Was Berlin für Pet-Shop-Boys-Sänger Neil Tennant zum Hotspot macht

Der Sänger spricht über Hipster, Hochzeiten und das am Freitag erscheinende neue Album des legendären Pop-Duos.

London/Berlin.

Ihr erster Hit "West End Girls" handelte von London. Rund 35 Jahre später feiern die Pet Shop Boys nun die deutsche Hauptstadt als "Hotspot": Unter diesem Titel erscheint am Freitag das neue Album der Band. Werner Herpell hat mit Sänger Neil Tennant gesprochen.

Freie Presse: Ihr neues Album wurde in den Berliner Hansa Studios produziert. Haben Sie da noch ein paar gute alte David-Bowie-Vibes verspürt?

Neil Tennant: Wir haben natürlich viel über David gesprochen. Im Ernst, wir saßen im selben Raum, in dem Bowie damals mit Eno war. Es war aufregend, dort zu arbeiten. Das Studio hatte großen Einfluss auf den Sound von "Hotspot".

In einigen neuen Songs erwähnen Sie konkret "Mitte" und "Warschauer Straße", ein Video wurde am Alexanderplatz gefilmt. Wie hat sich Ihre Verbindung zu Berlin entwickelt?

Vor zehn Jahren haben wir ein Apartment in Berlin gekauft. Und wir haben da Songs geschrieben. Wir mögen Berlin sehr, das ist ein sehr produktiver Ort für uns. Das Leben hat weniger Geschwindigkeit als in London. Und es ist sehr grün: In 20 Taxi-Minuten sind wir von unserem Apartment aus an einem See. Und wir lieben die Musikszene, die vielen kleinen Clubs an der Warschauer Straße... Die Platte ist wie ein Liebesbrief an die Stadt.

Und was mögen Sie nicht so?

Was die etwas ruppigen Berliner betrifft: Ich komme aus Newcastle, da bin ich an sowas gewöhnt. Was ich nicht mag, sind diese Hipster. Die denken, sie seien cool, nur weil sie in Berlin leben und einen Bart tragen.

"Hotspot" hat wieder ihren typischen Sound, diese Mischung aus Melancholie und Euphorie. Ist das auch ein Rückblick?

Nein, eigentlich nicht. Vielleicht nur insofern, als wir alte, analoge Keyboards benutzt haben. Aber wir schreiben keine Retro-Songs. "Monkey Business" hat wohl etwas davon, mit seinem 70er-Jahre-Style. Es gibt auch 80er-Einflüsse, etwa in "Only The Dark". Das Stück klingt vielleicht nach einem romantischen Film der Zeit. Aber insgesamt versuchen wir, nicht retro zu sein.

Was hat es mit diesem schrägen Schlussstück "Wedding In Berlin" auf sich, in dem sie den Hochzeitsmarsch von Mendelssohn Bartholdy zitieren?

Ein Freund von uns, der Künstler Thilo Heinzmann, hat in Berlin geheiratet. Wir konnten da nicht hin, weil wir gerade auf Tournee waren. Stattdessen haben wir für Thilo und seine Frau ein Stück geschrieben, es wurde nur ein einziges Mal gepresst, wir gaben es den beiden. Sie haben es auf der Hochzeitsparty gespielt. Dann hörte Stuart den Song und sagte, wir sollten ihn nutzen. Das war überhaupt nicht geplant. Jetzt passt er richtig gut ans Ende des Albums. Als Mixtur von Mendelssohn Bartholdys Hochzeitsmarsch und den Techno-Sounds aus dem Berliner Berghain - also zwei gute deutsche Traditionen in einem Lied (lacht).

Voriges Jahr haben Sie die politische EP "Agenda" herausgebracht. Haben Sie sich vom Thema seitdem wieder abgewandt?

Nein. Wir haben die Stücke von "Agenda" ja praktisch zeitgleich mit den meisten von "Hotspot" geschrieben, uns dann aber entschlossen, zunächst eine eigenständige EP herauszubringen, als starkes politisches Statement mit satirischen Elementen. Es geht da um den Brexit, Trump und all diese Dinge, um Social Media und am Ende um die Flüchtlinge. Wir wollten "Hotspot" danach wirklich als unsere Berlin-Platte sehen.

Ihre Band hat den Popsound der 80er und 90er geprägt. Wo sehen Sie sie im Zeitalter von Spotify?

Die Pet Shop Boys machen ihr eigenes Ding. Wir sehen uns als Teil der elektronischen Musik- und der europäischen Popszene. Über unseren Status machen wir uns da nicht so viele Gedanken, wir finden noch ein Publikum. Was junge Künstler betrifft: Ich mag The Weeknd, der wohl von uns beeinflusst ist. Auch bei Lana Del Rey oder Taylor Swift hört man das. (dpa)

"Monkey Business" vom neuen Album der Pet Shop Boys

 

 

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