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Tocotronic: "Nie wieder Krieg"

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Jahres-Charts.

Nicht ausgeschlossen, dass irgendein Dödel auf die Idee kommt, im Rückblick auf das globalpolitisch durch und durch missratene Jahr 2022 tatsächlich den Titeltrack von Tocotronics 13. Studioalbum anzuspielen. Was nicht nur deshalb kolossal daneben wäre, weil die Zeilen von "Nie wieder Krieg" Sänger-Texter Dirk von Lowtzow schon 2018 aus der Feder flossen - und wirklich gar nichts mit Russlands Überfall auf die Ukraine zu tun haben. Dass das Album vier Wochen vor Ausbruch des Krieges erschien, war schlicht und einfach Künstlerpech.

Auch wenn die sehr linke Band mit inzwischen nur noch gepflegt quietschenden Gitarren schon vor Jahren "Kapitulation" zum "schönsten Wort der deutschen Sprache" erklärt hat, käme sie nie auf die Idee, Friedenspfeifen mit Typen wie Putin zu rauchen. Autoritäten sind ihr ein Gräuel. Umso wichtiger, nicht missverstanden zu werden. Tocotronic-Konzerte beginnen neuerdings mit einem Bekenntnis-Appell, solidarisch an der Seite der Ukraine zu stehen. Dabei ist "Nie wieder Krieg" ein durch und durch privates Album. Weder hinter dem schwerfälligen Stakkato-Stampfer "Jugend ohne Gott gegen Faschismus" noch hinter dem zarten Popsong "Ich hasse es hier" verbirgt sich ein Aufruf zum zivilen Ungehorsam. "Crash" klingt smithiger als The Smiths. Höhepunkt ist das herzzerreißende Duett von Lowtzows mit Anja Plaschg: "Ich tauche aus dem Wasser auf/Wie aus einem tiefen Schlund/Du hast deinen Mund/Fest an mich gepresst". Ein Sehnsuchtssong, der nicht nur den Krieg, sondern auch die schon jetzt 29 Jahre alte Band sicher überleben wird.

Unsere Jahrescharts wurden von den Musikkritikerinnen und -kritikern der "Freien Presse" zusammengestellt. HIER finden Sie alle bisherigen Platzierungen.

www.freiepresse.de/alben22

 


 

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