Neues Album "My Songs" von Sting: Ein Leben in Liedern

Sting hat auf seinem neuen Album "My Songs" seinen Hits ein modernes Lifting verpasst. Besser macht sie das nicht.

London.

Sting übt sich lange schon als Verwalter seiner eigenen Songs. Ob mit Jazzband oder Symphonieorchester: Immer wieder hat er seine Hits neu eingespielt, oft sind aufregende Versionen dabei entstanden. Bei "My Songs" (A&M/ Universal) ist das nicht so. Ein Leben in Liedern, nennt der Ex-Police-Sänger sein neues Album, auf dem er 15 seiner bekanntesten Songs präsentiert, mal neu eingespielt, mal neu abgemischt. Besser geworden ist dadurch kein Track.

Die alten Police-Reißer wie "Can't Stand Losing You", "So Lonely" oder "Message in A Bottle" halten sich sehr nah am Original, fügen dem aber nichts hinzu. Im Gegenteil: Stings ehemalige Bandkollegen Stewart Copeland (Drums) und Andy Summers (Gitarre) spielten die rhythmisch vertrackten Songs irgendwie raffinierter. Nur bei "Every Breath You Take" muss man kurz mal aufhorchen und staunt über die Gitarre, die mit leichtem Chorus-Effekt stechender klingt als gewohnt.

Seine Solostücke dagegen poppt Sting mit Produzenten wie Martin Kierszenbaum (Lady Gaga, Robyn), Dave Audé (Bruno Mars, Selena Gomez), Jerry Fuentes (The Last Bandoleros) und Robert Orton (Lana Del Rey, Mumford & Sons) auf und verpasst ihnen ein Lifting. "If You Love Somebody Set Them Free" kommt mit stampfendem Disco-Beat daher, der alles monotoner macht. "Englishman In New York" unterlegt der Brite mit Salsa-Rhythmus und gesampeltem Straßenlärm. Immerhin ist das herrliche Sopransaxofon von Branford Marsalis noch zu hören, wenn auch in den Hintergrund gerückt. Und die genialen arabischen Raï-Rhythmen in "Desert Rose" bremst er durch einen sterilen Keyboard-Bass aus. Ein Verbrechen!

Tanzbarer gemacht hat Sting die Songs, keine Frage. Aber hitparadentauglich waren sie immer schon. Wozu also? Auch die Deluxe-Edition des Albums mit vier extra Liveversionen kann man sich getrost sparen. Während Sting es bei Auftritten früher mit Jazzband, aber auch danach noch exzellent verstanden hat, seine Songs neu zu interpretieren (man denke an das sich in fünf Minuten immer wieder neu erfindende "Roxanne" auf der 1991er Tour), hält er sich bei den neuen Fassungen zu sehr ans Original. So ist aus Stings 14. Album doch nur die Best Of geworden, die er eigentlich gar nicht machen wollte.

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