Verbrennungsmotor als Klimaretter

Cornel Stan schreibt in seinem neuen Buch "Energie versus Kohlendioxid" anschaulich darüber, wie man die Welt retten kann.

Die Erwartungen an ihn enttäuscht er nicht. Schließlich gilt er als "Mr. Diesel". Also bekennt sich Cornel Stan zum Verbrennungsmotor, aller Verbundenheit zu Zwickau und dem VW-Vorzeige-Standort für den Aufbruch in den Elektroantrieb zum Trotz. Nur unerheblich weniger Kohlendioxid emittiere ein Fahrzeug mit E-Antrieb als ein Auto mit Dieselmotor, stellt Stan fest. Die Erklärung findet sich in These 23. Sie ist eine von 59, mit denen der Autor das anspruchsvolle Thema "Energie versus Kohlendioxid" beleuchtet.

Nicht allen Wissenschaftlern gelingt es, schwierige Materie anschaulich zu vermitteln. Cornel Stan, der sich an der Westsächsischen Hochschule und an renommierten internationalen Universitäten den Ruf als "Auto-Professor" erarbeitete, nutzt sein schriftstellerisches Talent auch mit fantasievollen Romanen. Sein aktuelles Werk aber ist ein Sachbuch, in dem Stans Lieblingsobjekt Auto nicht im Mittelpunkt steht. Denn alles dreht sich um den Energiehunger einer wachsenden Menschheit, um den Widerstreit zwischen Wohlstandsleben und Umweltverträglichkeit.

"Wie retten wir die Welt?", fragt der Autor im Untertitel. Das klingt vielversprechend. Stan liefert einige Rezepte. Verzicht auf Erdöl und Erdgas zählen dazu, ebenso benötige die Erde viele neue, langsam wachsende Bäume sowie viele neue, schnell wachsende Pflanzen. Die drastische Senkung der von Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen zu erzwingen, sei von lebenswichtiger Bedeutung, beschreibt er als oberstes Anliegen.

Gleichzeitig spricht er sich gegen die Verteufelung des Verbrennungsmotors und die Seligsprechung der Elektromobilität aus. Stan liebt Vergleiche, um grünen Ideen entgegen zu treten, zum Beispiel: Moderne Verbrennungsmotoren emittieren bei einer jährlichen Fahrtstrecke von 15.000 Kilometern genauso viel Kohlendioxid wie ein durchschnittlicher Mensch mit einem in Europa üblichen Arbeitsprogramm. Oder: Der größte Dieselbetrug der Welt sei weder auf der Straße noch durch Volkswagen geschehen. Er geschehe auf allen Meeren, verursacht von der ganz feinen Welt in den Industrieländern, die sich hinter falschen Flaggen verstecke.

Industrie, Raumwärme, Warmwasser: Sie stehen laut Stan in Deutschland für 30 Prozent des Energieverbrauchs (Verkehr 28, Industrie 26 Prozent). Und wie kann der Bedarf gesenkt werden? Anlagen zur Speicherung des aus Heiz-und Kraftwerken abgestoßenen Kohlendioxid seien ein Weg, dazu Photovoltaik- oder Windkraftanlagen zur elektrolytischen Herstellung von Wasserstoff. Stan summiert das mit der Forderung nach einer intelligenten Ankoppelung der Systeme. Dazu zählt auch das Destillieren von Alkohol aus Biomasse, "ob faules Obst oder Pflanzenreste". Das Produkt, so schwärmt er, sei ein Energiespender der besonderen Art für Mensch und Maschine.

Kurzweilig und auch für den Laien verständlich beschreibt der gebürtige Rumäne und Wahl-Erzgebirger Cornel Stan das komplexe Thema. Dabei scheut er sich nicht vor provokanten Behauptungen und verleiht dem Verbrennungsmotor den Status eines Klimaretters. "Er frisst das Kohlendioxid der Industrie, umgewandelt in Methanol, er frisst Mist aus Landwirtschaft und städtischen Kläranlagen." Dem Interesse am neuen Buch sollte das nicht schaden, ebenso die Zahl der Thesen, denn die Zahl 59 ist nicht rein zufällig eine Umdrehung der 95, die mit dem Namen Luther in Verbindung stehen.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.