Schriftsteller Karl Sewart: Zwischen Provinz und Welt

Von Karl Stülpner bis "Gambit": Karl Sewart erzählte berührend von Heldenmut im Erzgebirge. Vor wenigen Tagen ist der Schriftsteller gestorben.

Drebach.

Seinen Platz als Autor hat er zwischen Stülpners Revier und Drebacher Wiesen: Hier siedeln seine Geschichten und Gedichte, und natürlich spielt das große Fest des Erzgebirges eine besondere Rolle: Weihnachten - da kommt zusammen, was zusammen gehört, könnte man sagen. Ein solches Leben und Werk haben wir in den Literaturstücken des Karl Sewart, der am 2. Januar nur wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag gestorben ist. Begonnen hat alles mit einer Kindheit, die von Tradition und schwieriger Gegenwart getragen wurde. In Großolbersdorf aufgewachsen, bekam er den Vornamen der historischen Figur ist, die ihn ein Leben lang beschäftigt hat: Man kann nicht in dieser Ergebirgsgegend aufwachsen ohne eine Nähe zur Legende des Volkshelden und Wildschütz Karl Stülpner. Und er hat über ihn geschrieben "Mich schießt keiner tot. Die Geschichte des Volkshelden Karl Stülpner" war 1994 einer der ersten Bestseller des Chemnitzer Verlages. 2004 wurde das Buch unter dem Titel "Karl Stülpner. Die Geschichte des erzgebirgischen Wildschützen" in von Sewart überarbeiteter Form neu und wieder mit großem Erfolg aufgelegt.

Geboren am Rande des Krieges in eine Lebenssituation, die er in seinem wohl bedeutendsten Buch beschrieben hat: "Gambit"(1972). Da wird erzählt, wie ein Vater am Ende des Zweiten Weltkrieges seinen Sohn vorm "Heldendasein" als Soldat versteckt: "Ich zwing dich zum Leben", heißt es, wenn er ihn im Wald dem Zugriff der Häscher entzieht. Eine große Geschichte, die in der Landschaft erzgebirgischer Provinz Welt sichtbar macht und durch ihre Verfilmung 1977 durch Ralf Kirsten mit Schauspieler Rolf Ludwig in der Hauptrolle unvergessen bleibt. Alle Texte Sewarts haben diese Nähe zur heimatlichen Provinz und sind doch immer auch Weltbeschreibungen. Ehegeschichten und Weihnachtsbräuche, Kindheitserinnerungen und Historisches, es ist alles vorhanden in Sewarts Revier.

Sein Leben war aber auch das eines ambitionierten Lehrers und Kunsterziehers, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Und weiß Gott, ein sportlicher Radfahrer war er auch und nicht zuletzt ein Familienmensch, der mit Frau, Kindern und Enkeln ein glückliches Leben hatte, Freunde dazu: Trotz mancher Mühsal und Krankheit eine gute Zeit. Seine Leser werden ihn nicht vergessen. Die Beisetzungsfeier findet am Mittwoch 11 Uhr in der Drebacher Kirche statt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...