Wenn Anne nur noch kotzen möchte

Ralf Husmann zeichnete zuletzt für schlechte MDR- Tatorte verantwortlich. Nun hat sich der Drehbuchautor die Comedy "Merz gegen Merz" ausgedacht. Wieder ein Flop?

Chemnitz.

Der hierzulande nicht mehr ganz so beliebte Fußballstar Mesut Özil hat kürzlich die ehemalige Miss Türkei, Amine Gülse, geheiratet. Richtig fett: Mit 300 Gästen im Istanbuler Luxushotel, und der türkische Präsident Erdogan trat als Trauzeuge für das junge Paar auf. Aber das Gegenteil passiert leider auch immer wieder. Das Model Gina Lisa Lohfink hat sich gerade von ihrem Freund getrennt. Und die Nation stand Kopf, als das Traumpaar Fischer/Silbereisen offiziell bekanntgab, dass es nur noch in Freundschaft miteinander verbunden sei. Ja, es wird sich in diesem Land heftig verliebt, aber auch entliebt. 2017 wurden in Deutschland durch richterlichen Beschluss 153.500 Ehen geschieden, weiß die Statistik. Im selben Zeitraum fielen in der Bundesrepublik 731 Menschen einem Mord oder Totschlag zum Opfer. Da darf man sich schon wundern, dass es im Fernsehen deutlich mehr Krimis, aber vergleichsweise nur sehr wenig Scheidungsfilme gibt.

Dieses Missverhältnis ein wenig zu mildern, hat sich Drehbuchautor Ralf Husmann mit seiner jüngsten Produktion "Merz gegen Merz" zur Aufgabe gemacht. Die aus seiner Feder stammenden Dresdner Tatort-Krimis floppten gehörig und vertrieben sogar die hochgelobte Schauspielerin Alwara Höfels dauerhaft vom Set. Husmann schreibt nun nicht mehr für den MDR-Tatort und macht jetzt wieder auf Humor wie einst bei "Stromberg", wobei die Idee dazu ja von den Briten geklaut wurde. Ausgerechnet das Thema "Trennung" aufzugreifen, kann durchaus als mutig gelten. Die US-Serie "Divorce" mit "Sex and the City"-Star Sarah Jessica Parker in der Hauptrolle kam bei der Kritik nicht gut weg. Zudem ist der Anspruch an zeitgenössische Comedy mit Serien wie "Modern Familiy", "Masters of None", "Pastewka" oder "The Marvelous Mrs. Maisel" deutlich gestiegen. Hinzu kommt, dass der Filmfan, das eher schwierige Thema "Trennung und Auseinanderleben" möglicherweise doch lieber im Genre Drama verortet sehen will und sogleich an die immer noch überragenden 70er-Jahre-Klassiker "Szenen einer Ehe" von Ingmar Bergman, "Geschlossene Gesellschaft" von Frank Beyer oder "Kramer gegen Kramer" von Robert Benton denkt.

Aber warum nicht auch lachen über Scheidung und Scheidungskrieg. Anders als der Titel vermuten lässt, versuchen Anne und Erik in "Merz gegen Merz" zunächst ihre Ehe zu retten und besuchen in acht Folgen wöchentlich die Paartherapie von Frau Dr. Heller, welche ihr Möglichstes versucht - bei einem Paar, bei dem das erotische Knistern nur noch eine vage Erinnerung ist und der Alltag durch organisatorische Fragen durch die gemeinsame Arbeit in der Firma von Annes Vater Ludwig bestimmt wird. In Folge 7 scheint allerdings der Vorrat an positiven Gefühlen füreinander endgültig aufgebraucht. "Ich könnte mittlerweile kotzen, wenn ich ihn nur sehe. Außerdem gehört die Firma praktisch mir, und ich gehe garantiert nicht jeden Tag da hin, um zu kotzen. Und deswegen muss er weg, aus der Firma, aus meinem Leben!", sagt Anne in Anwesenheit des Noch-Ehemannes zur Paartherapeutin. Da scheint das Ende der Ehe nur folgerichtig.

"Merz gegen Merz" ist deutsch, Husmann lässt die Akteure tief in der schwäbischen Provinz agieren. Doch die Serie ist gewissermaßen auch amerikanisch, da sie trotz aller Komik durchaus ernstere und sogar anrührende Töne anschlägt und auf allzu offensichtlichen Schenkelklopfer-Humor verzichtet. Zudem wird den Nebenfiguren wie den Eltern von Erik und Anne sowie ihrem pubertierenden Sohn und dessen Freundin genug Raum gelassen. Was die Produktion aber vor allem absolut sehenswert macht, ist das Spiel von Christoph Maria Herbst als Erik, jedoch besonders von Annette Frier.

Die Statistik besagt, dass 98 Prozent die Serie für gut befunden haben. Folgerichtig also, dass eine zweite Staffel schon feststeht. Die erste ist in der ZDF-Mediathek zu finden.

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