Schwedischer Schriftsteller Jan Myrdal gestorben

Als Sohn zweier Nobelpreisträger hatte es Jan Myrdal nicht immer leicht. Das verarbeitete der Schwede auch literarisch. Häufig wurde es bei ihm zudem politisch - womit er nicht selten aneckte.

Stockholm (dpa) - Der schwedische Schriftsteller Jan Myrdal ist tot. Er starb am Freitagvormittag im Alter von 93 Jahren, wie die Jan-Myrdal-Gesellschaft der Deutschen Presse-Agentur in Skandinavien bestätigte.

Nach Angaben der Zeitung «Aftonbladet» war er zuvor mit einer mutmaßlichen Blutvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Der Vorsitzende der Gesellschaft, Arne Andersson, hatte Myrdal am Wochenende noch getroffen, wie er der dpa berichtete. Intellektuell sei Myrdal weiter auf der Höhe gewesen, körperlich dagegen habe sich sein Zustand in den vergangenen Jahren verschlechtert. Besonders in den vergangenen Monaten sei er schwächer geworden.

Myrdal wurde am 19. Juli 1927 in Stockholm geboren und erlebte seinen Durchbruch als Autor 1963 mit dem Buch «Rapport från kinesisk by» («Bericht aus einem chinesischen Dorf»). In diesem und weiteren Reisebüchern zeigte Myrdal seine eigenen Erfahrungen in Fernost auf. Parallel schrieb er jahrelang als Kolumnist für verschiedene schwedische Zeitungen, Anfang der 70er Jahre gründete er zudem die linksradikale Zeitschrift «Folket i Bild».

International machte sich Myrdal als linker Erfolgsautor einen Namen, der häufig auch aneckte, etwa mit seinen Ansichten zu den Roten Khmer in Kambodscha, zur Fatwa gegen Salman Rushdie oder zum Massaker 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Zuvor hatte er auch die Untersuchungen zum Mord am schwedischen Regierungschef Olof Palme scharf kritisiert. 2006 sagte er, Karikaturen des Propheten Mohammed könnten nicht mit Prinzipien der Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden.

Von Myrdals Werken wurden viele auch ins Deutsche übersetzt. Sie waren oft persönlich und privat, seine Botschaften an die Leser aber immer auch politisch. Schon vor seinem literarischen Durchbruch engagierte er sich für den Frieden in der Welt, er war auch ausgesprochener Atomwaffengegner.

Seine Eltern waren einst beide mit einem Nobelpreis ausgezeichnet worden: Mutter Alva Myrdal 1982 mit dem Friedensnobelpreis, Vater Gunnar Myrdal acht Jahre zuvor mit der Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften. In den 1980er Jahren veröffentlichte Jan Myrdal drei sensible, ehrliche und erhellende Bücher über seine problematische Kindheit und Jugend im Schatten dieses Nobelpreisträger-Paares, dafür gab es von den Kritikern viel Lob.

Wenige Menschen seien sich ihrer eigenen Sterblichkeit so bewusst gewesen wie Myrdal, schrieb die frühere Vorsitzende der Myrdal-Gesellschaft, Cecilia Cervin, in einem Nachruf. Diese Erkenntnis habe ihn nicht gelähmt, seinen enormen Arbeitseifer stattdessen nur weiter angespornt. Schon als Teenager sei er sich bewusst gewesen, dass er schreiben sollte.

Literarischen Ruhm habe er dabei nicht gesucht, vielmehr politische Wirkung, um sich für eine bessere Gesellschaft und eine bessere Welt einzusetzen, so Cervin. «Und er wusste, dass die Zeit knapp war - nur ein schnell verschwindendes Menschenleben.» Dieses Bewusstsein habe Myrdal dazu angetrieben zu lesen, zu sprechen und zu schreiben. «So hinterlässt er auch eine seltene umfassende Verfasserschaft, eine der großen literarischen in Schweden, die nicht nur im Umfang, sondern vor allem qualitativ groß ist.»

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