TV-Premiere: So gut ist der neue "Erzgebirgskrimi" des ZDF

Am Sonnabend werden die Einschaltquoten pünktlich zur Prime Time um 20.15 Uhr für das ZDF im Erzgebirge vermutlich deutlich stärker als üblich in die Höhe gehen. Denn dann startet eine hier verortete Krimireihe.

Chemnitz.

Der Mehrteiler "Tschernobyl" über den Gau im Jahre 1986 hat doch tatsächlich die Zahl der Tagestouristen am Unglücksort Prypjat deutlich ansteigen lassen. Und auch die lange Treppe zwischen Shakespeare Avenue und Anderson Avenue in New York ist quasi über Nacht zur Touristenattraktion geworden. Joaquin Phoenix tanzt derzeit im Kino als "Joker" im gleichnamigen Film diese Treppe hinab. Kann gut sein, dass sich nun auch die Kneipe "Freie Republik Schwarzenberg" mehr denn je zum Touristenmagnet entwickelt, denn sie spielt in einer neuen Krimireihe eine nicht ganz unwesentliche Rolle.

Försterin Saskia ist gemeinsam mit ihrem Vater einem Wilderer auf der Spur. Dabei spürt der Jagdhund in einem alten Stollen eine Leiche auf. So startet am Sonnabend zur besten Sendezeit der neue "Erzgebirgskrimi" im ZDF. Mord und Totschlag nun also auch südlich von Chemnitz. Endlich, müsste man fast meinen: Denn die Region blieb bislang in dieser Hinsicht ein weißer Fleck im sehr umfänglichen deutschen Krimifernsehen. "Heimatkrimis" sind ja seit vielen Jahren fester Bestandteil des Programms der Öffentlich-Rechtlichen und erfreuen sich großer Beliebtheit. In Bayern gab es sogar einmal eine eigene Reihe mit dem Titel "Heimatkrimis". Das föderale Länderfernsehen führte schon immer dazu, dass beispielsweise die Tatort-Krimis bestimmten Regionen zugeordnet werden können. Doch besonders das ZDF hat sich um das Genre verdient gemacht - vor allem mit der Soko-Reihe. Die Sonderkommissionen ermitteln an zehn Standorten, darunter auch sehr erfolgreich in Leipzig. In Dresden gehen die Kollegen vom Tatort auf Mördersuche.

Nun also das Erzgebirge - und selbst Zuschauer, die von Programm zu Programm zappen und den Anfang verpassen, dürften sehr schnell mitbekommen, wo gerade ermittelt wird - in "dr Haamit". Chemnitz, Annaberg-Buchholz, Schwarzenberg, Freiberg. Sanfte Hügel, Wismut, Erzgebirgssouvenirs, viele Škodas und auch Simson-Mopeds, eine Schneeberger Sagenfigur sowie die Kneipe "Freie Republik Schwarzenberg" - so viel Erzgebirge gab es in knapp 90 Minuten Fiktion wohl noch nie. Fast könnte man meinen, das ZDF bittet mit dieser Überdosis um Entschuldigung für die Vernachlässigung in der Vergangenheit.

"Als wir unsere erste Recherchereise ins Erzgebirge machten, haben wir uns gewundert, dass bei der Vielfalt an Themen und Geschichten, die hier quasi auf der Straße liegen, so wenig gedreht wird", sagen die Produzenten Clemens Schaeffer und Gabriele Jung. "Das Erzgebirge steht im Zentrum unserer neuen Krimireihe, spielt sozusagen eine Hauptrolle", geben sie unverblümt zu. Die Themen, die hier erzählt werden sollen, seien gleichzeitig heimatnah und universell. Es gebe hier eine große Traditionsverbundenheit, aber auch eine hohe Affinität zur modernen Ingenieurskunst. "Die Menschen sind gastfreundlich, aber auch skeptisch. Diese Herzlichkeit, den Erfindungsreichtum und die Bodenständigkeit wollen wir in unseren Geschichten erzählen. Das macht die Fälle unserer Kommissare besonders und authentisch zugleich", so Schaeffer und Jung. Und die Produzenten zeigen sich fasziniert: "Die wunderschöne Natur hat uns sehr beeindruckt. Der tiefe, fast schwarze Wald ist für uns ein Motiv für emotionale, aber auch hochdramatische Situationen in unseren Geschichten geworden."

Hochdramatisch ist er schon, der erste Krimi - den zweiten gibt es im Frühjahr 2020 - der neuen Reihe. Die Identität des Toten im Stollen ist schnell aufgeklärt, es handelt sich um Prof. Hellmann, der bis zu seinem mit Gewalt herbeigeführten Ableben Bergbau an der Bergakademie in Freiberg lehrte und zugleich einen internationalen Rohstoffkonzern bei vielversprechenden Probebohrungen nach einem vermutlich großen Lithium-Vorkommen beriet. Lithium ist besonders für Akkus von großer Bedeutung.

Unter Tatverdacht geraten ein Kollege, die Ehefrau des Opfers und ein älterer Einzelhändler, der in seinem Laden Geschnitztes und Gedrechseltes verkauft. Hauptkommissar Adam (Stephan Luca) und die junge Kommissarin Karina (Lara Mandoki) sind ein unverkrampft ermittelndes Team. Sie (selbstbewusst und immer ein wenig frech) und er (manchmal ein wenig zu unsensibel) liefern sich so manch erfrischenden Schlagabtausch. Diese Kombination und eine generell lakonisch-lässige Stimmungslage kompensieren wohltuend die Überdosis an "Haamit". Und in der Schwarzenberger Kneipe hört man Gott sei Dank dann doch lieber Bob Dylan als das Steigerlied!

Bewertung des Artikels: Ø 3.4 Sterne bei 5 Bewertungen
7Kommentare
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  • 4
    1
    detele64
    11.11.2019

    die zimmereinrichtung des kommissars im gasthof forelle war der witz. wenn das ein fernsehzuschauer aus den westlichen bundesländern sieht denkt er glatt wir leben hier noch wie vor 30 jahren.

  • 1
    2
    Freigeist14
    10.11.2019

    Ich verstehe ja die Kritik . Aber : Was hat man denn anderes erwartet ? Ich guck mir sowas gar nicht erst an .

  • 2
    4
    Distelblüte
    10.11.2019

    Die Luftaufnahmen per Drohne waren gelungen. Ansonsten war der Krimi etwas farblos. Zu viele Themen angerissen, zu wenig Originale. Es wirkte etwas beliebig.
    Da ist noch Luft nach oben. Oder wie unser Kantor sagt: Da war schon viel Schönes dabei...

  • 1
    4
    Tauchsieder
    10.11.2019

    Es war bestimmt gut gemeint, aber leider schlecht gemacht. Schlimmer geht immer. Was wollte man eigentlich, einen Krimi drehen im Erzgebirge, oder einen Touristenwegweiser mit allen Sehenswürdigkeiten im Erzgebirgskreis, sowie einer metallurgischen Aufarbeitung des Uranbergbaus dem geneigten Zuschauer vermitteln?
    Das Erste ist grandios gescheitert und das Zweite griff nicht weit genug. Muss man nicht noch einmal haben!

  • 2
    5
    Blackadder
    10.11.2019

    @Diabl: Man hat es ja vor allem an der Sprache gemerkt. Teresa Weissbach sprach als einzige ein bisschen sächsisch, die ist ja auch in Stollberg aufgewachsen. Ansonsten wird es halt so Hochdeutsch schon unrealistisch.

  • 3
    6
    Distelblüte
    10.11.2019

    @Diablo: Teresa Weißbach, geboren in Zwickau, aufgewachsen in Stollberg, spielte eine der Hauptrollen - die Försterin Saskia Bergwelt. Und mindestens drei ehemalige DDR-Schauspieler waren dabei.

  • 4
    4
    Diablo
    09.11.2019

    Schon lustig die Heimat im ZDF Krimi zu sehen. Nur bissel schade, dass keine Schauspieler aus der Region mitspielen dürften. Leider geht dadurch die Authentizität der Erzgebirgischen Region verloren. Unsere Theater hätten bestimmt dabei aushelfen können.



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