2143 Corona-Neuinfektionen in Deutschland registriert

Mit der schwindenden Zahl von Reiserückkehrern zum Ende der Sommerferien schien sich die Corona-Lage in Deutschland zu stabilisieren. Doch nun steigen mehrere Kennwerte merklich an. Droht ein massiver Anstieg, wie er in Nachbarländern schon begonnen hat?

Berlin (dpa) - Zum vierten Mal binnen gut eines Monats sind in Deutschland wieder mehr als 2000 Corona-Neuinfektionen erfasst worden. Die Gesundheitsämter meldeten innerhalb eines Tages 2143 neue Fälle, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag bekanntgab.

Am 22. August hatte der Wert bei 2034 gelegen, am vorigen Samstag (19.9.) war mit 2297 neuen Corona-Infektionen der höchste Wert seit April erreicht worden. «Nach einer vorübergehenden Stabilisierung der Fallzahlen auf einem erhöhten Niveau ist aktuell ein weiterer Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten», hieß es vom RKI.

In einem am Mittwoch verbreiteten, schon vor einiger Zeit geführten Interview des World Health Summit hatte der Berliner Virologe Christian Drosten mit Blick auf die künftige weltweite Entwicklung erklärt: «Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns.» Deutschland dürfe sich nicht auf seinen vermeintlichen Erfolgen ausruhen. Mit Blick auf den Herbst müsse viel differenzierter und genauer auf die Entwicklungen im Ausland geschaut werden. «Wir müssen aufhören, uns über so Dinge wie Fußballstadien zu unterhalten. Das ist wirklich komplett irreführend.»

Ein Hinweis darauf, dass die Infektionslage wieder anzieht, ist auch, dass zuletzt ein größerer Anteil der Corona-Tests positiv ausfiel. Die sogenannte Positivenquote lag laut RKI-Lagebericht in der Woche vom 14. bis 20. September bei 1,19 Prozent (Vorwoche: 0,86). Das ist der höchste Wert seit mehr als zehn Wochen.

Auch bei der bundesweiten 7-Tage-Inzidenz zeichnet sich eine Entwicklung ab: Die Zahl erfasster Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche lag am Mittwoch bei 13,2. Eine Woche zuvor hatte sie bei 11,5 gelegen, vor zwei Wochen bei 9,9. Aktuell liege die 7-Tage-Inzidenz in den Bundesländern Bayern und Berlin sehr deutlich, in Hamburg und Nordrhein-Westfalen deutlich und in Baden-Württemberg und Bremen leicht über dem bundesweiten Durchschnittswert, hieß es vom RKI.

Keine merkliche Veränderung lässt sich bisher bei der sogenannten Reproduktionszahl, kurz R-Wert, erkennen: Sie lag laut RKI-Lagebericht vom Donnerstag bei 0,78 (Vortag: 0,79). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI einen Sieben-Tage-R-Wert an, der weniger tagesaktuellen Schwankungen unterliegt. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen und lag bei 0,97 (Vortag: 0,95).

Kaum Veränderung gibt es bisher auch bei der noch niedrigen Auslastung der Intensivbetten. Sie geht Experten zufolge unter anderem darauf zurück, dass sich zuletzt anteilig viele jüngere Menschen infizierten, die seltener starke Symptome entwickeln. Aktuell nehme der Anteil der Fälle in der älteren Bevölkerung aber leicht zu, so das RKI. «Wenn sich wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, werden wieder mehr schwere Fälle und Todesfälle auftreten.»

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Im Frühjahr war allerdings noch wesentlich weniger getestet worden - und die Zahl erkannter Neuinfektionen hängt unter anderem mit der Zahl der Tests zusammen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben von Donnerstagmorgen mindestens 278 070 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 24.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt demnach bei 9428. Das sind 19 mehr als am Vortag. Rund 246 900 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

77 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 8
    1
    klapa
    23.09.2020

    Mops und censor, was die Pflichten von Journalisten betrifft, die wir meinen, da sind wir uns völlig einig.

    Die Frage der Kapazitäten, sprich finanziellen Möglichkeiten einer Regionalzeitung, sind damit aber nicht geklärt.

    Soweit mir bekannt, die Schließung des Berliner Büros der FP mit Herrn Peduto vor längerer Zeit ist dafür ein beredtes Beispiel.

  • 10
    3
    censor
    23.09.2020

    mops0106 und klapa

    Eigenständige Recherche ist gute Journalistenhandwerk. Und ich bin mir sicher, die FP hat sehr gute Journalisten. Nichtkönnen ist also mit Sicherheit nicht der Grund, und ich vermute, wir können uns alle denken, was es ist, ohne dass ich es direkt ausspreche.

    Hier und da gibt es schon mal kritische Ausreißer. Markus Lanz war vor ca. 2 Wochen so einer. Er hatte den SPD-Bürgermeister von HH Tschentscher zu Gast und hat in Sachen Corona-Maßnahmen ganz schön Klartext gesprochen.
    Naja, zu der Sendezeit darf man das vll. mal riskieren.

  • 12
    5
    mops0106
    23.09.2020

    Klapa, ich finde schon, dass auch Journalisten der FP recherchieren müssen, wie Censor schreibt. Jeder Journalist (und Politiker) kann zumindest öffentlich zugängliche Quellen nutzen, so wie wir das auch machen.

    Wie sagte der Grünen-Politiker Claudio Sieber, der nach seiner guten Rede aus seiner Fraktion geworfen wurde, sinngemäß: Wer tagsüber keine Zeit hat dafür, muss es eben nachts machen. Das wären Politiker ihren Wählern schuldig.

    Bei Journalisten sehe ich das ähnlich. Wenn alle den Mund halten bzw. der Regierung nach dem Mund reden, ändert sich nie was.

  • 6
    12
    klapa
    23.09.2020

    Censor, vermute, dass Sie da etwas von der FP verlangen - ich rede von Ihrem letzten Satz - was sie einfach nicht leisten kann, weil die Kapazitäten dafür einfach fehlen.

    Fordern könnte man das von dpa, rnd und ählichen Netzwerken.

    Aber die müssen der Regierung und ihren 'Experten' nach dem Munde reden.

  • 11
    10
    censor
    23.09.2020

    Man kann direkt spüren, wie mit jedem Tag, jeder neuen Corona-Tagesmeldung die Angst geschürt werden soll: jetzt kommt der böse Herbst! Das Virus kehrt zurück!

    Und immer wieder sind es Fallzahlen positiver Tests, die mit "Erkrankung" gleichgesetzt werden.
    Und immer wieder wird bei Todesfällen die Formulierung "an oder mit dem Virus" gebraucht.

    Hier muss endlich differenziert werden.
    Bsp.: Ein Krebskranker im Endstadium, der sich auf der Palliativstation "das Virus" holt, kann nicht zweimal gezählt werden: als Krebstoter und als Coronatoter.
    Man zählt ihn aber als Coronatoten. ("mit dem Virus gestorben")

    Ich hätte einen treffenden Ausdruck für diese Vorgehensweise, weiß aber nicht, ob man das noch schreiben darf.

    Man muss sich nur die Sterbestatistik diesen Jahres für Deutschland anschauen, und man stellt fest, dass es bisher überhaupt keine Übersterblichkeit gibt. Im Gegenteil: Im Sommer klagten die Bestattungsfirmen über Auftragsmangel und meldeten Kurzarbeit an.

    Das zeigt doch, dass etwas in der statistischen Aufbereitung nicht stimmen kann.
    Kein Mensch kann zweimal sterben, aber wenn er so alt und/oder so krank ist, dass er im Mai sowieso verstorben wäre, im April aber positiv auf "das Virus" getestet wurde, dann ist er ein Coronaopfer und treibt die Corona-Statistik in die Höhe.

    Liebe FP, es wäre wirklich schön, wenn in Zukunft nicht einfach nur die vorgegebenen Zahlen nachgedruckt würden, sondern auch mal auf diese Diskrepanzen hingewiesen würde.

  • 18
    13
    420
    23.09.2020

    Man will doch die angst schüren anstatt sie zu ersticken
    @ JochenV Aber stimmt wäre mal schön

  • 23
    4
    JochenV
    23.09.2020

    Ein Spiegel des gesamten klinischen Bildes wäre einmal interessant auf der Basis der Erkrankungen. Erkrankungen Gesamt, davon Corona-Erkrankungen (ohne lediglich Infektionen).
    Bekommen Sie das hin, Freie Presse ?