Nach Corona soll Mahler im Leipziger Gewandhaus erklingen

80 Veranstaltungen sind wegen der Coronakrise im Leipziger Gewandhaus schon abgesagt worden. Dennoch blickt der Gewandhausdirektor optimistisch auf die kommende Spielzeit.

Leipzig (dpa/sn) - Wegen der Coronavirus-Pandemie hat das Leipziger Gewandhaus bereits 80 Veranstaltungen bis zum 20. April abgesagt. «Die Schäden können wir momentan noch nicht absehen und auch noch nicht beziffern», sagte Gewandhausdirektor Andreas Schulz am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch blickt er mit Vorfreude auf die 240. Spielzeit, die nach jetzigen Planungen Mitte September beginnen soll.

Im Mittelpunkt stehen die Komponisten Ludwig van Beethoven (1770-1827), Igor Strawinsky (1882-1971) sowie Gustav Mahler (1860-1911). Höhepunkt der Spielzeit ist laut Schulz das Mahler Festival, das vom 13. bis 24. Mai kommenden Jahres stattfinden soll. Zehn renommierte Orchester sollen die Sinfonien und weitere Orchesterwerke des Komponisten, der zwei Jahre in Leipzig lebte, aufführen. Im Vorfeld bringt das Gewandhausorchester die Oper «Die drei Pintos» von Carl Maria von Weber auf die Bühne - Mahler vervollständigte das Stück und leitete die Uraufführung 1888 in Leipzig.

In den kommenden beiden Spielzeiten ist Sofia Gubaidulina Gewandhauskomponistin. «Da bin ich sehr dankbar, dass es gelungen ist, sie zu gewinnen», sagte Schulz. «Sie ist im Prinzip die Grande Dame der großen Komponisten dieser Zeit.» Die 88-jährige Gubaidulina schreibe derzeit ein neues Orchesterwerk für das Gewandhausorchester und Kapellmeister Andris Nelsons, so Schulz. Das Werk «Prolog» soll am 8. September bei einem Gastspiel in der Berliner Philharmonie mit Nelsons uraufgeführt werden. Insgesamt plant das berühmte Konzerthaus in der 240. Spielzeit 243 Veranstaltungen, davon 72 Große Concerte.

Doch zunächst gilt es in der aktuellen Spielzeit mit der Coronavirus-Pandemie umzugehen. So will das Orchester das Musizieren ins Internet verlagern. Von dieser Woche an soll je donnerstags und freitags eine Konzertaufzeichnung auf der Internetseite veröffentlicht werden. Derzeit könnten keine Proben stattfinden, auch der Verwaltungsbetrieb sei reduziert worden, so Schulz. «Man kann jetzt auch noch gar nicht anfangen, an Ersatzplänen zu arbeiten, weil man da schlichtweg einen Zeitpunkt braucht, an dem es dann konkret wieder losgeht», erklärte er.

Er habe den «sehnsüchtigen Wunsch», dass das beliebte Open-Air-Festival «Klassik Airleben» im Leipziger Rosental Ende Juni stattfinden könne, so Schulz. Die kostenlosen Konzerte mit Zehntausenden von Besuchern markieren seit Jahren das Ende der jeweiligen Spielzeit.


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