Wechselburger Basilika gehört jetzt zum Weltkulturerbe auf Katholisch

Die ehemalige Stiftskirche in Wechselburg ist von Papst Franziskus als erste in Ostdeutschland außerhalb Berlins zur "Basilica minor" erhoben worden. Was bedeutet das?

Wechselburg.

Seit dem 18. Jahrhundert wird der Ehrentitel "Basilica minor" von den Päpsten an besondere Kirchen verliehen. Als erste in den neuen Ländern jenseits Berlins erhält ihn nun die frühere Wechselburger Stifts- und heutige Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche "Heilig Kreuz". Längst wird sie im Volksmund "Basilika" genannt, trägt bald aber jenen Zusatz, der auf mehr als den Bautypus hinweist und wörtlich "kleinere" bedeutet. Pater Maurus Kraß vom benachbarten Benediktinerkloster, das die Kirche seit 25 Jahren mitnutzt, und der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, haben die Ehrung unlängst in Wechselburg (Kreis Mittelsachsen) bekanntgegeben.

Was aber bedeutet sie? Und wie kommt die Kirche dazu? Seit der römischen Antike wurden bestimmte weltliche Gebäude, später Kirchen aufgrund ihrer Bauart "Basilika" genannt. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bezeichnete in Athen einst "Königshallen". Das vor 850 Jahren erstmals erwähnte spätromanische Wechselburger Gotteshaus zählt zu jenen Kirchen, deren Gestalt frühe Christen im vierten Jahrhundert den bis dato als Handels-, Geldgeschäfts- oder Gerichtshäuser genutzten römischen Vorläufern entlehnten.

Die Innenräume verfügten meist über zwei oder drei Schiffe mit umlaufenden Säulen- oder Pfeilerreihen, abgeschlossen durch eine flache oder in der Kaiserzeit oft gewölbte Decke. Wenn am 12. November der Botschafter des Papstes in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, nach Mittelsachsen kommt, würdigt er nicht nur einen bedeutenden Kirchenbau durch die Erhebung zur "Basilica minor", die die Benediktiner mit Zustimmung des Bischofs beantragten.

"Wir hatten drei weitere Gedanken dabei", sagt Pater Maurus als Prior des Klosters, der mit Abt Barnabas Bögle aus Ettal in Bayern den Antrag formulierte: Die Katholiken zu würdigen, die in der DDR unter vielen Entbehrungen diesen "durchbeteten Ort" erhalten haben. "Das hätte auch ein Museum werden können", sagt er. Außerdem gehe es darum, damit den Dienst derer anzuerkennen, die heute in der Pfarrei mittun, um das Gotteshaus zu erhalten, zu schmücken. Schließlich, so der Prior, soll auch an die gedacht und denen gedankt werden, die in Wechselburg Seelsorge geleistet haben und leisten.

"Unabhängig davon ist der Titel Einladung an die Öffentlichkeit herzukommen", ergänzt er. Der Prior war es auch, der den zwölfseitigen, in Latein abgefassten Fragebogen ("Questionarius") von der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ausfüllte. "Das ist ein Antragsverfahren für eine Art Unesco-Weltkulturerbe auf Katholisch", sagt er.

Gefordert waren detaillierte Angaben zu Baugeschichte und Ausstattung der Kirche, zu den Gottesdiensten, die täglich stattfinden müssen, und zu regelmäßigem Stundengebet. Außerdem habe er für 2017 lückenlos Wallfahrten aufgelistet. Eine umfangreiche Fotodokumentation von Kirche, Altar und Lettner sei angefertigt worden. Letzterer ist eine Trennwand, die bei liturgischen Handlungen das Priester- oder Mönchskollegium von den Laien separiert. Zudem musste der Bischof schriftlich Stellung nehmen.

Pater Maurus hatte Heinrich Timmerevers schon bei dessen Antrittsbesuch in Wechselburg 2016 mit Blick auf das in diesem Jahr gefeierte Kirchweihjubiläum angesprochen und einen Antrag ins Gespräch gebracht, den die Gottesdienstkongregation schließlich positiv beschied. "Durch den Titel soll die Bedeutung des Gotteshauses für das Umland hervorgehoben und die Verbindung mit der Kirche von Rom und dem Heiligen Vater gestärkt werden", erklärt Timmerevers.

Der Liturgiewissenschaftler Heinzgerd Brakmann weist zudem darauf hin, dass in einer "Basilica minor" jene kirchlichen Feste feierlich zu begehen seien, die in Beziehung zum Apostel Petrus und dem Papstamt stehen; Predigt- und Beichtdienst solle besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, dazu der religiösen Bildungsarbeit. Dafür seien, so Brakmann im "Lexikon für Theologie und Kirche", "die römischen Verlautbarungen zu studieren und zu verbreiten". Als äußeres Zeichen des neuen Prädikats ziert bald das Wappen des Papstes den Gebäudeeingang.

Von den weltweit etwa 1770 derart geehrten Kirchen befinden sich 77 in Deutschland, darunter die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen in Oberfranken, die 1897 die erste so in Deutschland gewürdigte war. Dass es bislang nicht mehr davon in den neuen Ländern gibt, hat laut Pater Maurus mit der Reformation zu tun. Zahlreiche herausragende Kirchen wie die Dome in Meißen, Naumburg, Halberstadt sind seinerzeit evangelisch geworden. Von den "kleinen" päpstlichen Basiliken, die zudem nicht dem historischen Bautypus entsprechen müssen, werden die "Basilicae maiores" unterschieden, jene wenigen Kirchen, die schon vor dem 18. Jahrhundert als "päpstliche Basiliken" bezeichnet wurden. Sie stehen sämtlich in Rom und Assisi.

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