Songs von der falschen Seite der Straße

Reverend Elvis alias Andreas E. Freier bringt seine sechste Platte im 20. Jahr des Bestehens seines kleinen Labels "Suzy Q. Records" heraus.

Chemnitz.

Wie glitzernde Perlen fallen die "Autumn Leaves" in dem gleichnamigen Jazzstandard zur Erde. Die Menschen im Kohlerevier von Harlan, Kentucky, werden sie kaum wahrnehmen - zu hart und kräftezehrend ist ihre Arbeit, und sie alle wissen: "You never get out of Harlan alive", wie es in dem berühmten Song von Darrell Scott heißt. Beide Lieder gehören zum Repertoire des Chemnitzer Country-Musikers Reverend Elvis auf seiner neuen Platte "Songs About Murder, Hate And Eternity".

Wie Andreas E. Freier wirklich aussieht, werden nur die wenigsten wissen, denn als Künstler nennt er sich Reverend Elvis und tritt gewöhnlich mit einer Maske auf, wie sie die Zapatisten, eine indigene sozialrevolutionäre Bewegung im Süden Mexikos, trugen. Die Assoziation kommt nicht von ungefähr, denn auch Reverend Elvis beschäftigt sich in seinen Songs mit den dunklen Seiten der Welt. "Death Country" heißt die Schublade, in die man seine Lieder stecken könnte, aber den zelebriert er sehr lebendig.

Das gilt auch für seine neue, inzwischen schon sechste Platte, die Ende der Woche, am 16. August, erscheint. Eigene Songs und exzellente Coverversionen mischen sich zu einem dunkelbunten Bild der Welt. Trotz des düsteren Titels ist dies keineswegs eine ausschließlich melancholische Platte, eher eine, die den Tod als natürlichen Teil des Lebens akzeptiert und dafür plädiert, die Zeit vor dem Tod zu nutzen, um das eigene Leben zu leben. So singt Reverend Elvis etwa in "Human Be Wise" davon, dass man den eigenen Ideen vertrauen soll, "glaube an dich selbst", und dass Menschen gemeinsam füreinander einstehen sollten. Reverend Elvis macht keinen Hehl aus seinen musikalischen Vorlieben: In "I Still Hate Disco" klagt er zu punkigen Klängen über die "Zufallsmusik" aus der Cloud. Und er ist stolz darauf, ein "Hillbilly" auf der "falschen Seite der Straße" zu sein, der keinen braucht, der ihm sagt, wo es langgeht. Stattdessen findet er Orientierung auch in Songs von Willie Nelson, "Crazy", Sam Cooke, "Lovable" und natürlich bei Johnny Cash: "Man In Black".

Ganz seinem Anspruch gemäß, hat Reverend Elvis alle Lieder der Platte mit sämtlichen Gitarren und Perkussionsinstrumenten allein eingespielt - bis auf eine Ausnahme: In "Crazy" begleitet ihn Franky Melodie auf der Lap-Steel-Gitarre. Die Stücke sind exzellent produziert; Stimme und Instrumente klingen klar und prägnant, dynamisch und akzentuiert. "Alles mit Open Source- Software produziert", freut sich Elvis und kann damit ebenso dem Anspruch treu bleiben, seine Antikarriere abseits allen Mainstreams zu leben. So wie er dem von ihm vor 20Jahren gegründeten Plattenlabel "Suzy Q. Records" treu bleibt, über das er eigene und eine handverlesene Auswahl anderer verstörender Tontäger vertreibt. Mit den Liedern über Mord, Hass und Ewigkeit ist Reverend Elvis eine ausgezeichnete Platte gelungen, die nicht nur bei Country-, Punk- und Psychobilly-Fans ihre Freunde finden dürfte.

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