Ofenbach: Blues für den Dancefloor

Die Franzosen Ofenbach bringen Rockern das Tanzen bei: Der Sonnensound ihrer ersten Mini-LP "Rock It" ist der Klang des Sommers!

Paris.

Krisen, Brexit, Klimawandel und Nationalismus - und im Herzen Eiszeit? Das muss nicht sein. Warum nicht das zivilisatorische Gefrierfach kernschmelzen und die Party des Lebens handfest beim Schopfe packen mit einem Duo, dessen sexy Musik sonnigen Spaß macht, jene zwischendurch hochverdiente Ablenkung bietet, jedermanns Batterien auflädt und das Tanzbein in Ekstase versetzt?

Nach solch vollmundiger Ankündigung muss selbstredend ein echter Kracher folgen, der junge Hüpfer wie ältere Semester gleichermaßen auf den Dancefloor zerrt. Et voila: Wie so oft wird man auf der Suche nach ästhetischen Glanztaten in Paris fündig. Also Vorhang auf für Ofenbach: César Laurent de Rummel und Dorian Lauduique komponieren, arrangieren und produzieren eine neue Art von Tanzmusik und erfinden nebenher das Genre Deep House Rock.

Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen. Ofenbach sind mit Abstand das Würdigste, was die Richtung momentan bietet. Hochmoderne elektronische Clubmusic trifft auf sehnigen Blues, schneidige Rock-Elemente und Hardrockriffs. Hinzu kommt bei den beiden jungen Franzosen ein im Dance-Bereich eher selten ausgeprägtes Talent. Sie haben ein Händchen dafür, jeder rhythmischen Struktur extrem griffige Melodien zu impfen, deren betonte Eingängigkeit nie ins Seichte abgleitet. "Unser Sound hat so viele Einflüsse von damals, sei es von den Rolling Stones oder von AC/DC. Wir hören und spielen seit vielen Jahren Rockmusik. Aus diesem Genre kommen wir. Also haben wir all diese Einflüsse, die sowieso Teil unseres Lebens sind, in moderne Beats und Produktionen gehüllt."

Bereits 2016 gelangen ihnen die international höchst erfolgreichen Hitsingles "Be Mine" und "Katchi", die man getrost als ihre musikalischen Visitenkarten bezeichnen darf: Beide Tracks bescherten inFrankreich Gigs auf Augenhöhe mit Massive Attack oder den Gorillaz oder hierzulande beim Lollapalooza-Festival. Bei etlichen Kollegen genießen Ofenbach hohes Ansehen durch ihr Faible für Remixe. So unterschiedliche Größen wie Katy Perry ("Dark Horse"), Portugal The Man ("Feel It Still") oder James Blunt ("Love Me Better") greifen auf die Franzosen zurück, wenn es ums Veredeln von Hits geht. Als Sahnehäubchen transportiert das Duo durch und durch sympathischen Charme mit lässigem Hang zur Selbstironie: "Wir sind typische Pariser. Wir essen Baguettes, Käse und Croissants und sprechen super englisch."

Endlich erscheint nun in diesen Tagen ihr erster längerer Tonträger. Die schlicht "Ofenbach" betitelte Mini-LP bietet mit "Rock It" oder "Paradise" typische Brecher. Das feurige "I Got Burned" addiert per Gesangslinie und erstmals eingesetzten Bläsern einen zusätzlichen Schub animierender Laszivität. Mit "Feeling Good" erweitern sie das Spektrum um prärietauglichen Countrypop. Herausragend atmosphärisch gelingt der balladeske Schlusspunkt "Terrified" samt Pianokeyboard und angedeuteten Postrockgitarren.

Doch woher stammt der so deutsch klingende Name? Dorian: "Vom französischen Komponisten Jacques Offenbach. César hatte einen Notenauszug von ihm über seinem Piano - und wir haben einfach ein "f" weggelassen."

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