Osterfestspiele: Wagners «Meistersinger» und Zukunftsfragen

Werden die Berliner Philharmoniker unter ihrem neuen Chef Kirill Petrenko zu den Osterfestspielen Salzburg zurückkehren? Seit Münchens scheidender Opernchef Nikolaus Bachler zum neuen Intendanten der Osterfestspiele ab 2022 gekürt wurde, gibt es Spekulationen.

Salzburg (dpa) - Wenn Christian Thielemann eine Oper von Richard Wagner dirigiert, ist Begeisterung beim Publikum programmiert.

An diesem Samstag (13. April) wird es wieder soweit sein, wenn der deutsche Stardirigent die Osterfestspiele Salzburg mit Richard Wagners Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» eröffnet. Wie immer bei dem prestigeträchtigen Opernfestival in Starbesetzung: Tenor Klaus Florian Vogt singt den Walther von Stolzing, die amerikanische Sopranistin Jacquelyn Wagner die Eva und Georg Zeppenfeld den Sachs. 

Im Orchestergraben des Großen Festspielhauses sitzen wieder die Musikerinnen und Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die Wagner einst seine «Wunderharfe» nannte. Thielemann steht seit 2012 an der Spitze dieses Weltklasseorchesters, das seit 2013 auch die Osterfestspiele bestreitet, nachdem die Berliner Philharmoniker nach Baden-Baden abgewandert waren. Herbert von Karajan hatte als Chef der Berliner Philharmoniker die Osterfestspiele Salzburg 1967 gegründet, um mit seinem Orchester auch große Opern in festlichem Rahmen aufführen zu können.

Wie lange Thielemann mit den Dresdnern noch in Salzburg süffiges Musiktheater präsentieren wird, darüber wird heftig spekuliert, seit Nikolaus Bachler, der scheidende Intendant der Bayerischen Staatsoper, zum neuen Intendanten des Festivals ab 2022 gekürt wurde. Dann endet auch Thielemanns Salzburger Vertrag. Schon zwei Jahre zuvor soll Bachler die kaufmännische Geschäftsführung des Hochglanzspektakels übernehmen.

Dass der machtbewusste Österreicher Bachler mit dem ebenso machtbewussten Preußen Thielemann harmonieren könnte, gilt als unwahrscheinlich. Vor allem, nachdem die «Salzburger Nachrichten» Äußerungen Thielemanns veröffentlicht hatten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen: «Mit Herrn Bachler wird es nichts. Wenn die Politiker ihn wollen, muss ich gehen.»

Die Politiker wollten. Salzburgs Ministerpräsident Wilfried Haslauer pries die neue Personalkonstellation Thielemann/Bachler sogar als «starkes Duo», was Kenner der Szene schmunzeln ließ. Oder wusste Haslauer mehr? Hatte Bachler im Vorfeld der Personalentscheidung versprochen, seinen Intimus Kirill Petrenko, den umschwärmten Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper und designierten Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, nach Salzburg zu locken? Dafür spricht, dass der Vertrag der Berliner mit dem Festspielhaus Baden-Baden 2022 ausläuft.

Zudem kann man sich kaum vorstellen, dass sich der ehrgeizige Bachler damit begnügt, die jährliche Opern-Neuproduktion der Osterfestspiele nur mit ein paar Konzerten zu umranken, wie es bislang üblich war. Bachler wäre wohl daran interessiert, das etwas angejahrte Promifestival neu aufzustellen und vielleicht noch mehr als bisher für breitere Publikumsschichten attraktiv zu machen. Vorbild könnte die große Sopranistin Cecilia Bartoli sein. Als Intendantin der Salzburger Pfingstfestspiele hat sie aus diesem eher randständigen Ereignis im Salzburger Festspielkalender einen Kassenschlager gemacht.

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