Unsere Songs des Jahres

Musikkritiker der "Freien Presse" haben zum Jahresausklang wieder ihre persönlichen Lieblingslieder zusammengestellt - und erklären, warum kein anderes als diese 20 Werke 2019 besser war.

Der Song des Jahres von Tino Moritz

Seeed: "Ticket" 

Wer hätte nach Dembas Tod 2018 gedacht, dass Seeed dieses fluffige Comeback raushauen! "Die Sonne kommt, es geht von vorne los", singen sie in "Ticket" auf beswingten Afrobeats. Peter Fox als Pierre Baigorry zurück im Kollektiv. Herhören, ihr Speckschüttler: Das B an der Spree ist noch dick!


Der Song des Jahres von Juliane Streich

Die Heiterkeit: "Was passiert ist"

Ein Lied über Ahnungslosigkeit: Was passiert ist, weiß hier keiner. Stella Sommer singt wie gewohnt tief. Melancholisch und deprimiert- aber so, dass man trotzdem gute Laune kriegt. Das Album dazu könnte man täglich hören. Denn man muss auch nicht alles wissen.

 


Der Song des Jahres von Karsten Kriesel

Die Ärzte: "Abschied" 

Nach langer Funkstille und geschickt genährten Auflösungsgerüchten hat der erste neue Song der Ärzte seit sieben Jahren endlich wieder reichlich Punkallüre - und die konsequenteste Lösung gegen den Klimawandel parat: "Los komm wir sterben endlich aus!"


Der Song des Jahres von Kathrin Neumann

Bonaparte: "Cameroon" 

Der Krawallo Bonaparte presst die Sehnsucht nach Afrika auf eine Scheibe und führt seine Art zu rappen ein Stück weg vom grotesken Trash-Image. Auch dank der malischen Sängerin Fatoumata Diawara entsteht ein Song voller Drive. Trommelwirbel!

 


Der Song des Jahres von Sascha Aurich

Max Herre: "17. September" 

Weiß nicht, wann ich das zuletzt so hatte: Gefesselt schon beim ersten Hören, dann Dauerschleife, jetzt sparsamer Einsatz, damit die Gänsehaut zuverlässig wiederkommt. Obwohl: Gänsehaut? Tränen. Nicht immer, aber manchmal. Mehr geht nicht.


Der Song des Jahres von Franziska Mehlhorn

Abramowicz: "This Is Not My City"

Ein absoluter Dauerrotationskandidat: Wenn der 4/4-Beat ins Rollen gekommen ist, zirkuliert die Basslinie smooth - bis das Rock'n'Roll-Piano klimpert, von Gaslight-Anthem-Gitarren und Sören Warkentins fester, kratziger Stimme gezuckert wird. Perfekt!

 


Der Song des Jahres von Tim Hofmann

Gold: "Taken By Storm"

Reflektierte Sinnlichkeit trifft auf harsche Doom-Ausbrüche, poppige Postzugänglichkeit auf schwarzmetallische Vehemenz, feinpoppige Melodieführung auf bitterkühle Wave-Melancholie. Und dann dieser abgründige Gesang - Gold aus Holland sind ein Geschenk!

 


Der Song des Jahres von Sara Thiel

Richard Henshall: "Twisted Shadows"

Progrock. Mit Metal und Mathe. So klingt das, wenn der Gitarrist von Haken ein Soloalbum zusammenfrickelt. Wie ein Eintopf Allesdrin: Gehaltvoll, scharf gewürzt und jede einzelne Zutat ein Genuss. Nichts, das man im Vorbeigehen verdauen kann. Ohrenschmaus.


Der Song des Jahres von Ulf Kubanke

Nick Cave & The Bad Seeds: "Hollywood"

Nick Cave reist hier nicht nur von London gen L.A., sondern von Depression gen Hoffnung. Am Ende des Liedes steht weiterhin die Ungewißheit, ob es ein Leben nach dem Tod gibt - doch auch die Gewissheit eines gemeinsamen Lebens nach dem Todesfall.

 


Der Song des Jahres von Johanna Eiser

FKA twigs: "Maria Magdalene"

Stellvertretend für das ganze Album. So sakral, intim, zerbrechlich, beklemmend, emanzipatorisch, schonungslos schön wie Popmusik nur werden kann, wenn man sie auf ihren Kern reduziert. Als würde ein gebrochenes Herz eine heiligen Messe halten.


Der Song des Jahres von Tobias Prüwer

Amon Amarth: "Raven's Flight"

Heldenpathos, Hörnerhelme, Rabenflug: Amon Amarth packen das ganze Wikinger-Genre in einen Song. Trällernde Gitarren, melodische Bögen, mittelschnelles Getrommel und
Klargesang hüllen die Saga vom Langschiffüberfall auf England ins metallische Gewand. Episch, hymnisch, gut.


Der Song des Jahres von Jana Peters

Thees Uhlmann: "Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach Hip-Hop-Videos nach Hause fährt"

 


Der Song des Jahres von Matthias Zwarg

André Heller: "Es gibt"

Nach 33 Jahren wieder eine André-Heller-Platte, "Spätes Leuchten"; nur Lieblings-Liebes-Lebenslieder: "Es gibt so viel zu wenig und so viel zu viel ... Es gibt dein brennendes Verlangen nach Würde und Geborgenheit, nach Zärtlichkeit und Frieden." Atemberaubend, weise, schön.


Der Song des Jahres von Sophie Engelhardt

Deichkind: "Keine Party"

Im gesellschaftskritischen Unterton der aktuellen Deichkind-Platte hat viel Selbstironie Platz: Der Text von "Keine Party" verteufelt das, was die Band einst auf "Remmidemmi" zelebrierten - und der pumpende Beat lädt erst Recht zum Feiern ein. Lars Eidinger geht im Video dazu ab - göttlich!


Der Song des Jahres von Maurice Querner

Großstadtgeflüster: "Neue Freunde"

Die Schublade, in die man Großstadtgeflüster einordnen kann, muss noch gebaut werden. Ein bisschen Punk, Elektro, Hip-Hop und viel Party. Wie dem auch sei, das Trio stellt die wirklich wichtigen Fragen im Leben: "Ob mich wohl irgendjemand vermisst, wenn ich morgen nicht mehr aufwache?"


Der Song des Jahres von Sophie Schober

Trettmann: "Stolpersteine

Gesellschaftskritik anstelle tanzbarer Dancehall-Songs. Die Fragen, die er sich zur jungen Frau stellt, deren Namen auf der Messingtafel in seiner Straße stehen, lassen auch die Hörer nicht kalt - eine nachdenkliche und gelungene Abwechslung des Musikers!


Der Song des Jahres von Torsten Kohlschein

Berge: "Trau dich"

Engagiertes Liedermachertum geht oft mit Weinerlichkeit einher. Anders beim Berliner Duo Berge. Der energievolle Titel "Trau dich" ist eines der besten Beispiele auf dem neuen Album von Marianne Neumann und Rocco Horn: positiv, weltzugewandt, mutstiftend.


Der Song des Jahres von Antje Flath

Max Raabe und Felix Kummer: "Der Rest meines Lebens"

Max Raabe hat einst behauptet: "keine Sau interessiert sich für mich". Stimmt schon lange nicht mehr. Und den "perfekten Moment" hat er dieses Jahr auch nicht "verpennt", sondern mit Felix Kummer auf unnachahmliche Weise über das Altern philosophiert.

 


Der Song des Jahres von Welf Grombacher

Pixies: "Long Rider"

Songs wie diesen muss Nirvana-Sänger Kurt Cobain gemeint haben, als er auf die Frage, was ihn zu "Smells Like Teen Spirit" inspiriert habe, antwortete: "Ich habe versucht, den ultimativen Popsong zu schreiben - ich habe versucht, die Pixies abzuzocken!"


Der Song des Jahres von Laura Schmidt

Sam Smith & Normani: "Dancing with a stranger"

Einen persönlichen Song des Jahres zu küren ist gar nicht so einfach. Aber ein gutes Indiz ist es, wenn einem das Lied nicht mehr aus dem Kopf geht - und bei "Dancing with a stranger" ist das definitiv der Fall. Einfach eintauchen und sich von der Musik treiben lassen.

 

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