbar. "Eigentlich müssten wir in die Oper gehen", sagt Festivaldramaturg Oliver Geisler, der für das Projekt mit Experten aus Deutschland, England, Kanada und Australien tief in der Geschichte recherchiert hat. Leicht war dies nicht, denn das Thema ist wenig erforscht. Einigkeit besteht darin, das Jahr 1768 als Geburtsjahr des modernen Zirkus zu benennen. Da gründete Philip Astley in London eine Reitschule. Der Visionär schuf ein Netz aus Theatern in Europa. Lange vor der Zeit der wandernden Zelte gab es prachtvolle Bauten. Lange vor der Sensation gab es Geschichten, die in der Manege erzählt, musikalisch untermalt wurden und die Tausende Besucher anzogen.

Dort will das Musikfest 250 Jahre danach ansetzen. Tim Schneider, Regisseur der Show, arbeitet gemeinsam mit der musikalischen Leitung an einer Szenerie, die dem Zirkus der Gründerzeit möglichst nahe kommt. "Wir wollen und können nicht das wieder auf die Bühne bringen, was damals in London stattgefunden hat", relativiert der Berliner Künstler und Zirkusexperte, "aber wir möchten gerne die Artisten von heute mit der künstlerischen Idee von Astley konfrontieren und daraus etwas Neues schaffen mit einem Bezug zur Grundidee des Zirkus." Eine Abweichung geschieht absichtsvoll und folgt unserem Zeitgeist. Der neue alte Zirkus wird ohne Pferde und andere Wildtiere auskommen.

Mit der Premiere der "Barocken Circusträume" am 6. September startet das Musikfest Erzgebirge. Bis zum 11. September soll es zehn Folgevorstellungen geben, während in Kirchen und Sälen von Zschopau und Marienberg, Schlettau und Grünhain, Schneeberg, Annaberg und Schwarzenberg bis zum 16. September erlesene Programme zu hören sind. Sie alle gehen dem Thema "Träume" auf unterschiedliche Weise musikalisch nach. Howard Arman dirigiert zum Sängerfest Mendelssohns "Lobgesang". Der Lettische Rundfunkchor lässt mit Klassikern der Moderne und Gegenwart von Freiheit träumen. Cembalist Mahan Esfahani spielt mit Bachs Goldberg-Variationen gegen unliebsame Träume an, Countertenor Franz Vitzthum interpretiert erotische Lieder zur Nacht. "Albtraum des Krieges, Visionen des Friedens" lautet ein Programm des Dresdner Kammerchors unter Leitung von Hans-Christoph Rademann. Der Festivalintendant und sein Chor setzen mit "Jephta" zum Abschluss auf das Prinzip Hoffnung. In diesem dramatischen Händel-Oratorium verhindert ein Engel eine ungeheuerliche Tat. Auch dieser biblische Stoff dient als Story, die Träume nähren kann.

Seit 2012 lässt sich das Musikfest Erzgebirge vorab und begleitend in der Manufaktur der Träume sinnlich erleben in Form eines "begehbaren Programmhefts". Diese Schau erlebt ihre vierte Auflage und stimmt bereits jetzt auf den kommenden Jahrgang ein. Als Sonderausstellung "Unter Engeln" erzählt sie eine kleine Kunstgeschichte der himmlischen, musikaffinen Hüter. Exponate und Geschichten liefern Hintergründe zu einzelnen Konzerten. In einem Hörzelt können sich Besucher von einem Schutzengel musikalisch berühren lassen. Heinrich Ignaz Franz Biber liefert mit der finalen Passagaglia seiner Rosenkranz-Sonaten für Violine die passenden Klänge dazu, die am 11. September in der Kirche Grünstädtel dann mit der Barockgeigerin Mayumi Hirasaki live zu hören sind.

www.musikfest-erzgebirge.de

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