Schaller: Hemmschwelle gegen Andersdenkende gesunken

Dresden (dpa/sn) - Für den früheren Chef des Dresdner Kabaretts «Herkuleskeule» ist der Glaswurf auf einen Schauspieler nach verachtenden Zwischenrufen bei einer Vorführung am Wochenende ein Alarmsignal. «Ich habe schon lange darauf gewartet, dass es mal so einen Zwischenfall gibt», sagte Wolfgang Schaller der «Sächsischen Zeitung» (Dienstag). In den Programmen des Kabaretts werde ziemlich direkt und sehr differenziert beim Namen genannt, «was wir völkisch nationalistisch finden». «Da ruft schon mal einer rein oder verlässt den Saal.» Das sei das Recht jedes Besuchers. «Aber die Hemmschwelle, gegen jemanden, der anderer Meinung ist, aggressiv vorzugehen, ist überall gesunken.»

Mutmaßlich rechte Pöbler hatten am Samstagabend die Aufführung des Stückes «Betreutes Denken» über Themen wie Fake News oder Überforderung mit Information massiv gestört. Als Darsteller die Gruppe zur Rede stellten, war einer von ihnen mit einem Bierglas beworfen und am Kopf leicht verletzt worden. Drei 36 bis 39 Jahre alte Männer konnten identifiziert werden, sie stammten aus dem Raum Cottbus. Die restlichen Mitglieder der Gruppe waren bereits weg, als die Polizei eintraf. Der Fall wird vom Landeskriminalamt untersucht. Das Polizeiliche Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum dort prüft nach Angaben des LKA vom Montag eine politische Motivation.

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