Schauspieler Sebastian Bezzel über die Eberhofer-Krimis: "Ich bin ein Botschafter der Provinzkultur"

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Der Schauspieler über den Erfolg der Eberhofer-Filmreihe, Lachanfälle beim Drehen und dominierendes Norddeutsch bei seinen Kindern

Sebastian Bezzel steht schon seit 30 Jahren vor der Kamera und blickt auf Hauptrollen in Krimiserien ("Abschnitt 40", "Tatort"), diverse Gastrollen im "Polizeiruf 110" und große Kinofilme ("Nanga Parbat", "Beckenrand Sheriff") zurück. Besondere Popularität erlangte der 51-Jährige als Dorfpolizist Franz Eberhofer in den Verfilmungen der Krimi-Bestseller von Rita Falk. Aktuell ist er im achten Teil der Reihe namens "Guglhupfgeschwader" zu sehen. André Wesche sprach mit dem populären Schauspieler.

Freie Presse: Herr Bezzel, wie haben Sie den Siegeszug der Eberhofer-Filmreihe vom eher regionalen Phänomen zum bundesweiten Fanliebling erlebt?

Sebastian Bezzel: Oha, das ist eine sehr komplexe Frage. Das betrifft einen Zeitraum von fast zehn Jahren. Es wurde halt jedes Jahr ein bisschen mehr. Der größte Schritt war, glaube ich, unser dritter Film, "Schweinskopf al dente". Da gab es zum ersten Mal eine große Kino-Tour durch Bayern und Österreich. Da haben Simon Schwarz und ich gemerkt: "Moment, es hat sich echt etwas verändert! Das ist ja krass, hätte ich nicht gedacht". Bei den ersten beiden Filmen gab es noch keine richtige Kino-Tour. Mit jedem neuen Teil kam etwas dazu - was so sehr schön war. (lacht)

Freie Presse:  Ist man in Bayern etwas verärgert, dass sich jetzt auch die Preußen für Eberhofer begeistern?

Sebastian Bezzel: Den Eindruck habe ich nicht. Allerdings bin ich da wahrscheinlich auch der falsche Ansprechpartner. Ich wüsste nicht, dass es irgendwelche Fans gibt, die sich abgewendet haben, weil wir erfolgreicher geworden sind. Das wäre mal interessant zu erforschen. Ich habe aber keine Ahnung und dergleichen noch nicht gehört.

Freie Presse:  Sehen Sie Eberhofer als Botschafter der bayerischen Kultur abseits der Großstädte?

Sebastian Bezzel: Nein. Wenn überhaupt, dann als einen Botschafter der Provinzkultur. Aber nicht speziell der bayrischen Kultur. Ich sehe das alles gar nicht als so bayerisch an. Es ist eine Provinzkomödie, die in Bayern spielt. Sie könnte aber auch überall woanders spielen, es muss nur eine Provinz sein. In den Krimis werden solche Archetypen des Lebens in der Provinz beschrieben, die es dort einfach gibt. Ich glaube, dass es deswegen auch bundesweit so gut ankommt. Die Leute verstehen es überall. Ich vergleiche es oft mit Asterix und dem gallischen Dorf, davon hat es etwas. Man hat auf der einen Seite zwei Helden, die ein Abenteuer erleben. Auf der anderen Seite möchtest du als Leser und Zuschauer immer wieder dieses gallische Dorf, das Leben vor Ort und die kleinen Figuren sehen. Das ist der Trick. Wir reden Bayrisch und es spielt in Niederbayern, aber so bayrisch ist es gar nicht. Es gibt keine Tracht, es gibt kein Postkartenidyll. Diese Bayern-Klischees werden gar nicht so sehr abgefrühstückt.

Freie Presse:  Sie leben in Hamburg. Man könnte meinen, Sie wollen möglichst viel Abstand zu Ihrer bayerischen Heimat gewinnen.

Sebastian Bezzel: Darüber möchte ich nichts mehr sagen. Ich lebe seit 15 Jahren in Hamburg, also schon seit vor dem Eberhofer. Meine Frau ist Hamburgerin und ich lebe dort sehr gerne. Es ist auch nichts Außergewöhnliches, als Bayer in Hamburg zu leben. Es ist erst interessant geworden, als das mit dem Eberhofer so groß geworden ist.

Freie Presse: Kann man sich den Dreh wie ein alljährliches Familientreffen vorstellen: Auf die einen freut man sich, auf die anderen nicht ganz so sehr?

Sebastian Bezzel: Ja schon, ein bisschen. Im Endeffekt ist es dadurch total schön, weil alles so vertraut ist. Natürlich ist es teilweise familiär, aber eben auch sehr vertraut. Es ist einfach eine sehr schöne Arbeit. Trotzdem bleibt es aber eine Arbeit, es ist eine ganz normale Filmproduktion. Wir haben in etwa 30 Drehtage. Das ist eine knapp bemessene Zeit für das, was wir da alles drehen. Es macht sehr viel Spaß. Für mich ist es sehr intensiv, weil ich jeden Drehtag dabei bin. Ich mache das aber wirklich gern. Auf ein paar Kollegen und Leute aus dem Team freue ich mich immer ganz besonders, aber im Endeffekt ist es nicht so, dass wir sechs Wochen zusammen sind, uns die ganze Zeit in den Armen liegen und sagen: "Wie toll ist das, was wir hier machen!" Es wird halt ein Film gedreht, nicht mehr und nicht weniger.

Freie Presse: Was war die größte Panne, die es bei Dreharbeiten gegeben hat?

Sebastian Bezzel: Die größte Panne wüsste ich jetzt gar nicht. Es gab eine Szene, die für mich sehr hart war. Das war in "Kaiserschmarrndrama", als der Simon Schwarz bei einem Verhör einen Lachkrampf spielen musste. Den hat er so gut gespielt, dass der andere Kollege und ich auch die ganze Zeit lachen mussten. Wir sollten aber laut Drehbuch ernst bleiben. Das war ein Vormittag! Wir mussten uns schon wahnsinnig zusammenreißen, es war relativ zäh. Für uns war es lustig, wir konnten einfach nicht mehr. Wir haben so gelacht, weil der Simon das fantastisch gespielt hat. Dieser Drehtag war wahnsinnig schön, aber ich war auch froh, als er vorbei war.

Freie Presse: Hatten Sie in Ihrem Alltag schon einmal ein skurriles Erlebnis mit einem Eberhofer-Fan?

Sebastian Bezzel: Ja. Heute bin ich zum Beispiel von Spanien nach München geflogen, weil ich mit meiner Familie im Urlaub war. Der Flieger war halb voll mit niederbayerischen Männern, die alle schwer verkatert waren und Bier-König-T-Shirts anhatten. Die haben mich dann erkannt, aber zum Glück nichts gesagt. Es war schon sehr skurril, zwischen ihnen im Flugzeug zu sitzen. Da hört man schon öfter mal das Wort "Eberhofer" aus den hinteren Reihen kommen. Das war eine relativ skurrile Begegnung. Zumal ich sehr müde war, weil ich um fünf Uhr aufgestanden bin. Es lief aber alles gut.

Freie Presse: Warum haben nicht alle Eberhofer-Romane den Weg auf die Leinwand gefunden?

Sebastian Bezzel: Das müssen sie Ed Herzog, den Regisseur, Kerstin Schmidbauer, die Produzentin und Stefan Betz, den Schreiber des Drehbuchs fragen. In diese Entscheidungen bin ich nicht involviert.

Freie Presse: Sind Sie immer für alles offen oder liegen Sie manchmal nachts wach und wünschen sich, Rita Falk hätte keine Ideen mehr?

Sebastian Bezzel: Ich bin eigentlich grundsätzlich für alles offen. Ich mache diese Filme wirklich gerne, weil es einfach Spaß macht und es schön ist, dass das so gut ankommt. Ich bekomme immer wieder mit, wie sehr Leute das mögen. Mir hat zum Beispiel mal eine Frau gesagt, dass sie eine schwere Zeit hatte, weil ihr Mann so krank war. Immer, wenn es für sie gerade hart war, schaute sie sich einen unserer Filme an und hatte zwei Stunden was zum Lachen. Ein schöneres Kompliment gibt es nicht. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass ich das wie die Produktion mache: Wir schauen von Buch zu Buch. Wir drehen einen Film und in dem Moment gibt es wirklich nur diesen einen Film. Da wird nicht schon gesagt: "Und im nächsten Jahr machen wir den nächsten." Das kommt danach, dann redet man darüber und liest das Drehbuch. So verfahren wir eigentlich gut. Ich würde sagen, dass wir dabei bleiben, so wie es ist. Wir werden sicher auch mal eine Pause machen. Es wird bestimmt auch mal keiner mehr gedreht werden. Aber wann das ist und wie das passieren wird, kann ich Ihnen nicht sagen.

Freie Presse: Werden Sie sich demnächst zum "Rehragout-Rendezvous" verabreden?

Sebastian Bezzel: Ja, das wird im Herbst gedreht. Den machen wir schon mal!

Freie Presse: Wird es mit der Serie "Da is' ja nix" weitergehen, die Sie mit Ihrer Gattin Johanna Christine Gehlen entwickelt, geschrieben und gespielt haben?

Sebastian Bezzel: Nein, leider nicht. Da hat sich der NDR verabschiedet. Wir hätten sicherlich gerne noch eine Staffel gemacht. Aber man soll ja niemals nie sagen, vielleicht kommt irgendwer auf die Idee, dass es doch mal weitergeht. Es schaut nicht so aus, ich habe keine Ahnung. Aber auch das hat sehr viel Spaß gemacht.

Freie Presse: Sehen Sie Ihre Zukunft verstärkt auch hinter der Kamera?

Sebastian Bezzel: Nein, nicht verstärkt. Vielleicht, dass ich mal bei Buchentwicklungen und so etwas dabei bin, das kann schon sein. Aber grundsätzlich sehe ich mich als Schauspieler und mache das auch sehr gerne.

Freie Presse: Erziehen Sie Ihre Kinder zweisprachig, Hochdeutsch und Bayrisch?

Sebastian Bezzel: Naja, ich spreche halt so, wie ich spreche. Und meine Frau spricht so, wie sie spricht. In der Schule ist es klar, dass sie eher Norddeutsch reden. Es kommt aber schon immer wieder vor, dass meine Kinder einen Mischmasch sprechen und mal bayerische Ausdrücke einbringen. Wenn wir in Bayern sind und die Familie besuchen, dann bekommen sie das mit und finden es schön. Für sie ist es ganz normal, sie kennen es auch nicht anders. Aber die Sprachhoheit ist eindeutig Norddeutsch. Das ging relativ schnell los, spätestens als sie in den Kindergarten gekommen sind. Da war ganz klar, dass jetzt das Norddeutsche übernimmt. (lacht)

Freie Presse: Auf welche bayerische Gaumenfreude können Sie nicht verzichten?

Sebastian Bezzel: Bier! (lacht)

Zur Person Sebastian Bezzel

Im Jahr 1971 erblickte Sebastian Bezzel in Garmisch-Partenkirchen als Sohn des Ornithologen und Autors Einhard Bezzel das Licht der Welt.

Nach seinem Abitur ging er nach München, um an der "Bayerischen Theaterakademie August Everding" die Schauspielerei zu erlernen. 1995 hatte der junge Schauspieler schließlich sein Debüt in dem TV-Film "Song Shit", es folgten weitere Rollen in diversen Fernsehfilmen und Serien wie "Tatort", "Geier im Reisrand", Der Bulle von Tölz" und "Du oder keine" Ende der 1990er-Jahre.

2001 konnte er sich seine erste Hauptrolle für die Serie "Abschnitt 40" auf den Steckbrief schreiben, die er bis 2006 innehatte. Für diese Serie bekam der Schauspieler 2004 den "Deutschen Fernsehpreis" als "Bester Schauspieler" überreicht.

Im selben Jahr übernahm er auch die Rolle des Oberkommissars im Konstanzer "Tatort"-Team an der Seite der Theaterschauspielerin Eva Mattes. Im Laufe der Zeit wurde seine Rolle in einen Hauptkommissar umgewandelt.

Erstmals war der Schauspieler 2007 auf den Kinoleinwänden in der Sport-Komödie "Schwer verliebt" zu sehen, gleichzeitig brillierte er in der Komödie "Stellungswechsel".

Neben dem "Tatort" stand Sebastian Bezzel unter anderem auch für die Produktionen "Nanga Parbat", "Danni Lowinski", "Die göttliche Sophie - Das Findelkind" und "Vatertage - Opa über Nacht" vor der Kamera.

2009 heiratete er seine Schauspielkollegin Johanna Christine Gehlen. Das Ehepaar lebt in Hamburg und hat eine Tochter und einen Sohn.

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