Wie wird man elegant die Geliebte wieder los?

Vieles im Leben kann man heute von Dienstleistern erledigen lassen. Nicht nur das lästige Fensterputzen und den Garten. Auch die Trennung vom Partner. In Augustusburg schlug die Premiere einer französischen Komödie zu diesem Thema mächtig ein.

Augustusburg.

In Deutschland haben sich im Vorjahr 153.500 Ehepaare scheiden lassen. Wie viele Partner ohne Trauschein sich trennten, erfasst die Statistik nicht. Vermutlich sind es weit mehr. Denn eine wilde Ehe zu beenden, geht, zum Beispiel per Whatsapp, weit schneller. Es muss aber nicht einfacher sein für die Beteiligten, wie Anna Silke Röder und Andreas Unglaub jetzt im Augustusburger Schlosstheater unter Beweis stellten. Ihre seit 2007 bestehende private kleine Bühne in den Kellergewölben des Schlosses war für die Premiere am Freitagabend bereits ausverkauft, als die Proben für "Trennung frei Haus" noch liefen. Es war die 30. Premiere für das Duo, das sich diesmal allerdings einen dritten Akteur ins Haus holte: den aus Dresden stammenden, seit 25 Jahren in Wien spielenden Schauspieler Ronald Kuste. Obwohl der sonst kaum Komödien besetzt, Unglaub und Röder aber genau dafür ein Faible haben, gelang in Augustusburg ein Glanzstück.

Es ist die in Frankreich 2015 uraufgeführte Komödie von Tristan Petitgirard, in der es um das Ende einer Liebesbeziehung geht und wie man so eine Trennung am besten hinter sich bringt. In dem Stück erledigt solche Angelegenheiten - in Anlehnung an US-amerikanische Agenturen - Eric Vence (Andreas Unglaub) professionell und diskret. Er bietet seinen Auftraggebern sogar drei Varianten an: von soft bis knallhart. Nun soll er wieder mal einer armen Frau klar machen, dass ihr Geliebter namens Hyppolite (Ronald Kuste) sie verlassen will. Doch diesmal läuft nichts nach Plan. Die Frau, die da vor ihm steht, ist Pauline (Anna Silke Röder), die Liebe seines Lebens, die Eric vor sieben Jahren plötzlich ohne Grund verließ. Natürlich sagt Eric Pauline nicht, dass er zum Schlussmachen engagiert wurde. Vielmehr schöpft er aus der Zufallsbegegnung für sich selbst neue Hoffnung. Er ahnt ja nicht, dass Hyppolite es sich plötzlich anders überlegt und die Trennung nicht mehr will. Genau deshalb stattet er Pauline sofort einen Besuch ab - und trifft auf seinen Trennungsbeauftragten. Ein recht merkwürdiges Trio sitzt da nun auf dem Sofa: die Frau, ihr Ex und ihr künftiger Ex. Die Atmosphäre ist alles andere als harmonisch.

90 Minuten wird der Zuschauer Zeuge einer Trennung, die keine mehr sein soll. Eric pflegt das Rollenbild des Geschäftsmannes, dem klar wird, welchen Sch...job er eigentlich macht. Pauline ist die herausragende Figur, eine starke Frau, die plötzlich zwischen der alten Liebe und dem neuen Lover schwankt, sich aber in jedem Fall eine ehrliche Beziehung wünscht. Als sie das perverse Spiel der Männer mitbekommt, drängt sie temperamentvoll auf Aufklärung. Hyppolite wiederum steht für jenen Typ Mann, der sich nicht entscheiden kann zwischen den lieb gewordenen Freiheiten des Singledaseins und den Verpflichtungen, die die Partnerschaft mit sich bringt.

Es bereitet außerordentliches Vergnügen, Röder, Unglaub und Kuste in dem Stück zuzusehen, das mit schönen Gags, überraschenden Wendungen, Emotionen, Rührung und überaus temperamentvollem Spiel aller drei Protagonisten daherkommt. Und das beinahe mit einem Happy End schließt. Aber selbst in den letzten Minuten der amüsanten Komödie erlebt der Zuschauer noch eine überraschende Pointe. Das Publikum dankte mit minutenlangem Beifall. Schade, dass es wegen anderer Verpflichtungen des Wieners vorerst nur zehn Vorstellungen bis November geben wird. "Aber vielleicht hat er im nächsten Jahr ja noch einmal eine Lücke in seinem Terminplan", hofft Unglaub.

Er kennt Kuste nur durch das gemeinsame Studium an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Nachdem er ihm das Textbuch geschickt hatte, habe Kuste ziemlich schnell zugesagt. "Auch für uns als Zwei-Mann-Ensemble ist das eine Bereicherung, obwohl ein Dritter natürlich auch ein Störfaktor ist, nicht nur in einer Liebesbeziehung", lacht Regisseur Unglaub. Das Experiment des Zwei-Mann-Theaters hat sich in jedem Fall gelohnt.

Das Stück ist noch am 12., 13., 26. und 27. Oktober sowie am 9. und 10. November, 19Uhr, im Schlosstheater Augustusburg zu sehen.

schlosstheater-augustusburg.de

 

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