Nabelschau und Außenansichten: Karikaturen in Meiningen

Satire in Comic-Form gibt es nun gleich zwei Mal im Meininger Museum im Schloss Elisabethenburg zu sehen. Zwar handelt es sich um Wanderausstellungen, aber die Meininger Museen setzen zusätzlich auf eine besondere Aktion.

Meiningen (dpa/th) - Im Doppelpack präsentieren die Meininger Museen Sonderausstellungen zur deutschen Geschichte in Karikaturform. Insgesamt rund 200 überzeichnete Darstellungen von Politikern, Zeitgeschehen und Alltag sind ab Mittwochabend in den zwei Wanderausstellungen «Deutschlandbilder - Das vereinigte Deutschland in der Karikatur des Auslands» und «Unterm Strich - Karikatur und Zensur in der DDR» zu sehen.

«Ohne erläuternde Texte geht es nicht», sagte Kurator Andreas Seifert. Denn vieles, worauf die Karikaturisten anspielten, sei heute nicht jedem Besucher geläufig. Texttafeln helfen deshalb bei der Einordnung, wenn es etwa darum geht, zu verstehen, weshalb der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer von einem Zeichner gleichzeitig als Feuerwehrmann und Brandstifter dargestellt wird.

Eine Schau beschäftige sich intensiv mit der Zensur und dem übrig bleibenden Spielraum für Karikaturisten in der DDR, sagte Seifert. «Auf der einen Seite hatten die Künstler in der DDR eine gute Ausbildung etwa in Leipzig oder Halle genossen, aber wer als Karikaturist natürlich etwas übertrieben darstellen wollte, hatte mit Schwierigkeiten zu rechnen.»

So habe etwa der Karikaturist Manfred Bofinger in einer Zeichnung festgehalten, welche Folgen eine allzu kritische Haltung haben konnte. Darauf zu sehen ist eine Figur in Sträflingskleidung auf einer Bank. In der Sprechblase steht: «Eine gute Pointe muss eben sitzen!»

«Deutschlandbilder» zeigt dagegen Bilder von Karikaturisten aus 25 Ländern, die sich mal bitterböse, mal euphorisch zwischen 1990 und 1995 mit der Wiedervereinigung beschäftigen.

«Die Kombination der beiden Wanderausstellungen hat es so noch nicht gegeben», sagte die zuständige Ausstellungskoordinatorin aus dem Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (HDG).

Speziell für die Meininger Ausstellungen rufen die Museen dort zu einer besonderen Aktion auf: Bis spätestens zum 1. Mai können Interessierte selbsterlebte Anekdoten und Geschichten aus der DDR- und Wendezeit einsenden, die ihnen eine Karikatur wert wären. Eine Auswahl setzte der Karikaturist Rabe dann bis zum Internationalen Museumstag am 19. Mai in Zeichnungen um.

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