Wie man unbeugsame Gallier verbiegt

Da hilft kein Zaubertrank: "Asterix erobert Rom" ist eine Comic-Enttäuschung

Paris.

Es gibt im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die dankenswerte grafische Kolumne "Früher war alles schlechter", in der mit schöner Regelmäßigkeit dem bekannten Gejammer unter umgekehrtem Vorzeichen Fakten entgegengehalten werden: Die Qualität von Trinkwasser, die Häufigkeit von Terroranschlägen, sogar die Waffengewalt in den USA war, bei Lichte betrachtet, früher schlimmer. Man kann die Comic-Branche dem positiven Trend getrost hinzufügen: Druckqualität, Auswahl, Geschichtenumfang, Fantasiereichtum - wer das Genre mag, ist aktuell Vollbedienung gewöhnt. Deswegen mag man nicht nach einem besseren Früher jammern und nur ungern in die Nerd-Debatte einsteigen, ab wann man Asterix, die meisterlich-kultige Franzosenreihe, eigentlich nicht mehr lesen kann. Ja, seit Texter René Goscinny 1977 starb, ging es bergab. Ja, "Asterix in Gefahr" 2005 war mit Aliens, Schwarzenegger-Klonen und Manga-Bashing ziemlich daneben. Ja, die beiden Neustart-Bände "Asterix bei den Pikten" (2013) und "Der Papysrus des Cäsar" (2015) waren mit neuem Autorenteam auch kein ganz großer Wurf. Am Ende steht aber all das trotzdem im Regal - auch 48 Jahre nach "Asterix der Gallier" ist die Reihe zu wichtig, zu wegweisend, zu epochal, um bei aller angebrachten Detailkritik den Stab über den Machern zu brechen.

Eigentlich. Doch der am Donnerstag veröffentlichte neue Band "Asterix erobert Rom" ist so indiskutabel, dass man selbst als eingefleischter Fan anfängt, am Verstand und Gespür von Zeichner Albert Uderzo zu zweifeln. Hat er so eine laue Reste-Fledderei nötig? Das Album wirkt wie ein schlechtes "Buch-zum-Film"-Kinderbuch, mit dem die ahnungslose Oma Lese-Anfängern eine vermeintliche Freude á la Disney machen möchte: Der Text erzählt halbgar die Handlung des gleichnamigen Trickfilms nach, und die Seiten sind mit einigen wenigen Zeichnungen garniert, die wirken, als hätte sich ein Zweitverwerter-Verlag angesichts zu hoher Lizenzgebühren nicht mehr Grafik leisten können.

"Asterix erobert Rom" war 1976 der erste Kinofilm um den Comic-Gallier, der angesichts der Beliebtheit der Serie Massen anlockte. Auch in der DDR wurde er zum Straßenfeger. Für ihren ersten Film, in dem Asterix und Obelix zwölf Prüfungen ablegen müssen, schrieben Albert Uderzo und René Goscinny damals ein Drehbuch, ohne auf ein bestehendes Comic-Album zurückzugreifen. Allerdings wurden etliche Gags adaptiert. Für spätere "Asterix"-Filme wurden jeweils mehrere Alben-Vorlagen zusammengemischt. Das macht "Asterix in Rom" zwar eigen, und eventuell hätte man sich davon auch einen Comic gekauft - nicht aber dieses Merchandise-Unding. Traurig!

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