Tödliches Finale

Die Komödie "Das letzte Mal" begeistert bei ihrer deutschen Erstaufführung mit Tiefgang und schwarzem Humor im Schlosstheater Augustusburg.

Augustusburg.

Das Ehepaar sitzt in seinem Appartement im 17. Stock beim gemeinsamen Abendessen. Schweigend löffeln sie ihre Suppe, nur unterbrochen von den schlürfenden Geräuschen des Mannes. Feindselig beobachtet ihn die Frau, während sie höhnisch seine Essmanieren nachahmt. "Liebling, du wirst heute Nacht sterben. Ich habe dich vergiftet", unterbricht sie, süffisant lächelnd, die Stille. Nach anfänglichem Ignorieren der Drohung muss der Mann schmerzvoll erkennen, dass er sich in einer todernsten Situation befindet. Entkommen aus der Wohnung ist nicht möglich. Ein verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt.

Die deutsche Erstaufführung der Komödie "Das letzte Mal" erlebte am Freitag ihre ausverkaufte Premiere im Schlosstheater Augustusburg. Der Franzose Emmanuel Robert-Espalieu ist Autor dieses ins Absurde gehenden Stückes, das 2018 seine Uraufführung in Paris feierte.

In dem spartanisch eingerichteten Wohnzimmer spielen Anna Silke Röder und Andreas Unglaub ihre Rollen in einem atemberaubenden Tempo mit vielen überraschenden Wendungen bis zum verblüffenden Ende. Er ist der vertrocknet wirkende Ehemann in Bügelfaltenhose und Strickpullunder mit Vorliebe fürs Eiskunstlaufen, der jegliches Interesse an seiner Frau verloren hat. Sie füllt die Leere in der Beziehung mit einem ausgeprägten Putzfimmel aus. Kinder, Freunde oder gemeinsame Erlebnisse gibt es nicht, das sei unnütz und teuer, wie er immer betont. Sie sucht Halt in der Psychotherapie, er in der käuflichen Liebe. Emotionslos beschließt sie kurzerhand, ihn zu beseitigen. Denn eine Scheidung sei viel zu umständlich, und womöglich begegne man dem Ex noch beim Einkaufen.

In welcher Perfektion Anna Silke Röder und Andreas Unglaub die von Frank Weigand übersetzte Vorlage umgesetzt haben, ist sehenswert und vergnüglich. Die irrwitzigen Dialoge würzen schwarzer Humor, facettenreiche Mimik und jede Menge körperlicher Einsatz bis hin zu einem scheiternden sexuellen Versuch. Dabei geht es nicht nur um ein Ehedrama schlechthin. Gleichberechtigung, Rassismus, künstliche Befruchtung und Abtreibung werden genauso zum Thema wie die tödliche Routine in einer Beziehung, die aus Liebe abgrundtiefen Hass werden lässt. Dem Paar bleiben 90Minuten, in denen es sich bekämpft, wieder annähert und doch verliert. Und am Ende steht für beide die Hölle - so oder so.

Eine Premiere war die deutsche Erstaufführung in mehrfacher Hinsicht. Erstmals in der fast zwölfjährigen Geschichte des Schlosstheaters Augustusburg war der Autor des Stücks persönlich zu Gast. Da sein Flug aus Paris Verspätung hatte, musste der Aufführungsbeginn um eine halbe Stunde verschoben werden, was die Zuschauer indes gelassen aufnahmen. Minutenlanger Beifall war der Dank an zwei Schauspieler, die wieder einmal alles gegeben hatten. Auch Emmanuel Robert-Espalieu zeigte sich beeindruckt und des Lobes voll, mit welcher Dynamik Unglaub und Röder sein Werk inszeniert haben.

Alle Vorstellungen von "Das letzte Mal" sind ausverkauft. Für einen Zusatztermin am 5. Mai, 19 Uhr, ist eine Reservierung unter 037291 69254 oder info@schlosstheater-augustusburg.de möglich.

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