Südwestsachsen-Karte zum Internet-Ausbau entlarvt Pläne als Utopie

Flickenteppich beim Turbo-Internet

Chemnitz. In großen Teilen der Region werden derzeit nicht einmal 16 Megabit Übertragungsgeschwindigkeit erreicht. Selbst im Vogtlandkreis, in dem die Telekom gerade mit rund neun Millionen Euro Fördergeldern das Breitbandnetz ausgebaut hat, mehrt sich inzwischen die Kritik. In einer aktuellen, jedoch nicht repräsentativen Internet-Umfrage, hinter der die Unternehmer Tino Behrens aus Markneukirchen und Steffen Thomä aus Adorf stehen, benoten 30 der bislang 45 Teilnehmer die Versorgungsqualität mit ausreichend bis ungenügend.

Auch Online-Nutzer, die im Landkreis schon vor dem Ausbau mit mehr als zwei Megabit im Internet unterwegs waren, beklagen sich. Sie gehören nun zu den langsamsten Surfern. "Weil nach EU-Beihilferecht die Hochrüstung des Webzugangs nur dort staatlich gefördert werden durfte, wo vorher Übertragungsgeschwindigkeiten von weniger als zwei Megabit möglich waren", erklärt Jan Klingler von dem am Ausbau beteiligten Planungsunternehmen Tele-Kabel-Ingenieurgesellschaft Chemnitz. "Die Bedürfnisse der Internetnutzer haben diese Fördervoraussetzung überholt."

Neben der Telekom investieren auch Anbieter wie Vodafone derzeit Millionen Euro in der Region. Das Unternehmen verspricht superschnelles Internet für alle, zum Beispiel mit Datenraten bis zu 21,6 Megabit pro Sekunde und 15 Gigabyte Datenvolumen. Im Vogtland hat es nach eigenen Angaben deshalb sechs Funkstationen hochgerüstet, in Mittelsachsachsen zwölf Masten, im Landkreis Zwickau und im Erzgebirgskreis sind es jeweils 22 Stationen. Selbst in Randlagen soll das Internet dadurch mit mindestens drei Megabit pro Sekunde laufen.

Bernd Rudolph von der Initiative "Breitband für alle" im Erzgebirge und Bundesvizechef der Aktion "Geteilt.de", sieht aber bei der Funktechnik in der Datenvolumenbegrenzung aller Anbieter ein Problem: "Wer häufig Filme lädt oder mehrere PC im Haushalt hat, wird schnell die viel zu kleinen tariflich festgelegten Datenvolumina ausschöpfen und dann nur noch unerträglich langsam surfen können." Heutzutage würden deutlich höhere Datenvolumen gebraucht, als sie angeboten würden. Vodafone räumt ein, dass beim Erreichen des jeweiligen Volumens das Tempo auf 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt werde.

Heiko Lötzsch, Chef des Netzspezialisten km3 Teledienst aus dem erzgebirgischen Beierfeld, setzt deshalb auf die Strategie, "das Fernsehen im Kabel zu belassen und das Internet dort aufzusetzen". Bis zu 100 Megabit seien so leicht möglich. Zugleich relativiert Lötzsch die Forderung nach einer flächendeckenden 16- oder 50-Megabit-Versorgung: "Es braucht doch auch nicht jeder einen Porsche oder Ferrari."

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