Von der Zerstörungskraft des Zweifels

Warum geraten Menschen immer heftiger aneinander, wenn es um an sich rationale Fakten geht? Dahinter schlummern ungute Ausschlussmechanismen der Gesellschaft, für deren Risskraft uns aktuell das richtige Gegenmittel fehlt.

Mit wenigen Klicks weiterlesen

Premium


  • 1 Monat kostenlos
  • Testmonat endet automatisch
  • E-Paper schon am Vorabend
  • Unbegrenzt Artikel lesen
    (inkl. FP+)

Sie sind bereits registriert? 

2121 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    inoino
    17.01.2021

    "Fakten, Fakes und gefühlte Wahrheiten: Warum es uns so schwerfällt, rational zu sein"

    Ein guter Vortrag:

    https://www.youtube.com/watch?v=2WMILH6s3BM

  • 2
    1
    Nixnuzz
    16.01.2021

    @Haju: Bei meinem Knick in der Optik könnte ich sicherlich sehen, wie hier im Erzgebirge sicherlich mancher Wissenschaftler heutzutage in der Lage ist, mir schriftlich den Uran-Gehalt in der Gülle oder der Abbauprodukte der Landwirte (im Urin) sauber nachzuweisen und veröffentlicht vorzulegen!...;-)

  • 2
    2
    Haju
    16.01.2021

    @MuellerF
    Wehret den Anfängen! In den USA ist man schon viel weiter, aber auch hier gibt es schon viele, die mit derartigem an den Unis viel Geld verdienen. Auch Quotenregelungen sind versteckter Ausdruck solcher Ansichten, die unser @Nixnuzz sicher in Dioptrin pro Hektar ausmessen und bewerten könnte :-)

  • 2
    3
    MuellerF
    16.01.2021

    "Jetzt stellt man sich sogar allen Ernstes hin und behauptet: "Die Physik Einsteins ist eine männliche Physik" "

    Bitte was? Wer ist "man" ?
    Klar, mag sein, dass es Leute gibt, die allen ernstes obiges behaupten - aber dass das eine Ansicht wäre, die mehrheitsfähig ist oder gar allgemeine Lehrmeinung &- inhalt an Schulen & Unis, wäre mir neu.

  • 2
    1
    Nixnuzz
    16.01.2021

    Alle lieben Hrn. Einstein. Gegen wieviele "wissenschaftlich-gesicherte" Erkenntnisse hat er bis zum Tode gegenargumentiert und -gerechnet? Und wieviel wissenschaftliche Enkel konnten erst mit "neuen physikalisch-technischen" Methoden dieses wissenschaftlich akzeptiert beweisen - oft trotz fester Gegenmeinung? Wieviel MINT-Basis braucht heutzutage "Otto-Normal-Verbraucher", um Aussagen von verklausolierten Wissenschaftsmeldungen zu vertrauen? Wer hat Zugang zu Veröffentlichungen, in denen Aussagen/Erkenntnisse zur wissenschaftlichen Diskussion zwecks pro und contra zunächst bereitgestellt werden? Und was machen im selben Moment die Medien daraus? Wer durfte sich mal durch eine solche Veröffentlichung bis zur letzten Literaturstelle und deren "Wahrheits- und Logikgehalt" durchkämpfen? Sowas kann einem als Schreibtischtäter schon mal passieren..

  • 3
    1
    Jemand
    16.01.2021

    Nixnuzz: "Was richtig ist, scheint doch eher eine Frage des eigenen Standpunktes zu sein."

    Davon gehen offensichtlich auch z. B. die Flacherdler aus.

    https://rp-online.de/panorama/humbug-verschwoerungstheorien-untersucht/flat-earth-theorie-der-glaube-an-eine-flache-erde-boomt_aid-52628805

  • 1
    2
    Nixnuzz
    15.01.2021

    Was richtig ist, scheint doch eher eine Frage des eigenen Standpunktes zu sein. 2 wesentliche Einheitsgrößen teilen z.B. doch unsere Welt mehr oder weniger auf: Grad Celsius gegen Grad Fahrenheit und Zoll/Inch gegen Centimeter. Andere Einheiten sind auch noch genügend vorhanden.. Ist das dann eine Glaubensfrage oder existiert genügend Wissen als auch Wissensverständnis für den Gebrauch dieser Einheiten? Zerbröselte Raketen und Millionenteuere Sateliten haben doch bei isoliertem Denken und dann Handeln basierend auf diesen uralten Einheiten teuere Arbeit sinnlos vernichtet. Woher kamen diese Einheiten und wer brachte sie unter das Volk? Wer weiß noch mit Angström oder Klitzing umzugehen? Welches Wissen wird durch Gebrauch allgemein anerkannt oder verliert sich unter der Deckschicht dicker Bücher - bis irgendjemand dann darüber stolpert. Ansonsten: Watt ihr Volt, von Ohm bis Siemens. Von Tesla mal ganz zu schweigen. Verbrannt wurde wohl keiner...

  • 1
    3
    Haju
    15.01.2021

    @Jemand
    Tja, da haben sich wohl die Kommentare überschnitten. Allgemein sollte man ja auch nicht immer nach der größten, verpflichtend anzunehmenden, negativen Auslegung suchen, sondern es z.B. einfach mir überlassen, wann und ob ich meine 5 Kommentare mit maximal 1000 Wörtern einsetze und (in welcher Reihenfolge) ich auf die zwei Namen, die mit 100%iger Sicherheit Pawlowsche Reflexe hervorrufen, aber kaum mit genauen und richtigen Kenntnissen der Entwicklung der Astronomie verbunden sind, eingehe.
    Und bei den Verschwörungstheoretikern ist das auch nicht viel anders (mit den Auslegungen von Worten und vermuteten Absichten). Da empfehle ich doch gleich mal den Spruch vom Splitter im Auge des anderen (falls man den kennt), wodurch "Menschen immer heftiger aneinander geraten".
    Da ist uns doch noch ein schöner Erfolg zum Artikelthema gelungen!

  • 4
    1
    inoino
    15.01.2021

    @Haju, Astro-Buch 10. Klasse (Ausgabe 1971): "Ein ehemaliger Mönch, Giordano Bruno (1548-1600) nahm das neue Weltbild begeistert auf, erweiterte es durch kühne Spekulationen und machte es weiteren Kreisen bekannt. Bruno wurde von der Inquisition zum Tod auf den Scheiterhaufen verurteilt. [ ]"Galilei wurde gezwungen, knieend in einem öffentlich geleisteten Schwur zu erklären, die Lehre, dass die Sonne sich unbeweglich im Weltmittelpunkt befindet, die Erde dagegen sich außerhalb des Weltzentrums bewege, sei falsch und ketzerisch."
    Ich kann hier keine Geschichtsfälschung erkennen. Auch im Vermitteln des heliozentrischen Weltsystems (welches heute ja wohl allgemein anerkannt ist) kann ich keine atheistische DDR-Propaganda oder sowas erkennen.
    Ich finde es dagegen bedenklich wenn Kindern in einer Bildungseinrichtung wie der Schule vermittelt wird, es gäbe übernatürliche Wesen, die Menschen beeinflussen (im RU) - damit öffnet man dem Irrationalem und esoterischen Spinnern Tür und Tor.

  • 2
    0
    Jemand
    15.01.2021

    Haju, Eigenartig, dass Sie auf meine Richtigstellung, dass G. Bruno von der Inquisition zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde und die weltliche Gerichtbarkeit dies nur ausführte, nicht eingehen und statt dessen nun auf Galilei umschwenken...
    Aber wenn ich Sie richtig verstehe, sind Sie wenigstens einer Meinung mit mir, dass Kinder in der Schule auch mal was über die Entwicklung der Astronomie und deren Wegbereiter/Weltsichten erfahren sollten - na wenigsten was rausgekommen bei unseren Disput!

  • 0
    3
    Haju
    15.01.2021

    @Jemand
    Bruno dürfen Sie von mir aus auch als einen vom Glauben total abgefallenen bezeichnen und eine dazugehörige Stiftung gründen (quatsch – die gibt’s ja schon). Sie dürfen auch behaupten, daß das Urteil inoffiziell von der Kirchenführung akzeptiert und so gewollt war.
    Bruno hat sich mit atemberaubender Geschwindigkeit in der damaligen Zeit der erbitterten Machtkämpfe viele Feinde, aber auch viele Gönner (diese wurden oft kurze Zeit später auch erbitterte Feinde) in ganz Europa gemacht. Er war Jahrzehnte lang nur auf der Flucht und ist dabei zweimal konvertiert und wieder exkommuniziert worden. Nach 7 Jahren Ungewißheit über die Ergebnisse der so lange dauernden Ermittlungen der Inquisition gab es wohl ein allgemeines, kontinentales Aufatmen in den entsprechenden Kreisen.
    Ja, da können die Kinder wirklich kreativ denken und etwas fürs Leben lernen, als immer nur stumpfsinnig den Abfall vom Glauben gegen den Willen der Eltern indoktriniert zu bekommen (hart umkämpfter Wunsch).

  • 1
    3
    Haju
    15.01.2021

    @Jemand, @inoino
    Wollen Sie eigentlich eine 6 aufs allgemeine Textverständnis oder doch lieber eine 1 in links-inquisitorischer Fragetechnik mit Selbstbeantwortung?
    Es geht um Geschichtsfälschung und Vereinnahmung und da liest sich die Darstellung von Galilei im DDR-Lehrbuch noch viel schlimmer. Aber ich habe ja auf wiki verwiesen. Soll ich vielleicht auch noch jedesmal anführen: das dort Veröffentlichte sollte jeder erfahren?! Na gut: Das folgende (u.a) sollten alle Kinder erfahren:
    "Die Tragik von Galileis Wirken liegt darin, dass er als ein zeitlebens tiefgläubiges Mitglied der Kirche den Versuch unternahm, ebendiese Kirche vor einem verhängnisvollen Irrtum zu bewahren. Seine Intention war es nicht, die Kirche zu widerlegen oder zu spalten, vielmehr war ihm an einer Reform der Weltsicht der Kirche gelegen."
    Liebe Kinder! Ordnet das Gelesene in die damalige Geschichte ein (Reformation, Entdeckung und Aufteilung der Neuen Welt bis hin zum 30jährigen Krieg 1618-1648)!

  • 6
    0
    makema3
    15.01.2021

    ..."App und App und App und fertig ist der Depp" sagte ein Kabarettist.
    Recht hat er Halbwissen ist aktuell gefragt. Damit kann man die Gesellschaft viel besser spalten.

  • 5
    0
    Jemand
    15.01.2021

    Haja, G. Bruno wurde durch die Inquisition - also ein katholisches Prozessverfahren - der Ketzerei und Magie für schuldig befunden und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt (auch wenn die Ausführung die weltliche Gerichtsbarkeit übernahm).

    Aber egal.
    Finden Sie es wirklich bedenklich, wenn Kinder auch mal was über die Entwicklung der Astronomie und deren Wegbereiter erfahren?

  • 5
    2
    cn3boj00
    14.01.2021

    Der Kanon von anerkanntem Allgemeinwissen hat etwas geformt, das heute verloren geht: den gesunden Menschenverstand. Leider kommt man nicht umhin, dafür die Vernetzung des Wissens und der Meinungen und ihre chaotische Vermischung vor allem durch soziale Medien verantwortlich zu machen, die das Selberdenken abnimmt. Natürlich könnte die Schule ein Fundament legen, den gesunden Menschenverstand zu stärken, aber dazu wäre eine grundlegende Reform nötig, die den Unterricht nicht auf die Anhäufung von Wissen, sondern auf die logische Erkenntnisgewinnung ausrichten müsste.

  • 2
    4
    Haju
    14.01.2021

    Geschichtsfälschung:
    “Nachdem die katholische Kirche im Jahre 1600 den ehemaligen (geflohenen*) Mönch GIORDANO BRUNO wegen seiner Lehre von der Vielfalt der Welten als Ketzer zum Feuertod verurteilt hatte,..“ (Astronomie 10.Klasse, Volk und Wissen Berlin, 1969)
    “nach den Calvinisten in Genf exkommunizierten ihn jetzt die Lutheraner (in Helmstedt*) …
    Giordano Bruno wurde wegen Ketzerei und Magie aus dem Orden der Dominikaner und aus der Kirche ausgestoßen (vgl. oben*) und dem weltlichen Gericht des Gouverneurs in Rom überstellt, mit der herkömmlichen Bitte, dieser möge die Strenge des Gesetzes mildern und keine Strafen gegen Leib oder Leben verhängen…Von dem weltlichen Gericht des römischen Gouverneurs wurde Bruno anschließend zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.“ (wiki)
    Der weltliche Adel fürchtete einen lebenden Bruno, da viele ihn um Anleitung in verbotener schwarzer Magie ersucht hatten, die außerdem dann leider wertlos war.
    * Anmerkung in Klammer von mir

  • 8
    1
    inoino
    14.01.2021

    @Haju, was ist falsch dran, Schüler mit dem Weltbild von Bruno und Galilei vertraut zu machen? Haben Sie Angst, dass da vom Elternhaus vermittelter Glaube oder esoterisch verbrämte Weltsichten ins Wanken kommen könnten? Diese Angst wäre natürlich berechtigt.

  • 1
    8
    Haju
    14.01.2021

    @Jemand
    Ich schrieb zwar "Fächer" meinte aber im Sinne des Artikels Fachgebiete, also nicht nur den Schulunterricht. Aber gut: zu DDR-Zeiten gab es dann noch das Schulfach von der einzig wissenschaftlichen Weltanschauung, die sich im Besitz der Arbeiterklasse befindet: den Marxismus/ Leninismus. Astronomieunterricht findet heute im Rahmen der Physik in der 9.Klasse statt, war aber in der DDR wegen des atheistischen Weltbildes (Bruno, Galilei) und der sowjetischen Raumfahrt aus Überlegenheitsgründen besonders wichtig. Geschichtsfälschung fand aber gerade deshalb besonders in diesem DDR-Unterrichtsfach statt.
    Früher hatten zum Glück Ideologien vom Sturz des Schneiders von Ulm in den Fluß ("Der Mensch wird nie fliegen!") und des tödlichen Absturzes Otto Lilienthals keine nennenswerten Auswirkungen auf die Fliegerei. Heutige ideologische Einflüsse auf MINT - beginnend z.B. mit der "Strahlungsgefahr, die von Chip-Fabriken ausgeht" - sind demgegenüber hochgefährlich.

  • 11
    2
    Jemand
    14.01.2021

    Haju, zu MINT-Fächer: In der DDR gab es sogar das Fach Astronomie in der 10.Klasse - war Punkto Allgemeinwissen sehr förderlich. Heute haben wir statt dessen Glaubenskunde (RU) in der Schule - kein sinnvoller Ausgleich um "rationale Fakten" zu vermitteln.

  • 6
    2
    paral
    14.01.2021

    Kanon von Allgemeinwissen...wieso ist das kein tragfähiges Modell mehr? Im Gegenteil, das ist die unabdingbare Basis, auf der spezielles Wissen und Debattenfähigkeit aufgebaut werden kann. Die Welt ist heute komplexer, woran könnte man das festmachen? Etwa daran, daß man z.B. hört und sieht, was es in fernen Erdteilen für Katastrophen gibt? Die neuen Querverbindungen in der Gesellschaft, was sind diese? Etwa die (a)sozialen Medien, wo sich mancher sinn- und wahrheitsfrei präsentiert und andere Meinungen im Ansatz schon mit der großen Moralkeule niedermacht? Ein Fakt ist zum Beispiel die Schwerkraft, oder mathematische Gesetze, oder geographische Gegebenheiten, oder Aggregatzustände, alles Andere, was den Kreis der Naturwissenschaft verläßt, ist mehr oder weniger Ansichtssache oder Auslegung nach persönlicher Haltung und Einstellung. Man kann es zurückführen auf: "Wem nützt es"? und"Geld regiert die Welt." Das gelingt sicher auch nicht immer, denn keiner ist abgeklärt und weise.

  • 11
    7
    Haju
    14.01.2021

    "Kanon von anerkanntem Allgemeinwissen"//
    Genau dieser wurde systematisch zerschlagen. Bis vor 30 Jahren war das zwar genauso, aber mit dem Unterschied, daß die MINT-Fächer unberührt blieben. Jetzt stellt man sich sogar allen Ernstes hin und behauptet: "Die Physik Einsteins ist eine männliche Physik" - so ähnlich gab es das schon mal vor 85 Jahren.
    Man kann übrigens, wie ich schon mal vorschlug, noch mehr gegen die AfD argumentieren: einfach mal die örtliche Verteilung der ca. 1600 offiziellen Grippetoten von 2017/ 18 ermitteln und eventuell noch die Übersterblichkeit von 25Tausend Toten dazu mit Zeitachse auftragen. Damals gab es zwar auch schon die AfD, aber keinerlei Parteipolitik dazu. Ja und wenn dann Sachsen nicht heraussticht, haben wir tatsächlich ein wertvolles Indiz für einen Zusammenhang zwischen Corona-Pandemie und AfD - abweichend von der anderen Lungen-Viruskrankheit Grippe. Kann natürlich auch sein, daß z.B. Meeresluft auch bei der Grippe günstiger war - blöde Fakten!