"Name der Rose" als Fernsehserie: Selbstgebaute Stolperfallen

Der Bestseller von Umberto Eco stand Pate für eine der spektakulärsten Romanverfilmungen der 80er. Nun wurde der Stoff als Serie aufgelegt, die nach "Game of Thrones" schielt. Musste das sein?

Berlin.

Autor Umberto Eco soll sich mit Händen und Füßen gewehrt haben, als es bei der ersten Verfilmung seines Bestsellers "Der Name der Rose" an die Besetzung der Hauptfigur ging: Regisseur Jean-Jacques Annaud hatte doch tatsächliche Sean Connery ins Spiel gebracht, welcher sich für die Rolle des Mönchs William von Baskerville offenbar regelrecht aufgedrängt hatte. Doch der Italiener Eco wollte auf keinen Fall, dass aus seiner Figur ein James Bond wird - zumal Annaud den Roman bereits stark entkernt hatte: Der Franzose rückte fürs Kinopublikum vor allem die Krimihandlung um einen mordenden Mönch in Szene, die im Buch mit all seinen historischen Bezügen eher einen Nebenstrang bildet.

Das wurde dem Film später auch vorgeworfen, ebenso die teils sehr skurril dargestellten Mönche oder die düstere, von Fackellicht oft nur spärlich ausgeleuchtete Atmosphäre. Der Streifen wurde aber gerade deswegen ein riesiger Publikumserfolg: Connery spielte den Franziskaner-Mönch William mit Charme und Verve - wollte er sich doch von dem ihm lästigen Bond-Image befreien. Und das Klosterensemble, ein Mix aus damaligen Stars wie F. Murray Abraham (als Bernardo Gui) und Theatertalenten, die, wie etwa Michael Habeck (als Berengar von Arundel) oder Ron Pearlman (als Salvatore), als schräge Gestalten kaum wiederzuerkennen waren, überzeugte durch große Schauspielkunst. Wie nebenbei kam dabei allein auf Andeutungsebene viel von mittelalterlicher Historie rüber, die Interesse weckte und den Streifen letztlich zum Kultfilm machte - Eco äußerte sich später versöhnlich.

Nun hat die italienische Produktionsfirma Palomar eine international vermarktbare Fernsehserie aus dem Stoff gemacht, die bereits an ihren eigenen Ansprüchen scheitern muss: Zum einen wollte man die im Kinofilm ausgeblendeten historischen Bezüge einarbeiten, zum anderen Nebenfiguren (vor allen dem namenlosen Mädchen) mehr Raum geben - und nicht zuletzt dem Stoff eine moderne Optik verpassen, die der weltweiten Begeisterung für "Game of Thrones" Rechnung tragen sollte. Über diese Vorgaben stolpern die acht Episoden - so sehr, dass selbst der großartige Michael Emerson als Abt nie sein volles Potenzial ausspielen kann. Ja, es gibt vermehrt blutige Kampfszenen, und auch die Geschichte um die harten religiösen Auseinandersetzungen der Zeit werden nicht nur angedeutet, sondern in vielen Handlungssträngen aufgedröselt: Das kommt aber weder in die Nähe von Ecos nach wie vor betörendem Buch, noch erreicht es trotz moderner Kamerafahrten durch die Klostergemäuer die Wucht von "Game of Thrones". Nicht zuletzt sind die neuen Charaktere für mittelalterliche Mönche, Bauern oder Krieger allesamt etwas zu glattrasiert. Annaud mag damals ein wenig Richtung Freakshow übertrieben haben - tendenziell hat das aber besser gepasst.

Schafft man es jedoch, sich aus dem Erwartungsrahmen zu lösen, kann man der neuen Version vom "Name der Rose" vor dem Fernseher doch einiges abgewinnen. Die geschichtlichen Hintergründe des Kirchenkrieges um 1330, als in Europa mehrere Päpste und Könige um die Macht rangen, werden historisch sinnig aufbereitet und wecken durchaus Interesse an diesem Abschnitt der Geschichte. Die bekannte Krimihandlung um die geheimnisvolle Klosterbibliothek wird frisch aufgestrippt, das kann man sich in dieser Aufbereitung durchaus nochmal geben. Über die Folgen bekommt man dann auch einen guten Bezug zu John Turturro ("Transformers") als "neuen" Bruder William, der am Ende immerhin die Nasenspitze aus Sean Connerys Schatten zu strecken vermag. "Der Name der Rose" läuft aktuell auf Sky, ist aber auch als DVD und Blu-Ray zu haben.

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