Theater und Tanz überschreiten Genregrenzen

Das Festival Euroscene lockt ab heute Besucher aus der ganzen Welt nach Leipzig. Bei allem Erfolg in Sachen innovativer Bühnenkunst stehen die Veranstalter seit Jahren vor einem Problem.

Leipzig.

Theater in einem finsteren Kellergewölbe oder gar in einem LKW ansehen? Bei der Euroscene gibt es das. Jedes Jahr im November findet in Leipzig das Theater- und Tanzfestival Euroscene statt. Die Überschreitung von Genregrenzen gelingt durch experimentellen Tanz und innovatives Theater mit Beiträgen aus ganz Europa. In den neuen Bundesländern hat das 1991 gegründete Festival eine Pionierstellung inne. Innerhalb Europas zählt es sich selbst zu den wichtigsten Festivals dieser Art.

Ab heute gehen zwölf Gastspiele in 25 Vorstellungen an neun Veranstaltungsorten in ganz Leipzig über die Bühne, darunter die des Theaters der Jungen Welt und des Schauspielhauses. Dabei nutzen die Veranstalter nicht nur etablierte Orte, sondern auch Veranstaltungsräume der freien Szene sowie neue, ungewöhnliche Spielorte.

Eröffnet wird das Festival dieses Jahr im Schauspielhaus mit dem "Triadischen Ballett", einem Tanzstück des Bauhauskünstlers Oskar Schlemmer von 1922. Damit wird zugleich der Schwerpunkt des diesjährigen Programms markiert: Es geht unter dem diesjährigen Motto "Ausgrabungen" um historisch wichtige Tanzstücke, die nachhaltig mehrere Generationen von Künstlern beeinflusst haben, erklärt Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff. So werden neben der Choreografie Schlemmers unter anderem auch Tanztheaterwerke von Gret Palucca und Mary Wigman zu sehen sein. Auf diese Weise setzen die Veranstalter einen thematischen Schwerpunkt, um die Gastspiele sinnvoll zu konzentrieren.

Das von der Festivaldirektorin Wolff und dem Beirat komponierte Programm zieht unterdessen nicht mehr nur das interessierte Leipziger Publikum an. Auch aus dem Umland, anderen Bundesländern sowie europäischem und internationalem Ausland reisen die Zuschauer an. Und doch ringt die Euroscene mit einem Problem. Seit der Hauptsponsor BMW Leipzig 2012 seine Unterstützung einstellte, kämpft das Festival Jahr um Jahr um seine Existenz.

Dennoch bietet das Festivalprogramm wie in den vergangenen 26 Jahren große Namen international renommierter Regisseure und Choreografen der internationalen Theater- und Tanzszene auch. Aber immer sind auf der Euroscene ebenso junge, vielversprechende Compagnien vertreten, die noch zu entdecken sind und Förderung verdienen.

Das Sprechtheater im Festival wird in diesem Jahr Jahr von zwei Schwergewichten aus dem Kreis europäischer Regisseure vertreten. Der Italiener Pippo Delbono zeigt sein überaus emotionales Stück "Vangelo" ("Evangelium"). Von dem Schweizer Regisseur Milo Rau wird die viel diskutierte und mehrfach preisgekrönte Produktion "Five easy pieces", "Fünf einfache Übungen", zu sehen sein.

Das Festival

Euroscene findet von heute bis zum 12. November in Leipzig unter anderem im Schauspielhaus, im Theater der Jungen Welt und der Schaubühne Lindenfels statt. Tickethotline: 0341 2154935.

www.euro-scene.de

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