Preußens Chronist und Fontanes Nachfolger

Der Schriftsteller Günter de Bruyn wird heute 90 Jahre alt

Berlin.

In diesen Tagen ist ein neues Buch von ihm erschienen: "Sünder und Heiliger. Das ungewöhnliche Leben des Dichters Zacharias Werner". Und wie sollte es anders sein, es bietet preußische Geschichte, denn Günter de Bruyn hat sich in seinem Alterswerk als Chronist der oft vergessenen preußisch-märkischen Kultur und Literatur profiliert. Heute wird er 90 Jahre alt.

Während Theodor Fontane (1819-1889) mit preußischen Balladen und Wanderungen durch die Mark Brandenburg seinen kleinen "Schriftstellerladen", wie er einmal formulierte, eröffnete, um im Alter seine großen Romane zu schreiben, scheint der Weg des Autors Günter de Bruyn aus der Roman-Zeit in die Chronisten-Wege zu führen. Geboren 1926 in Berlin hat er das 2o. Jahrhundert nicht nur in seinen wesentlichen Ereignissen aktiv miterlebt, sondern auch beschrieben.

Nach dem autobiographisch orientierten Roman "Der Hohlweg" (1963) über seine Kriegserlebnisse hatte er seinen ersten großen literarischen Erfolg mit "Buridans Esel" (1968), einer Geschichte, die sich auf ironisch-brillante Weise mit den moralischen Problemen seiner Generation in der DDR beschäftigte. Auch wenn er dann dem Franken Jean Paul (1763-1825) eine sehr lesbare Biografie widmete, mit der Erzählung "Märkische Forschungen (1978) kam er immer näher an die Landschaftswelt, die zur Lebenswelt des Alters werden sollte. Vor allem zu Geschichte und Geschichten, die ihn künftig beschäftigen würden.

De Bruyn wanderte aus den für ihn unerträglichen Verhältnissen in den Endjahren der DDR ins märkische Fontane-Land, so lebt er heute in Görsdorf bei Beeskow und eben auch in seinen literarischen Stoffen und Geschichten ist er dort zu Hause. Als Herausgeber des "Märkischen Dichtergarten", vor allem aber als Essayist und Biograph kommen seine Welt-Beschreibungen. Und mit dem Ende der DDR hat er sein eigenes Leben in diesen vier Jahrzehnten in zwei Büchern - "Zwischenbilanz"(1992) und "Vierzig Jahre" (1996) - ausführlich beschrieben. Diese kritische Bilanz von Leben und Literatur ist zugleich eine deutliche Positionierung zu einer lebendigen deutschen Kulturnation. Seine Ehrung mit etlichen Preisen, insbesondere mit dem Deutschen Nationalpreis 2001 (den Nationalpreis der DDR lehnte er 1989 ab), würdigt diesen Aspekt seines Werkes.

Gleichsam als Geburtstagsgeschenk legt er nun eine weitere Erzählung seiner ausgedehnten Erkundungen preußischer Geschichte vor, das erzählerische Biogramm des vergessenen Dichters Zacharias Werner. Ein spannendes Lesestück für die Freunde und Liebhaber Günter de Bruyns, der auch diesmal seine Nähe zu dem großen Kollegen Theodor Fontane zeigt.

Da ist er, wie so oft, mit Fontane einer Meinung: "Das Nebensächliche, soviel ist richtig, gilt nichts, wenn es denn bloß nebensächlich ist, wenn nichts drin steckt. Steckt aber was drin, dann ist es die Hauptsache, denn es gibt einem dann immer das eigentlich Menschliche".

Das Buch Sünder und Heiliger. Das ungewöhnliche Leben des Dichters Zacharias Werner. S. Fischer. 224 Seiten. 22.70 Euro.

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