Handynetze sind besser als ihr Ruf

Es gibt sie natürlich noch, die gefürchteten Funklöcher. Doch die Mobilfunk-Versorgung hat sich verbessert, wie ein Test zeigt. Vor allem in einem Bereich gibt es einen großen Qualitätssprung.

München (dpa/tmn) - Wenn es um das Thema Netzabdeckung geht, hagelt es derzeit Kritik. Doch insgesamt betrachtet sind die Mobilfunknetze in Deutschland gut aufgestellt, auch wenn es insbesondere außerhalb der Städte nach wie vor Ausbaubedarf gibt. Dieses Fazit zieht das Fachmagazin «Chip» bei seinem jährlichen Mobilfunk-Netztest (Ausgabe 1/20).

Überrascht waren die Experten von ihren Messungen in Fernzügen, die als besondere Funknetz-Problemzone gelten. In den ICEs habe sich die Versorgungsqualität im Laufe des letzten Jahres spürbar verbessert. Das vorbildliche Niveau der Schweizer Bundesbahnen sei aber noch lange nicht erreicht, so die Tester.

In der Zug-Wertung verbessern sich alle Netze

Sowohl Telekom (Vorjahr 2,7) als auch Vodafone (Vorjahr 2,6) erreichen in der Zug-Wertung nun die Note 2,2. Und O2/Telefónica steigert sich von 4,1 auf die Note 3,6.

Die Gesamtnoten für die Mobilfunknetze haben sich im Vergleich zum Vorjahrestest aber kaum geändert: Das beste Netz mit einer Note von 1,3 (Vorjahr 1,4) hat wieder die Telekom, gefolgt von Vodafone mit der unveränderten Note 1,5 (Vorjahr 1,5) und O2 mit der Note 2,3 (Vorjahr 2,2).

LTE-Ausbaubedarf in der Fläche

Insgesamt betrachtet besteht den Angaben zufolge bei O2 der größte Ausbaubedarf. Im Test offenbart dieses Netz etwa die schlechteste LTE-Verfügbarkeit (rund 76 Prozent). Vodafone (86 Prozent) und Telekom (93 Prozent) stehen im Vergleich deutlich besser da.

Und wie ist es ums mobile Internet bestellt? Als durchschnittliche Download-Transferrate ermittelten die Tester unverändert zum Vorjahr rund 72 Megabit pro Sekunde (MBit/s) bei der Telekom und rund MBit/s im O2-Netz (Vorjahr 31 MBit/s). Die beiden Netzbetreiber sind also in diesem Punkt auf annähernd gleichem Niveau geblieben. Allein bei Vodafone ist die Rate deutlich angestiegen, und zwar von rund 46 auf 59 MBit/s.

Unterwegs mit Messfahrzeug und Messrucksäcken

Für den Test wurden mehr als 312 000 Messwerte erhoben - mit Hilfe eines Fahrzeugs mit Messtechnik-Dachbox (9270 zurückgelegte Kilometer) und einem Fußgänger-Team mit Messrucksäcken, die durch Innenstädte liefen (73 Stunden) und Zug (1950 Kilometer) fuhren.

Die Internet-Leistung der Netze floß mit 56 Prozent in die Gesamtbewertung ein, die Telefonie-Leistung, bei der erstmals auch Messenger-Telefonate übers Internet berücksichtigt wurden, mit 32 Prozent.

2,4 Millionen Verbraucher steuerten Daten bei

Ergänzt wurden die Messungen durch Ergebnisse eines Crowdsourcing-Tests, bei dem 2,6 Milliarden Werte zur Qualität der Netzversorgung auf 2,4 Millionen Handys teilnehmender Nutzer anonym erfasst und ausgewertet wurden.

So ließen sich für rund 60 Prozent des Landes Angaben zur Verfügbarkeit machen, die mit einer Gewichtung von 12 Prozent in die Gesamtnote einflossen.

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