Wo nicht einmal Nobelpreisträger Honorar bekommen

Seit 150 Jahren gehört "Nature" zu den bekanntesten wissenschaftlichen Zeitschriften. Das wöchentliche Fachmagazin erschien am 4. November 1869 erstmals in London.

Eigentlich richtet sich das Journal an Wissenschaftler, doch machen Zusammenfassungen wichtiger Beiträge es auch für interessierte Laien verständlich. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einem Schwerpunktthema, dem in der Regel eine Titelstrecke gewidmet ist. Wer hier publiziert, ist in seinem Bereich absolute Weltspitze, eine Veröffentlichung bringt auch über die Fachgrenzen hinaus zusätzliches Renommee. Zu den Autoren gehörten und gehören mehr als 170Nobelpreisträger, darunter Albert Einstein und Max Planck.

Beiträge zu vielen der bedeutendsten wissenschaftlichen Durchbrüchen wie der Kernspaltung (1939), der Struktur von DNA (1953), dem Ozonloch (1985) oder dem menschlichen Genom (2001) wurden erstmals in dem englischsprachigen Fachblatt veröffentlicht. ",Nature' ist die meistzitierte naturwissenschaftliche Zeitschrift der Welt", sagt Magdalena Skipper. Die promovierte Biologin leitet das Magazin seit 2018: "Wir veröffentlichen Originalrecherchen, die Fachkenntnisse voraussetzen, rufen aber auch Wissenschaftler und Politiker zu Leitartikel und Meinungsbeiträge zu Schlüsselfragen auf." Für die Rangfolge unter Fachmagazinen ist der sogenannte Impact Factor entscheidend: Der gilt als Maß dafür, wie viele Zitate eine Zeitschrift in anderen Werken generiert. "Nature" hat vor dem US-Konkurrenten "Science" den höchsten Wert.

Der Fortschritt in naturwissenschaftlichen Bereichen sowie die technologischen und industriellen Veränderungen wurden in Großbritannien noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem von der "Royal Society" verbreitet. "Nature" war nicht die erste Zeitschrift mit dem Ziel, die Wissenschaft der Masse näher zu bringen und verständlich zu machen. Zuvor gab es bereits andere Blätter, zu den engsten Vorgängern gehört das ab 1859 erschienene "Recreative Science". Daneben existierten in Europa auch andere Publikationen in deutscher und französischer Sprache. Doch alle scheiterten bald. Dass "Nature" nicht das gleiche Schicksal ereilte, lag vermutlich an einer gewissen Liberalität - und der journalistischen Qualität.

Die Idee zum Magazin stammte vom britischen Physiker Joseph Norman Lockyer, der als Professor am Londoner Imperial College das Helium mit entdeckte. Er wurde 1869 erster Herausgeber und Chefredakteur und veröffentlichte in der ersten Ausgabe auch die englische Übersetzung des Essays "Die Natur" von Johann Wolfgang von Goethe.

Der Verlag Macmillan Publishers Ltd, der bis heute das Journal herausgibt, gehört inzwischen zur Verlagsgruppe Holtzbrinck und verfügt über Büros in Europa, Asien und den USA, doch "Nature" setzt auf Kontinuität: In 150 Jahren hatte das Fachblatt nur acht Chefredakteure. Lockyer selbst behielt seinen Posten bis 1919. Magdalena Skipper ist nun die erste Frau in dieser Position.

Den Erfolg des Journals macht bis heute eine einmalige Mixtur aus. "Es ist unabhängig, eigensinnig - aber auch grausam, arrogant und reserviert", sagte einmal der ehemalige Chefredakteur John Maddox. Wer in "Nature" abgedruckt wird, darf sich geadelt fühlen - selbst Beiträge prominenter Forscher werden mitunter abgelehnt. Die Fachartikel werden sowohl vom Herausgeber, als auch von unabhängigen Wissenschaftlern geprüft. Letztlich schaffen es nur etwa sieben Prozent der eingereichten Manuskripte ins Heft. Honorar zahlt das Heft den Forschern nicht.

Alle neuen Hefte sind auch online verfügbar und so bereits vorab zu lesen. Doch nur die 53.000 Abonnenten können auf den kompletten Inhalt zugreifen, andere Interessierte müssen sich mit kurzen Zusammenfassungen begnügen. Außerdem stehen seit 2008 alle Ausgaben zurück bis zur ersten Nummer von 1869 in einem umfangreichen Online-Archiv bereit. Unter den mehr als 18.000 Fachartikeln befinden sich auch wissenschaftlich-historische Juwelen wie die Beobachtungen von Wilhelm Conrad Röntgen zu den von ihm entdeckten Strahlen aus dem Jahr 1896 oder die Beschreibung der ersten fossilen Hinweise auf die Abstammung des modernen Menschen aus Afrika durch Raymond Dart anno 1925.

www.nature.com

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