Oliver Onions und die vier Fäuste

Die Oliver Onions gehörten einst zu den wichtigsten Hitproduzenten Europas, die schrieben nicht nur für Roland Kaiser oder Gitte, sondern vor allem Filmsongs für Bud Spencer und Terence Hill. Nun sind sie nach 30 Jahren erstmals wieder in Deutschland.

Lommatzsch.

Songtitel wie "Flying Through The Air" aus dem Film "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle", "Dune Buggy" aus "Zwei wie Pech und Schwefel", "Bulldozer" oder "Manana", das Titelthema der Komödie "Zwei Missionare", mag man nicht parat haben - erklingen jedoch diese Lieder, versetzen sie den Zuhörer sofort in eine Zeit, als Bud Spencer und Terence Hill auf Fernsehbildschirm und Kino zahlreichen Schurken mit ihren vier Fäusten eine auf die Zwölf gaben: ein Sound, typisch für die ausgehenden 70er, dabei sehr eigen. Mehr als 5000 Menschen strömten daher am Wochenende in das Örtchen Lommatzsch im Landkreis Meißen: Von Freitag bis Samstag fand dort das Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Festival statt, welches das Haudrauf-Duo und seine Filme in verschiedenen Städten jährlich feiert. Die Filme erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Auch die musikalische Untermalung der Komödien ist vielen Menschen über die letzten Jahrzehnte hinweg im Ohr geblieben.

Maßgeblich verantwortlich dafür waren die italienischen Musiker und Brüder Guido und Maurizio de Angelis. Die Macher der Soundtracks zählten zu den Ehrengästen in Lommatzsch. Dort haben sie sich das erste Mal nach über 30 Jahren der deutschen Öffentlichkeit gezeigt. Die Freude der Fans war dementsprechend groß. An den zwei Tagen unterhielten sich die Musiker mit ihren Fans ausgiebig und schrieben wie am Fließband Autogramme. Ihre Musik wurde am Wochenende genauso gefeiert wie Bud Spencer und Terence Hill.

Ab den 1970er-Jahren hatten die Angelis-Brüder praktisch zwei parallele Karrieren. Neben ihrer eigentlichen Arbeit, Filme im Tonstudio ein musikalisches Gewand zu verpassen, standen sie plötzlich auch als Sänger im Fokus. Als der Soundtrack zu "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" in Auftrag gegeben wurde, sollte der Titelsong einen englischen Text bekommen. Die Suche nach einem passenden Interpreten blieb erfolglos und die Brüder griffen selbst zum Mikrofon. Um sich als Interpreten besser vermarkten zu können, benannten sie sich nach dem britischen Schriftsteller Oliver Onions. Das war der Start einer erfolgreichen Gesangskarriere. Viele Lieder aus Filmen, die sie vertonten, sangen sie fortan selbst.

Da die Spencer-Hill-Komödien damals ein Renner waren, spielte dieser Umstand den Brüdern in die Karten. Besonders in Italien und Deutschland waren ihre Songs erfolgreich - und zwar so sehr, dass Interpreten wie Tom Astor, Paola Felix oder Roland Kaiser sich der Lieder mit deutschen Texten annahmen. Im Jahr 1980 hatten Oliver Onions mit dem Lied "Santa Maria" ihren größten Erfolg. Das Lied schoss auf Rang 1 der deutschen Charts. Im selben Jahr war es Roland Kaiser, der die italienischen Brüder mit seiner deutschen Version des Liedes von der Spitzenposition verdrängte. Im Hintergrund arbeiteten sie auch für andere Künstler, darunter für Abba-Sängerin Agnetha Fältskog, Mireille Mathieu und Gitte.

Als Sänger standen Guido (74) und Maurizio (71) de Angelis viele Jahre nicht mehr im Fokus. Ihre gemeinsame Gesangskarriere ruhte eigentlich bis 2016. Zu Ehren von Bud Spencer gaben sie nach dessen Tod vor zwei Jahren in Budapest ein umjubeltes Comeback-Konzert. "Das Konzert war die Idee eines ungarischen Veranstalters. Wir hatten nicht geplant, wieder gemeinsam aufzutreten. Nach all den Jahren der Bühnenabstinenz waren wir uns unsicher und hatten auch etwas Angst, wieder vor Publikum zu spielen, weil uns die Routine fehlte", sagt Guido de Angelis. Das Konzert aber zeigte, dass sich die Musik bis heute nicht abgenutzt hat.

Auch in Lommatzsch spürten die Brüder die große Resonanz der Fans, sodass die beiden Musiker motiviert für ihr Deutschlandkonzert am 5. Oktober in der Berliner Columbiahalle sein dürften. Gespielt werden sollen die größten Hits und be- kanntesten Instrumentalmelodien ihres umfangreichen musikalischen Schaffens.

Im Konzert Die Oliver Onions treten am 5. Oktober in der Columbiahalle Berlin auf. Tickets und Infos gibt es unter

www.oliver-onions.de

 

Ein Video von einem Fernsehauftritt der Oliver Onions mit "Bulldozer" sehen Sie, wenn Sie diesen Code scannen.

freiepresse.de/Oliveronions

 

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