Wie die Ärzte den Park rocken

Das Comeback der besten Band der Welt begeistert das Nürnberger Publikum

Nürnberg.

Sie sind immer noch laut, energiegeladen und haben den Humor nicht verloren. Und das nach fast 40 Jahren im Musikgeschäft. Am Freitagabend war es soweit: Die Ärzte waren wieder da! Schon vor gut einem Jahr wurde der große Comeback-Auftritt der Berliner bei Rock im Park angekündigt. Kein Wunder also, dass das Zeppelinfeld in Nürnberg ordentlich voll war, als sie als Headliner des Festivals auf dem Programm standen.

Das Konzert begann so unvorhersehbar, wie die Ärzte es selbst sind. Statt lautem Knall, auf den Boden fallendem Vorhang und einem ihrer Hits gab es eine Coverversion von "Take me Home, Country Roads" von John Denver. Der Vorhang fiel erst, als sich die ruhige Gitarrenmusik in den Ärzte-Hit "Unrockbar" verwandelte. Spätestens dann war klar, die nächsten zwei Stunden werden beste Unterhaltung sein.

Das Bild, das die drei Männer Mitte 50 auf der Bühne abgeben, dürfte Fans nicht neu gewesen sein. Mit Alt-Herren-Witzen und Selbstironie manifestieren sie einmal mehr: Sie sind die beste Band der Welt, so, wie sie es immer behaupten. Und bei all der Verballhornung des eigenen Schaffens darf auf der Bühne auch mal was schief gehen. Vielleicht war es auch die Aufregung, nach langer Zeit wieder vor so einem großen Publikum zu stehen, weshalb "Schrei nach Liebe" nicht beim ersten Anlauf gelingen wollte, Bela B verpasste schlicht seinen Einsatz.

Es dauerte ein wenig, bis die Aufregung abgeklungen war und sie in ihre gescheiten und witzigen Ansagen fanden, nicht zuletzt bei ihrer traditionellen Improvisation in "Zu spät". Wie gewohnt lieferten sich Farin Urlaub und Bela B einen verbalen Schlagabtausch. Oberstes Ziel: Den anderen möglichst alt aussehen lassen. Und damit auch das Publikum die Band belustigen konnte, instruierte Farin Urlaub die Zuschauer zu einer Klatsch-und-Dreh-Choreografie, die zum Refrain zum Besten gegeben werden sollte. Bei all den Hits, die vom Publikum mitgesungen wurden, dauerte es, bis die Ärzte auch einen neuen Song spielten: "Abschied", der vor einigen Wochen erschien. Und der manche Fans rätseln ließ, ob er auf ein Karriereende der Ärzte hinweisen soll. Doch dem scheint nicht so, zumindest verloren die Ärzte beim Konzert dazu kein Wort. Der neue Song musste sich auch nicht hinter den bekannten Stücken verstecken. Er funktionierte live ebenso wie "Westerland" oder "Manchmal haben Frauen". Das Konzert der Alt-Herren-Punk-Band bot damit alles, was sich viele Fans erhofft hatten: gute Unterhaltung, gute Musik und eine gute Zeit. Am Ende war nochmals das Publikum gefragt: Farin Urlaub verlangte eine Laola-Welle, geformt aus den Handy-Taschenlampen der Zuschauer. Zur großen Begeisterung: Es funktionierte tatsächlich.

Zu minutenlangem Applaus verabschiedeten sich die Ärzte vom Publikum, um einen Tag später die Fans bei Rock am Ring zu begeistern. Doch auch andere Bands konnten an den drei Festival-Tagen überzeugen. Garanten wie Slayer, Tool oder Slipknot, aber auch weniger rockige Acts wie Casper und Marteria oder Raf Camora begeisterten. Da konnte auch die Sonne nur strahlen.

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