Das erschütternde Ende eines Königssohns

Mit der Enthauptung Konradins in Neapel erlosch vor 750 Jahren ein legendäres mittelalterliches Herrschergeschlecht: Der 14-jährige Ururenkel Friedrich Barbarossas war der letzte Spross der Staufer.

Sein Schicksal hat das Gemüt seiner Zeitgenossen und der Nachwelt immer berührt. Ein erschütterndes literarisches Zeugnis ist ein Gedicht des Sängers Heinrich von Meißen (gestorben 1318). Er spricht vom Tod des letzten Sprosses des Staufergeschlechts "davon noch allen diutschen vürsten eiset" (das heißt, davon noch alle deutschen Fürsten erschrecken).

Die Rede ist von Corradino (Konradin), wie er zuerst in Italien ironisch genannt wurde. Geboren wurde er am 25. März 1252 auf der Burg Wolfstein bei Landshut als Sohn König Konrads IV. und Elisabeth von Wittelsbachs. Frühzeitig verlor er seinen Vater, der seinen Sohn nie gesehen hat, da er sich zur Zeit der Geburt in Italien aufhielt und bereits 1254 starb. Der Urenkel Kaiser Friedrich Barbarossas (1122 - 1190) hatte die Vormundschaft für den Knaben Papst Innozenz IV. übertragen, doch auch dieser starb noch im selben Jahr.

Konradin wuchs unter der Obhut zweier Onkel in Schwaben und Bayern auf. Dem Namen nach trug er den Titel eines Königs von Jerusalem, zehnjährig wurde ihm das Herzogtum Schwaben übertragen. Doch auch dieses Herzogtum konnte während seiner Unmündigkeit nicht wirklich behauptet werden. Lokale Gewalten eigneten sich einige Gebiete an. Mit unbändigem Hass verfolgten alle Päpste der Zeit die Staufer, weil diese ihnen nach Ansicht der vermeintlichen Stellvertreter Gottes die politische Macht streitig machten. Sie erkannten auch Konradins Erbansprüche auf das Königreich Sizilien nicht an, das seine Urgroßmutter durch ihre Heirat den Staufern zugeführt hatte. Für den unmündigen Konradin herrschte darüber zunächst dessen Onkel Manfred. Als dieser das Gerücht vernahm, Konradin sei gestorben, ließ er sich 1258 die sizilianische Königskrone aufs Haupt setzen. Damit war Papst Clemens IV. absolut nicht einverstanden und rief Karl von Anjou ins Land, dem der Papst als Lehnsherr von Sizilien das Land übergab. Im Kampf gegen ihn unterlag Manfred und starb 1266.

Inzwischen hatten die deutschen Fürsten die deutsche Königskrone dem Engländer Richard von Cornwall übertragen. 1261 und 1267 bemühte sich der junge Staufer vergeblich um sie. Er scheiterte am Widerstand des Papstes.

Als Konradin vom Tode Manfreds hörte, brach der 14-Jährige mit einem Heer nach Italien auf, begleitet von seinem Onkel Herzog Ludwig von Bayern. Er wollte sich sein Erbreich Sizilien erobern. Die italienischen Anhänger der Staufer, die sogenannten Ghibellinen, ermutigten ihn dazu und unterstützten seinen Anspruch. Als der Papst davon Kenntnis erhielt, bannte er den jungen Kämpfer. Aber wie einem Kaiser jubelten ihm die Römer zu, als er in ihre Stadt einritt. Der Papst entzog ihm darauf das Anrecht auf das Königreich Jerusalem (das in Wirklichkeit zu dieser Zeit unter ägyptischer Herrschaft stand). Von Rom aus marschierte Konradin mit seinem Heer weiter in die palentinische Ebene.

Dort kam es am 23. August 1268 bei Tagliacozzo zur Schlacht. Die verlief für den jungen Staufer zunächst günstig. Doch durch eine List, wie sie damals unter Rittern als ehrenrührig galt, nämlich durch eine im Hinterhalt befindliche Reiterreserve, errang Karl einen entscheidenden Sieg. Konradin konnte mit einigen seiner Anhänger fliehen. Er bestieg ein Schiff, das ihn nach Sizilien bringen sollte. Dort war gegen Karl ein Aufstand ausgebrochen. Aber Konradin wurde verraten und an Karl ausgeliefert. Der behandelte den jungen Fürsten nicht als Kriegsgefangenen, sondern als Verbrecher. Konradin und seinen Anhängern wurde in Neapel der Prozess gemacht. Anklage: Sie seien "Frevler gegen die Kirche, als Empörer und Hochverräter an dem rechtmäßigen König". Trotz Konradins Freispruch bestand Karl auf dem Todesurteil. Auf dem Markt von Neapel fiel am 29. Oktober 1268 der Kopf des letzten legitimen Staufers unterm Schwert des Henkers.

Unerbittlich in seinem Hass, verweigerte Karl dem jungen Fürsten ein christliches Begräbnis und ließ ihn an der Küste auf einem Judenfriedhof verscharren. Erst später fand er auf Bitten seiner Mutter nahe seiner Hinrichtungsstätte, in der Kirche Santa Maria del Carmine, seine letzte Ruhe. 1847 wurde über Konradins Grabstätte eine über zwei Meter hohe Statue des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen aufgestellt. Deren Sockel birgt bis heute die Gebeine des jungen Fürsten.

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