Trauerfeier für Kunert: Biermann singt ein letztes Lied

Schenefeld (dpa) - Der Liedermacher und Dichter Wolf Biermann hat seinen im Alter von 90 Jahren gestorbenen früheren DDR-Weggefährten und Freund Günter Kunert mit einem letzten Lied gewürdigt. Kunert und er hätten wie andere in der DDR darum gerungen, wie weit man sich mit dem SED-Regime anlegen sollte und könne, sagte Biermann (82) am Freitag bei der Trauerfeier in Schenefeld im Kreis Steinburg (Schleswig-Holstein). Es habe in der DDR die Dableiber und die Weggeher gegeben. Kunert sei nun weggegangen. «Was wird bloß aus unseren Träumen, in diesem zerrissenen Land. Die Wunden wollen nicht zugehen unter dem Drecksverband», sang Biermann.

Kunert, der damals noch in der DDR lebte, hatte 1976 als einer der ersten eine Protestresolution gegen die Ausbürgerung Biermanns aus der DDR unterzeichnet. Nach Bespitzelung und Schikanen der Stasi ließ die DDR den Dissidenten Kunert 1979 in die Bundesrepublik ziehen.

Fast 40 Jahre lebte Kunert in dem Dorf Kaisborstel im Kreis Steinburg in einer ehemaligen Schule. Am 21. September starb Kunert an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Beisetzung Kunerts fand bereits am 27. September auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee statt - im engen Familien- und Freundeskreis. Kunert wurde an der Seite seiner ersten Frau Marianne beerdigt, mit der er 50 Jahre verheiratet war.

An der öffentlichen Trauerfeier in der Bonifatiuskirche mit knapp hundert Gästen nahm auch der frühere saarländische Ministerpräsident und Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) teil. Auch Hanser-Verleger Jo Lendle würdigte den langjährigen Autor des Verlags.

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