Schlingel-Festival: Sand, Blech und Gemüse

Unter dem Motto "Made By You" konnten Kinder und Jugendliche dieses Jahr erstmalig eigene Filme einreichen. Das Ergebnis: Gesellschaftskritik und Zeichentrick in Reinform.

Chemnitz.

Bisher war das Schlingel Festival vor allem ein Festival für Kinder und Jugendliche: Die Filme, die im Programm laufen, werden von Erwachsenen produziert, gefilmt, geschrieben, die Kinder sind meistens nur Protagonisten. Bei der diesjährigen Auflage ist das erstmals ein bisschen anders: Die Kinder durften die Seiten wechseln, nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera stehen.

Unter dem Motto "Made By You" haben die Festivalmacher erstmalig einen Kurzfilmwettbewerb von Kindern für Kinder ins Leben gerufen: Der erste Selbstgedrehte, also Film, und dann gleich bei einem internationalen Filmfestival - das Schlingel macht's möglich. Dafür haben Kinder und Jugendliche eigene kleine Filme eingereicht (alle maximal drei Minuten lang), über die man anschließend online abstimmen konnte. Die 20 beliebtesten Beiträge wurden am Mittwochvormittag im Roten Turm gezeigt, eine dreiköpfige Jury kürte jeweils drei Plätze in den beiden Alterskategorien Kids-Stars (bis sechste Klasse) und Young-Stars (ab sechste Klasse).

Zusehen gab es am Mittwoch alle farbenfrohen Facetten der kindlichen Kreativität: Die Filme sind gezeichnet, geknetet, aus Papier gemacht, als Sandbilder gemalt, am Computer animiert, und - scheinbar ein Trend in der Kinderkurzfilmszene - aus Gemüse-Bildern gelegt. So laufen gleich mehrere knackig frische Stopmotion-Filme im Wettbewerb.

In vielen Filmen stecken kleine, erheiternde Alltagsgeschichten, in anderen auch Gesellschaftskritik. Die ist dann wunderbar einfach, wie es nur Kinder können, dafür aber umso wahrer, vielleicht auch umso wirksamer. Zum Beispiel im Beitrag "Sonnenfinsternis", wo sich die Laune der Sonne durch den Auspuff eines Autos erheblich verfinstert, quasi passend zum Dieselskandal. Oder "Plastikalypse", einem fast schon düsteren Scherenschnitt-Film über die unaufhaltsame Zerstörung der Umwelt durch unseren achtlosen Umgang mit Plastikmüll. Und in "Die Klippe" geht es um übermäßigen Smartphone-Konsum - natürlich ohne Happy End. Darüber hinaus werden künstlerisch durchaus ansprechende Werke gezeigt, zum Beispiel originelle und vor allem aufwändige Knet-Werke wie "Valentins Morgen" oder der sehr puristische und ästhetische Weltraum-Film "Wie eine Ameise in der See", der von der Jury zum Gewinner der älteren Altersklasse gekürt wurde und nicht nur komplex animiert, sondern auch noch David Bowie gewidmet ist.

Fast alle Filme sind an der Dresdner Trickfilmschule "Fantasia" entstanden, wo deutsche und polnische Kinder und Jugendliche das Animationsfilme-Machen lernen können. Die Grundschule Dresden-Briesnitz, zum Beispiel, die dort im Rahmen einer Trickfilmwerkstatt verschiedene Filme zum Thema Handy gemacht hat, von denen gleich drei im "Made-By-You"-Wettbewerb liefen. "Made By You", das heißt beim Schlingel Festival: Filme von Kindern für Kinder. Aber ein bisschen sind die Filme auch für Erwachsene.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...