Von den Wurzeln des Welterbes

Neu im Buchprogramm der Freien Presse: "Bergbau - Erde - Mensch". Ein Buch über das "Welterbe mit Erz und Seele", das das Erzgebirge nicht als Museum, sondern als lebendige Kulturlandschaft mit engagierten Menschen beschreibt.

Chemnitz.

Der 6. Juli 2019 war nicht nur für das Erzgebirge ein besonderer Tag. Das zuständige Komitee der Unesco verlieh der deutsch-tschechischen Montanregion Erzgebirge/Krusnohori den Titel Weltkulturerbe. Freie-Presse-Reporter Frank Hommel konnte die Zeremonie in Baku verfolgen. Zur selben Zeit hatte er mit seiner Frau Eva-Maria das Manuskript für ihr gemeinsames Buch "Bergbau - Erde - Mensch" nach etwa vierjährigen Recherchen fertiggestellt. "Der Anfang war die erste Bewerbung um den Welterbetitel", so Hommel, "unser Buch ist dann parallel zur nächsten, nun erfolgreichen Bewerbung gewachsen." Dass das Buch über das "Welterbe mit Erz und Seele" gerade jetzt, parallel zur Unesco-Anerkennung, erschienen ist, freut die beiden Autoren besonders.

Eva-Maria und Frank Hommel beschreiben das Erzgebirge nicht als historische Kulisse, nicht als Muse-um, sondern als eine Region, in der Geschichte im gegenwärtigen Alltag lebendig geblieben ist und als Inspiration in die Zukunft wirkt. "Hinter jedem Stein, der bewegt, jedem Stollen, der gegraben, jedem Schacht, der geteuft wurde, stehen Menschen", schreiben sie in ihrem Vorwort. Den Schicksalen dieser Menschen, die in Vergangenheit und Gegenwart das Erzgebirge und seine Kultur geprägt haben, sind sie nachgegangen. Sie haben in Archiven, Bibliotheken, Sammlungen, Museen recherchiert, vor allem aber haben sie Menschen besucht, die im Erzgebirge leben und es mit ihrer Arbeit, mit ihrem Engagement, mit ihrer Begeisterung, mit ihrer Liebe zu einer Region und ihrer Geschichte erst zu einer Kulturlandschaft machen. Frank Hommel über seine stärksten Eindrücke bei der Arbeit an dem Buch: "Die Begegnung mit den vielen Menschen, die für diese Region brennen, die auch ein bisschen verrückt sind, wobei man aber totalen Respekt bekommt vor dem, was sie machen." Zum Beispiel Volkmar Müller vom Bergbauverein Schneeberg, der in 30 Jahren 40 alte Bergbaubücher mit der Schreibmaschine abgeschrieben hat, um sie Forschern zugänglich zu machen. Eva-Maria Hommel: "Es gibt so viele Leute, die sich für die Welterbestätten einsetzen. Das ist so kleinteilig, erfordert unheimlich viel Zeit, Energie und Fachwissen."

In etwa 40 reich bebilderten Reportagen - für die lebendige Gestaltung des Buches sorgte der Chemnitzer Grafiker Ingolf Höhl - zeichnen die Autoren ein vielfarbiges Bild des Erzgebirges: vom der Legende nach ersten Silberfund am Schüppchenberg in Freiberg über die zahlreichen Erfindungen, großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen, die auf den Bergbau zurückgehen, Frauen im Bergbau, bis zu Ausblicken in die Zukunft. Silbermannorgeln, Klöppelkunst und Bewohner historischer Bergbaugebäude, ein Nobel-Auto aus Brand-Erbisdorf, hochpräzise und ziemlich teure Uhren - all dies hat mit dem Bergbau zu tun. Wie dessen Geschichte auch Sabine Ebert und Josef Haslinger, beide bekannte Schriftsteller, inspiriert hat.

In acht Kapiteln, geografisch sortiert, gehen die Autoren Spuren des Bergbaus in ihrer Heimat nach, über die sie bei ihren Begegnungen auch mehr erfahren haben: "Wie eng die Geschichte Sachsens mit dem Berg-bau verbunden ist - da habe ich vie-les vorher nicht gewusst", sagt Frank Hommel. Ein besonderes Erlebnis war es für ihn auch, in die inzwischen wieder verwahrte Bergbauwelt einfahren zu dürfen, die 800 Jahre lang unberührt unter der Stadt Dippoldiswalde lag. Und Eva-Maria lag der Blick nach Böhmen am Herzen: "In der Tschechischen Republik bekommen Bergbau-Initiativen bisher wenig Geld von staatlicher Seite, und trotzdem ist es dort einigen kleinen Vereinen gelungen, Bedeutendes zu erreichen. So gibt es in Kupferberg, Medenec, ein kleines Bergbaumuseum und ein Besucherbergwerk." Auch dies wird in dem Buch beschrieben. Ebenso, was der einsti-ge Freiberger Bergbeamte Hans Carl von Carlowitz, Erfinder der nachhaltigen Holznutzung, mit dem Weltklimagipfel in Rio de Janeiro zu tun hat und wie sich Freiberger Wissenschaftler für menschenwürdige Bedingungen im afrikanischen Bergbau einsetzen.

Eva-Maria und Frank Hommel haben ein wunderbar lebendiges Buch geschrieben über die neue, alte Welterberegion; kein bisschen angestaubt, eines, dass das Erzgebirge als Region im Austausch mit der Welt zeigt, ein Buch, an dem sich das Erzgebirge auch künftig messen kann.

Lesung

Eva-Maria und Frank Hommel stellen "Bergbau - Erde - Mensch" am 15. November um 18.30 Uhr in der "Pressetonne" der Freiberger Geschäftsstelle der "Freien Presse" vor.

Das Buch

"Bergbau - Erde - Mensch: Welterbe mit Erz und Seele", Buchprogramm der "Freien Presse", 288 Seiten kosten 27 Euro. Zu haben in allen "Freie Presse"-Shops.

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