Wie ein Comic Kindern die Liebe erklärt

"Paula - Liebesbriefe des Schreckens" ist eine tolle Nach-Ferien-Geschichte

Chemnitz.

In Zeiten, in denen man bei Tinder potenzielle Partner in eine bestimmte Richtung wischt und sich Beziehungen in Whats-App-Chats anbahnen oder auch nicht, wirkt der Liebesbrief fast schon wie ein Anachronismus. Einen Liebesbrief schreiben, das machen doch sonst nur die Figuren in Jane Austens Romanen oder dauermelancholische Poeten - und Paula.

Paula und ihre Familie machen gerade Ferien auf dem Camping-Platz, am See in den Bergen, wie jedes Jahr. Nur dieses Jahr ist etwas anders: Das könnte an Toni liegen, dem Neuen, mit dem Paula plötzlich mehr Zeit verbringt als mit ihrer Campingplatz-Freundin Suse. Ihre nervige große Schwester diagnostiziert daraufhin, was Paula ganz und gar nicht wahrhaben will: Akute Verliebtheit.

Also tut Paula das, was auch die Protagonisten in den Foto-Lovestorys ihrer großen Schwester tun: Sie greift zur Geheimtinte und schreibt einen Liebesbrief. Allerdings stellt sie sich die Frage, die sich vermutlich jeder schon mal dabei gestellt hat: "Was schreibt man da bloß?" Weil ihr die richtigen Worte fehlen, landet der absender- und adresslose Brief zunächst im Müll - und später in den Händen der anderen Kinder, die glauben, der Brief sei für Paulas Freundin Suse bestimmt und darüber hinaus furchtbar schleimig. Für die peinlich berührte Paula gibt es nur eine Lösung: Mittels eines waghalsigen Ablenkungsmanövers übernimmt sie die Rolle der Doppelagentin und versucht mit Toni, der später ohnehin mal Detektiv werden will, den romantischen Übeltäter ausfindig zu machen. Paula und Toni harmonieren als Gespann perfekt: Sie sammeln Schriftproben, verdächtige Flirt-Avancen und haben auch noch den gleichen Eisgeschmack. Doch bald kommt es zu ersten Reibereien und zu den obligatorischen Missverständnissen: Paula hält den Brief zu streng unter Verschluss, und hat Toni darüber hinaus zum Assistenten degradiert. Der wiederum glaubt später, Paula sei in Suse verliebt. Am Ende muss Paula sich ein Herz fassen - und sich stellen. Doch Liebesbriefe sind nichts, wofür man sich schämen müsste, Gefühle erst recht nicht.

"Paula - Liebesbrief des Schreckens", heißt der Comic der österreichischen Zeichnerin Sandra Brandstätter, und erzählt mit einem großen Augenzwinkern von den Irrungen und Wirrungen der ersten Liebe. Gleichzeitig ist er auch Detektivgeschichte - und eine über Freundschaft, Sommer, und schönste Ferien-Erlebnisse. Gezeichnet mit liebevollem Stift und mit feiner Ironie erzählt, karikiert die Geschichte humorvoll das (Dauer-)Camper- leben. Erfrischend ist auch, wie die Autorin mit Rollenklischees bricht: Brandstätters Comicbuch lässt auf angenehm natürliche Art die Grenzen zwischen typisch Jungs und typisch Mädchen verschwimmen. Und dass auch Mädchen Mädchen Liebesbriefe schreiben können, ist in der eingeschworenen Wohnwagen-Enklave bereits eine Selbstverständlichkeit. Warum auch nicht?

Das Buch Sandra Brandstätter: "Paula - Liebesbriefe des Schreckens", Reprodukt-Verlag, 120 Farbseiten im Hardcover kosten 18 Euro.

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