Terence Hill präsentiert neuen Film in Dresden: Der Sinnsuchende

Der Schauspieler war zusammen mit Bud Spencer einer der Kinohelden der 70er und 80er. In Dresden hat er nun mit "Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück" einen neuen Film vorgestellt. Der ist gleich mehrfach hintersinnig.

Dresden.

Fast wie ein verlorener Sohn ist Schauspieler Terence Hill am Montagabend zur Deutschlandpremiere seinen neuen Films am Dresdner Elbufer begrüßt worden. Über 3000 Fans bejubelten den 79-jährigen Italiener, der ab 1943 als Mario Girotti vier Jahre seiner Kindheit im sächsischen Lommatzsch verbrachte und dessen Mutter Dresdnerin war. Hill zeigte sich gerührt: "Ich erinnere mich gern an die für uns Kinder unbeschwerte Zeit zurück und kann sagen, dass ich im Herzen ein Sachse bin", meinte er zur Pressekonferenz. Und für Fans ist auch "Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück", der anspielungsreiche neue Streifen. Das fängt mit dem Schauplatz in Andalusien an: Dort wurde 1967 "Gott vergibt ... Django nie" gedreht - der Karrierestart für das Duo Bud Spencer und Terence Hill, das daraufhin seinen Mix aus Haudrauf-Action, Wortwitz und Situationskomik in zahlreichen Filmen variierte und europaweit zum Phänomen wurde. Streifen wie "Vier Fäuste für ein Halleluja" waren sowohl in der BRD als auch in der DDR Kino-Renner.

Der deutsche Titel ist daher eine Anspielung auf "Mein Name ist Nobody", einen von Hills erfolgreichsten Solo-Filmen hierzulande. Er führt allerdings auf die falsche Fährte: Zwar werden durchaus lustige Sprüche geklopft, fliegen kurz die Fäuste. Das bedient aber nur referenziell das Markenzeichen. Der Streifen selbst ist eine philosophische, mit viel Poesie angereicherte Tragikomödie. Erzählt wird die Geschichte von Thomas (Terence Hill), der sich mit seinem Motorrad in die südspanische Wüste aufmacht, um in der einsamen Idylle ein religiöses Buch zu lesen. Dadurch will er einen neuen Sinn für sein Leben finden. Auf seinem Weg dorthin trifft er auf die junge Lucia, die, todkrank, das selbe Ziel hat. Thomas prügelt die junge Frau Hill-typisch aus den Fängen von zwei Halunken frei, nimmt sie dann aber eher widerwillig mit. Der Sinnsucher und das stimmungsschwankende, zu Gefühlsausbrüchen neigende Mädchen könnten unterschiedlicher kaum sein. Sie nähern sich einander an, lesen schließlich das Buch gemeinsam. Erkenntnis: Die Unendlichkeit ist so wenig zu fürchten wie der Tod. Das Buch gibt es wirklich: "Geistliche Briefe aus der Wüste" des italienischen Schriftstellers und Philosophen Carlo Carretto (1910 - 1988). Hill, der am Drehbuch mitwirkte und selbst Regie führte, ließ sich davon nachdrücklich inspirieren. Die Story ist bisweilen schwere Kost und in ihrer abstrakten Inszenierung nicht immer ganz nachvollziehbar zwischen Johannes Brahms' "Deutschem Requiem", Marien-Erscheinungen und einer Prise "Easy Rider": Da hat Hill etwas viel zusammengepackt. Für Fans dürfte aber gerade dieser Anspielungsreichtum spannend sein - schließlich hat eine derartige Vielschichtigkeit auch "Mein Name ist Nobody" zum Klassiker gemacht: Der 1973 entstandene Streifen von Sergio Leone ist letztlich eine meisterliche Sinnsuche des Regisseurs zwischen alter Westernkunst und dem damals neuen Klamauk-Erfolg von Spencer und Hill. Der Originaltitel des neuen Streifens lautet übrigens "Il mio nome è Thomas" - deutsch "Sie nannten ihn Thomas" - eine Anspielung auf "Sie nannten ihn Mücke", den erfolgreichsten Solofilm Bud Spencers. Dem 2016 verstorbenen Freund und Filmpartner hat Hill sein neues Werk gewidmet.

Von dem dürfte letztlich auch kaum jemand eine Prügel-Arie im alten Stil erwarten: Terence Hill hat sich davon bereits seit 20 Jahren verabschiedet. Seine italienischen Film- und Fernsehproduktionen haben seitdem mehr den Hang zu Drama und Schwermut. Seit rund 18 Jahren sorgt er dort unter anderem als Pfarrer in der Serie "Don Matteo" für riesige Einschaltquoten. Zur deutschen Filmpremiere in Dresden verriet er, dass er noch drei weitere Filme drehen möchte - in welche Richtung diese gehen sollen, ließ er offen.

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