Von Schnecken und Schnepfen

Zugegeben: Patricia Highsmith war schon wirklich etwas sonderlich. Über ihre zahlreichen Liebhaberinnen führte die Schriftstellerin säuberlich ihre Listen, und ungewollten Besuchern servierte sie schon mal das für die Katzen vorgesehene Fressen. Ihren Bungalow im Tessin, in dem sie in ihren späten Jahren am liebsten allein war, weil das der Fantasie viel förderlicher sei als Gesellschaft, nannte eine ihrer Freundinnen einmal "Hitlers Bunker". So auf jeden Fall überliefert es der Mythos.

Die Lieblingstiere von Patricia Highsmith (1921 bis 1995) waren Schnecken. Sie züchtete sie und führte sie in der Handtasche spazieren. Bei einer langweiligen Cocktailparty in London soll sie einmal mit ihnen gespielt haben. Den Weichtieren widmete sie auch eine Geschichte. "Der Schneckenforscher" (1948) ist eine von 16 frühen Stories, die der jetzt herausgebrachte Band "Ladies" versammelt. Fünf von ihnen sind darin erstmals auf Deutsch erschienen.

Und das hat seinen Grund. Bevor die Amerikanerin mit ihrem von Alfred Hitchcock verfilmten Roman "Strangers On A Train" (1950) den Durchbruch schaffte und ihren Stil in ihren "Mister Ripley"-Büchern (1955 bis 1991) verfeinerte, veröffentlichte sie Kurzgeschichten in Frauenzeitschriften wie "Harper's Bazaar" oder "Women's Home Companion". Nicht jede dieser Texte kann als gelungen gelten. Mancher ist anzumerken, dass die junge Schriftstellerin sich noch ausprobiert.

Eine der besseren Stories ist "Miss Juste und die grünen Turnanzüge" (1941), in der das aufgesetzte Lächeln einer autoritären Sportlehrerin in dem Moment erlischt, in dem die Herren von der Schulkommission die Tanzvorführung ihrer Klasse verlassen. Hier ist das psychologische Feingefühl zu spüren, das Patricia Highsmiths spätere Romane ausmacht. Ihre frühen Stories sind ein kleiner, aber wichtiger Mosaikstein.welf

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