Von Machtkämpfen und Sängerleben

Das Programm der diesjährigen Silbermann-Tage steht. Es ist für die Organisatoren auch ein Bekenntnis zur Region.

Dresden.

Die Zahl mutet auf den ersten Blick nicht gerade groß an, aber Albrecht Koch weiß, welcher Aufwand dahinter steckt: 7000 Zuschauer begeisterten sich vor zwei Jahren für die Silbermann-Tage, dem Orgelmusikfestival, das sich in Sachsen - und besonders in der Freiberger Region - ein Publikum erspielt hat. Auch in diesem Jahr will Koch, Freiberger Domkantor und künstlerischer Leiter des Festivals, eine ähnlich große Zuschauerzahl begeistern. Das ist durchaus mit einem gewissen Spagat verbunden. Einem Spagat zwischen "Kunst auf internationalem Niveau", wie Koch sagt, und einer Verbundenheit mit der Region.

Unter anderem in Cämmerswalde, Langhennersdorf und Herzogswalde gastiert das Festival vom 4. bis 15. September. "Wir wollen damit auch die Region abseits der Großstädte hochhalten", sagt Koch. "Wir wollen zeigen, da sind Menschen, die gerne Kultur erleben wollen." Aber natürlich muss man deswegen Abstriche machen. Die erzgebirgischen Dorfkirchen, in denen die Konzerte und Veranstaltungen stattfinden, sind nicht übermäßig groß. Viele Zuschauer fassen sie nicht. Die insgesamt avisierten 7000 Zuschauer sind da eine große Zuhörerschaft.

Die Künstler, das wird beim Blick in das Programm deutlich, lassen sich davon aber nicht abschrecken: Schauspieler Ulrich Noethen wird gemeinsam mit dem Tanztheater Derevo und Koch selbst nach Marienberg kommen. Sie bringen Petr Ebens Zyklus "Hiob" in einer Mischung aus Tanz, Musik und Vortrag zur Aufführung. "Der Machtkampf zwischen Gott und Teufel" soll dabei erlebbar werden. Der italienische Organist und Cembalist Lorenzo Ghielmi wird mit seinem Ensemble La Divina Armonia "Das musikalische Opfer" von Johann Sebastian Bach im Schloss Bieberstein spielen. Entgegen vielen anderen Programmpunkten des Festivals wird dabei aber keine Orgel des legendären Instrumentenbauers Gottfried Silbermann (1683-1753) im Mittelpunkt stehen, sondern ein Hammerflügel, den er geschaffen hat, wie Koch sagt: "Silbermann hat über 200 andere Tasteninstrumente in Freiberg gebaut. Er hat maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass die Hammerklaviertechnik von Italien Einzug in Mitteleuropa fand."

Auf ein "Sängerleben" blickt Peter Schreier bei einem Konzert in Reinhardtsgrimma zurück. Der 83 Jahre alte Opernsänger, der in Dresden aufwuchs, war zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Tenöre der Welt, er hatte Engagements an der Mailänder Scala und der New Yorker Met. Schreier sei ein "großartiger Sänger", sagt Koch, gleichzeitig "ein Mensch, der eine Karriere im Spannungsfeld einer autoritären Staatsmacht erlebt hat". Er erwarte sich spannende Einblicke. Umrahmt wird das Gespräch von Gewandhaus-Organist Michael Schönheit und Tenor Patrick Grahl.

Generell haben sich die diesjährigen Silbermann-Tage dem Motto "Musik und Macht" verschrieben. Beim Eröffnungskonzert in Freiberg wird beispielsweise höfische Musik erklingen. Ein Abend in der Dresdner Kathedrale widmet sich "verfemten Komponisten". Den Facetten von Musik als Unterhaltung der Mächtigen und als Repräsentationsmittel wolle man nachspüren, versprechen die Organisatoren.

Der Vorverkauf für die Silbermanntage hat begonnen. Karten gibt es auf der Internetseite www.silbermann.org

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