Schichtungen im Quadrat

Die Kunstsammlungen Chemnitz würdigen den Ende 2018 verstorbenen Grafiker und Konzeptkünstler Karl-Heinz Adler: Die Sonderschau ist eine sehenswerte Hommage an den gebürtigen Vogtländer.

Chemnitz.

Die Ausstellung "Hommage à Karl-Heinz Adler" in den Kunstsammlungen Chemnitz vereint 45 Werke aus den unterschiedlichen Schaffens-Phasen des gebürtigen Vogtländers Karl-Heinz Adler, der im vergangenen Jahr starb und zu den bedeutenden Vertretern der Konstruktivistisch-Konkreten Kunst in Deutschland zählt. Der Ruhm für sein Werk wurde ihm allerdings erst sehr spät zuteil. Seine Kunst war unpolitisch und ungegenständlich - und in der DDR damit ungewollt: Obwohl sein Schaffen in den 50er-Jahren begann, gab es erst Mitte der 80er-Jahre eine Ausstellung, und auch später wurden seine Werke nur selten gezeigt. Die Kunstsammlungen Chemnitz machen sich in einer Werkschau auf, den Künstler neu zu entdecken.

Adler wurde am 20. Juni 1927 in Remtengrün im Vogtland als Sohn eines Instrumentenbauers geboren. Von 1941 bis 1944 war er einer der letzten, die in Plauen an der Kunstschule zum Musterzeichner ausgebildet wurden - in der Stadt, die gerade beschlossen hat, sein einziges abstraktes Wandbild am Rathaus wieder freizulegen.

Nach dem Krieg geht Adler nach Dresden und studiert an der Kunstakademie. Da die konkrete Kunst, der er sich verschrieben hatte, in der DDR als verpönt gilt, muss er sich andere Formen der Verwirklichung suchen. Er lehrt und forscht an der Technischen Hochschule Dresden im Fachgebiet Architektur und Bauplastik. Ab Ende der 60er-Jahre entwickelt er zusammen mit Friedrich Krach serielle Systeme mit Betonformsteinen, die vor allem für Fassaden, Abtrennungen oder Brunnen verwendet werden. Adler und Kracht sind Teil der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau und prägen den öffentlichen Raum entscheidend mit. Der Umgang mit Adler in der DDR ist ambivalent: Einerseits braucht man vor allem auch seine Forschungstätigkeit hinsichtlich verschiedener Baustoffe wie Silikatkeramik, und man schätzt seine Gestaltungsansätze mit Beton. Andererseits passt seine Kunst nicht zur Kulturpolitik, die sozialistische Inhalte fordert - man verwehrt ihm die Aufnahme in den Künstlerverband.

Die Ausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz folgt einer chronologischen Anlage und beginnt im ersten und größten Raum mit dem überraschend bunten Spätwerk von Adler. Zwei großformatige, geschichtete Werke ziehen den Besucher in den Bann der Strukturen und Linien, die die Flächen prägen. In den darauf folgenden Räumen ist eine Auswahl aus den wichtigsten Werkgruppen ausgestellt. Die seriellen Schichtungen spielen dabei eine besondere Rolle. Angefangen von Quadraten und Dreiecken, die er geometrisch neu ordnete, bis hin zu späteren Arbeiten, in denen er Folien, Glas oder Staniol verwendete, ziehen sich die Schichtungen durch sein gesamtes Werk. Immer wieder änderte er die Zusammensetzung der Materialien.

Außergewöhnliche Beispiele für sein exaktes Arbeiten sind die seriellen Lineaturen. Mit Hilfe von handgezogenen Linien spielen sie in der Zweidimensionalität mit der dritten Dimension und schaffen eine räumliche Darstellung. Ergänzt wird die Ausstellung mit Entwurfsvarianten für Betonformsteine sowie mit farbigen Teppichentwürfen aus seiner Zeit an der Plauener Kunstschule. Ein interessanter Kontrast, der seine große handwerkliche Begabung und seine Genauigkeit aufzeigt.

Die ausgestellten Werke aus fünf Jahrzehnten belegen auf vielfältige Art, dass Adler aus geometrisch-mathematischen Formen eine sinnlich beeindruckende Arbeit geschaffen hat. Mit seinen Bildern und Collagen gibt Adler dem Bildraum mit minimalistischen Mitteln einen Rhythmus. Er verfolgt stringent den Prozess von Formen, Zerstörung und Neuformieren auf seine eigene typische Weise, die den Betrachter immer wieder in den Bann zieht.

Die Ausstellung zeigt einen Künstler, der sich treu geblieben ist. Trotz aller Widrigkeiten - oder vielleicht genau deswegen. Es ist schön zu sehen, dass es diese Art der Konkreten Kunst auch im Osten gab, obwohl sie nicht gewollt war. Sie hat die Zeit überdauert. Sie "Hommage à Karl-Heinz Adler ist eine gelungen Würdigung des Künstlers.

Die Ausstellung "Hommage à Karl-Heinz Adler" ist bis 11. August in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen. Geöffnet ist dienstags sowie donnerstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr und mittwochs 14 bis 21 Uhr.

 

Das Werkstatt-Gespräch Am 26. Juni sprechen 18.30 Uhr der Künstler Olaf Nicolai, die Kunstwissenschaftlerin und Witwe Ingrid Adler und Direktor Frédéric Bußmann in den Kunstsammlungen über Karl-Heinz Adler und sein Werk.

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