"Und dann habe ich es einfach gemacht"

Drei Fragen an Jan Bülow, den Hauptdarsteller im neuen Kinofilm "Lindenberg! Mach dein Ding!"

Berlin.

Als es galt, die Rolle des jungen Udo Lindenberg in einer groß angelegten Filmbiografie zu besetzen, gaben sich diverse Bewerber die Klinke in die Hand. Die Wahl fiel auf den Ernst-Busch-Absolventen Jan Bülow. Der 23-Jährige hat am Schauspielhaus Zürich und an der Schaubühne Berlin mit namhaften Regisseuren gearbeitet und in Filmen wie "Abgeschnitten" und "Radio Heimat" sowie der Netflix-Serie "Dogs of Berlin" mitgespielt. André Wesche hat mit dem Schauspieler gesprochen.

Freie Presse: Herr Bülow, wie fühlt es sich an, von Udo Lindenberg "Geschenk der Götter" genannt zu werden?

Jan Bülow:(lacht) Ich weiß nicht recht. Es war alles ein bisschen skurril. Ich habe Udo einfach so kennengelernt, und wir mochten uns. Gleich am ersten Tag hat er mir einen Bildband von einer Tour geschenkt. Ich habe ihn darum gebeten, mir etwas reinzuschreiben. Das hat er auch gemacht: "Stellvertreterlizenz auf Erden". Als ich die Rolle bekommen habe, habe ich mich auch in seine Musik verliebt. Ich bin zum Fan geworden und höre auch über die Arbeit hinaus noch ein Album oder einen Song. Udo macht mir immer Komplimente. Irgendwie sind wir zu dicken Freunden geworden, sodass ich sie auch annehmen kann. Über dieses schöne Verhältnis freue ich mich sehr.

Wie haben Sie die Rolle ergattert?

Das ist eine ganz lustige Geschichte. Ein Kommilitone von der Schauspielschule sprach mich darauf an, dass man momentan Udo Lindenberg castet und ich bestimmt auch dahin gehen werde. Ich musste zugeben, dass ich bis dahin gar nichts davon wusste. Natürlich habe ich postwendend meinen damaligen Agenten angerufen und ihn gefragt, ob er mich da irgendwie ins Gespräch bringen kann. Er meinte, dass es schwierig wird, weil man quasi die halbe Welt dafür castet. Es gab einen Videoaufruf, und ich sollte einen Song einsingen und ein Video davon machen. Ich habe meinen Onkel nach einem guten Song von Udo gefragt, und er empfahl sofort "Alles klar auf der Andrea Doria" als Klassiker. Ein Kumpel hat Klavier gespielt, und ich habe den Song aufgenommen, ohne mir große Gedanken zu machen. Ich habe das Video abgeschickt, und sie fanden es ziemlich gut. Ich war plötzlich im Gespräch. Es gab mehrere Casting-Runden, und es kristallisierte sich heraus, dass ich es werde. Man musste das aber koordinieren, denn gleichzeitig bekam ich eine Hauptrolle am Züricher Schauspielhaus angeboten, nämlich den "Hamlet". Am Ende konnte ich beides machen, was eigentlich ein Traum ist.

Wie schafft man sich Udo drauf?

Das ist gar nicht so spektakulär. Man fängt relativ konventionell an, wie bei einem Bürojob. Man liest etwas und unterhält sich mit den Produzenten und der Regisseurin. Ich habe hier und da mal reingeschnüffelt. Mit dem Udo der 80-er und 90-er Jahre habe ich mich jetzt bewusst nicht so viel auseinandergesetzt, weil der Film ja in einer anderen Zeit spielt. Ich habe mich viel mit Udos Kindheit beschäftigt. Aber grundsätzlich habe ich viel mit Coaches gearbeitet, auch am Gesang. Am wichtigsten war es für mich, ihn vorher zu treffen. Ich finde die Erfahrung sehr wichtig, jemanden in Person so zu erleben, sofern das möglich ist. Ich habe im Moment des Treffens zum ersten Mal verstanden wie dieser Mensch überhaupt tickt und glaubte, ein bisschen zu verstehen, warum er so eigen ist wie er ist. Und dann habe ich es einfach gemacht. Manchmal muss man einfach alles wieder vergessen, um diese Reise antreten zu können. Ich hatte oft große Angst, nicht genug getan zu haben. Aber letztendlich hat es ganz gut funktioniert.

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