Vicente Patiz: Effekte, aber keine Kulissen

Seit 15 Jahren betreibt der Erzgebirger Vicente Patiz eine erstaunliche Solokarriere: Er bedient eine sonnige Nische des Musikgeschäftes auf eine schrullige wie ernste Weise.

Bad Schlema.

Wer leicht und seicht für dasselbe hält, den führt Jörg Patiz schnell in die Irre: Unter seinem Künstlernamen Vicente Patiz erkundet er die Sonnenseiten des Lebens zwar mit locker anmutenden Flamenco-, Folk- und Weltmusik-Eigeninterpretationen, die in ihrer oft fast poppig-dreisten Naivität Musikdenkern als viel zu weit weg von den jeweiligen Traditionen erscheinen - doch gerade damit nähert sich der Gitarrist aus dem Erzgebirge dem Wesen einer Musik, die doch eigentlich direkt aus den Menschen kommt. Volksmusik ist im besten Sinn: Versucht, um zu versuchen, gemacht direkt aus Gefühlen - mit den Mitteln, die im Moment eben da sind, ein Mix aus Tradition und stetiger Neuaneignung.

15 Jahre ist es nun her, dass der Autodidakt Patiz seine ganz eigene Idee von instrumentaler Weltmusik erstmals veröffentlicht hat: Die erste Solo-CD war 2004 noch selbstgebrannt, ein verspielter Versuch auf der Akustikgitarre von etwas, das er für Flamenco hielt. Sein Geld verdiente der gebürtige Erlabrunner damals als Gitarrist einer bayerischen Top-40-Showband. Doch bereits vier Jahre später kündigt er dort, weil die Nachfragen nach Solokonzerten zu groß wurden, um sie mit dem Tanzsaal-Betrieb noch zu vereinbaren: Patiz springt ins kalte Wasser und setzt alles auf eine Solokarriere. Denn seine Musik kam an, weil sie eben nicht Stilistiken nachexerziert oder sich in Tiefen der Tradition verliert: Sie ist einfach gespielt. Patiz hört, fühlt, lernt etwas - und will es direkt zum Leuchten bringen. Das verleiht seiner Musik große Leichtigkeit, gleichzeitig aber auch Ernst. Denn Patiz verlässt sich nicht auf sein unüberhörbares handwerkliches Talent, das als Markenkern herauszustellen viele Gitarristen für eine gute Idee halten: "Gut spielen können viele. Das ist es nicht mehr", sagt er. Stattdessen will seine Musik Brücken in den Moment bauen, die Zuhörer ergreifen, aufschließen. Dafür jongliert der Musiker mitunter wild mit Sound und Melodien, nutzt elektronische Looper und Klangverfremder, atmosphärische Perkussion - jeder Trick ist erlaubt, solange er mit offenen Karten ausgespielt wird. Bei seiner One-Man-Show zeigt der Gitarrist ganz offen, was er wie macht. Kulissen gibt es keine, Effekte dafür jede Menge: "Man muss ins Gespräch kommen", sagt er und grinst. 2010 etwa war so ein Clou: 8 Konzerte in 8 Ländern gab er da an einem Tag, um im Guinnessbuch der Rekorde zu landen. Mittlerweile hat er zehn Alben aufgenommen, und von jedem rund 5000 Stück verkauft - fast alle bei selbst organisierten Konzerten. "Selbermachen schafft große Abhängigkeit, weil eben alles klappen muss. Es schafft aber auch große Unabhängigkeit - weil ich auf niemanden warten muss", erklärt er. Da Patiz das Jahr über europaweit unterwegs ist, ist er daheim selten zu erleben. Außer zur Weihnachtszeit: Da gibt es traditionell eine kleine Tour. Schließlich hängt das Herz an Bad Schlema, wo sein Haus steht.

Weihnachtskonzerte Vicente Patiz spielt am Freitag um 20 Uhr im Ratskeller Schwarzenberg. Am 27. Dezember ist er dann 18 Uhr in der Kirche Ortmannsdorf (Mülsen) zu erleben, am 29. Dezember ebenfalls 18 Uhr in der Nikolaikirche Freiberg. Karten gibt es in allen "Freie Presse"-Shops in Ihrer Nähe. www.freiepresse.de/meinticket

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