Viel Publikum im wiedereröffneten Dresdner Residenzschloss - Besucher am "Tatort"

Der Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Grünen Gewölbe hat die Staatlichen Kunstsammlungen ins Mark getroffen. Nach einem halben Jahr können wieder Besucher in die barocke Schatzkammer - wie in weitere Residenzschlossmuseen.

Dresden (dpa) - Die Wiedereröffnung großer Teile des Dresdner Residenzschlosses nach wochenlanger Corona-Zwangspause ist am Pfingstwochenende auf positive Resonanz gestoßen. In den ersten sechs Stunden kamen nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) vom Sonntag rund 1000 Menschen in die zugänglichen Präsentationen. Das sei «eine sehr gute Zahl», sagte eine Sprecherin. Über die Tagesbilanz der einzelnen Museen wie dem Historischen Grünen Gewölbe könne noch nichts gesagt werden.

Die ersten Besucher in der nach dem Juwelendiebstahl im November 2019 gut ein halbes Jahr geschlossenen barocken Schatzkammer wurden mit einem «Herzlich willkommen!» von der Spitze der SKD begrüßt. Vor dem Eingang herrschte Andrang, da der Zugang wegen der Corona-Schutzregeln weiter begrenzt wurde. «Ich freue mich vor allem für unsere Besucher», sagte Generaldirektorin Marion Ackermann. Für Schlossdirektor Dirk Syndram ist es angesichts der vergangenen Wochen «schon eine Befreiung».

Am «Tatort» im Juwelenzimmer wird die Geschichte des Coups vom 25. November 2019 erzählt, der weltweit Schlagzeilen machte. Die prächtigste Vitrine, aus der zwei Unbekannte am frühen Morgen rund ein Dutzend der kostbarsten historischen Pretiosen von unschätzbarem Wert gestohlen hatten, ist verwaist. «Wir haben bewusst eine Leerstelle für das Publikum geschaffen, um den Menschen Raum zu geben für ihre eigenen Emotionen», sagte Ackermann.

Die Spuren brachialer Gewalt sind beseitigt. Der Großteil der Diamant- und Brillantgarnituren, der den Dieben nicht in die Hände fiel, befindet sich in den Vitrinen neben «dem teuersten Monument barocker Kunst, dem Obeliskus Augustalis», erklärte Syndram. «Die Perlen der Königin sind neu aufgefädelt, der Brillantschmuck der Königin strahlt immer noch.» Überreste von zerrissenen Schmuckstücken sind nicht ausgestellt, «um nicht Täterwissen weiterzugeben».

Auf der Stele neben der geplünderten Vitrine sind Fotos der Verluste und die einstige Präsentation zu sehen. Im Laufe des Jahres soll der Schaukasten, in den die Täter mit einer Axt drei Löcher geschlagen hatten, wieder eingerichtet werden. «Wir hoffen weiterhin, dass etwas oder alles zurückkommt», sagte Ackermann unter Verweis auf Fälle, in denen solches Diebesgut nach Jahren wieder aufgetaucht sei. «Es ist nicht so einfach, Kunst verschwinden zu lassen.»

Noch gibt es keine heiße Spur zu Beute und Tätern, für deren Ergreifung eine halbe Million Euro Belohnung ausgesetzt sind. Die Sonderkommission «Epaulette» geht von einer geplanten Tat und mindestens sieben Beteiligten aus, gegen vier Wachleute wird ermittelt. Laut Ackermann wurden die Sicherheitskonzepte aller SKD-Museen streng überprüft, «aber das ist noch ein Prozess mit verschiedenen Stufen». Eine internationale Expertenkommission soll diese künftig regelmäßig bewerten. Ob der Dynamik technischer Entwicklungen und krimineller Energie brauche es den Abgleich mit internationalen Standards, «das ist eine andauernde Aufgabe».

In das als «begehbarer Tresor» konzipierte Historische Grüne Gewölbe, in dem wie vor fast 300 Jahren Hunderte Kostbarkeiten frei auf Konsolen stehen, kommen Besucher nur mit Zeittickets durch Schleusen. Wegen der Corona-Schutzregeln dürfen sich maximal 70 statt bisher 100 Menschen pro Stunde in den Räumen aufhalten - und im ganzen Schloss höchstens 500. Auch Türckische Cammer, Riesensaal, Porzellankabinett, Paraderäume und Neues Grünes Gewölbe sind zugänglich.

Dort hat der «Dresdner Grüne» nach der Rückkehr von einer Ausstellung im Metropolitan Museum New York eine neue Bühne. Für den einzigen je gefundenen großen, von Natur aus grünen Diamanten wurde eine Raumarchitektur geschaffen, die ihn extra funkeln lässt. Der 41-Karäter war 1741 von Kurfürst-König August III. gekauft und in Hut-Schmuck der Brillantgarnitur - der kostbarsten Juwelengarnitur - eingearbeitet worden lassen.

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