Schön und gut

Neulich hat er für Obama gespielt. Das sagt alles über den Status von Till Brönner, der mit seinem leicht zugänglichen Sound schon alles und fast alle erreicht hat. Was mancher Purist seicht nennt, lieben die Fans des 45-Jährigen - das meist seidige Trompetenspiel und den sanften Gesang, der auf "The Good Life" in mehr Liedern zu hören ist als gewohnt. Die Erklärung dafür ist simpel: Brönner hat sich für seine Platte vom Great American Songbook inspirieren lassen - jenen Klassikern also, die vornehmlich zwischen den 1930er- und -60er-Jahren den Sound in den Staaten prägten. Wem das nichts sagt: das Zeug, das einst Sinatra sang. Diesen Mikrofon-Gott mit Brönner zu vergleichen, wäre natürlich Quatsch. Aber das Ohr lässt sich halt nicht bestechen. Deshalb bitte keinesfalls "In the Wee Small Hours of the Morning" hören - und dann wissen wollen, was Frank Sinatra aus diesem Lied macht.

Die Platte ist also dort am stärksten, wo Brönners Trompete die Songs dominiert. Sein Instrument beherrscht er so meisterlich, dass sich trotz des fahrstuhltauglichen Soundteppichs ab und an Gänsehaut einstellt. Und überhaupt: Wer Brönner vorwirft, immer maximal ohrenschmeichelnd zu spielen und in jedem Song das Pop-Potenzial zu suchen, der höre sich einfach mal seine Version von "I'm confessin'" an. Das ist nichts als klassischer Jazz mit einer herrlich sommerlichen Note. Schnörkellos und ohne Rücksicht auf den hohen Schmalzfaktor, der diesem Song innewohnt - auf wunderbare Weise ausgereizt etwa in der Interpretation von Lizz Wright auf deren Album "Dreaming Wide Awake".

Wobei: Was spricht eigentlich dagegen, das Beste aus allen Welten in ein Lied zu packen, wenn die Sache am Ende rund ist? So wie in "Change Partners", das ein bisschen nach Samba, sehr nach Jazz, aber am allermeisten nach Pop klingt? Nix spricht dagegen. Erst recht nicht, wenn die Assoziationen beim Hören zwischen der Sehnsucht nach einer Hängematte unter Palmen oder einem kalten Bier auf der Dachterrasse changieren. Nach dem guten Leben halt.

Abgeliefert, Herr Brönner!
 

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